Der leere Block.
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Kommentar: Eintracht Frankfurt

Statt Kollektivstrafen des DFB braucht es richtige Gerichtsprozesse

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Die Kollektivstrafe gegen die Eintracht-Fans zeigt erneut bloß die Ratlosigkeit des DFB: Statt kriminelle Einzeltäter dem Urteil echter Gerichte zu überlassen, schließt das überforderte Sportgericht gleich tausende Fans aus. Das kann nicht sein, meint unser Autor Markus Katzenbach.

Bei der Frankfurter Eintracht war man am frühen Dienstagmorgen ziemlich erleichtert. Sich vor Gericht mit den eigenen Fans zu streiten, dabei ein Urteil des Deutschen Fußball-Bundes verteidigen zu müssen, gegen das man sich nach Kräften gewehrt, das einen selbst hart getroffen hat – das war das Letzte, was man wollte, und blöder kann man auch kaum zwischen den Stühlen sitzen. So erspart der Rückzieher von Fans, die sich zum Pokalspiel gegen den FC Ingolstadt auf die

Tribüne klagen wollten, der Eintracht einerseits eine groteske Verhandlung. Andererseits wäre es in Fällen dieser Art auch einmal spannend, die Rechtssprechung des sportlichen Justizapparates von einem Gericht aus der echten Welt beleuchten zu lassen.

Dass wie bei der Aussperrung tausender Eintracht-Fans aus dem Stadion Unbeteiligte für das Fehlverhalten eines Einzelnen oder einiger weniger in Mithaftung gezogen werden, lässt sich juristisch gewiss problematisieren. Dass diese Kollektivstrafen nicht geeignet sind, bei der Befriedung der Lage zu helfen, wird eigentlich ohnehin nicht mehr in Frage gestellt. Dem Sportgericht aber fällt bei der schweren Frage von Maß und Mittel nichts Besseres ein, und es scheint selbst resistent gegenüber dem Rat der eigenen Fachleute.

Dass Tickets für Auswärtsspiele personalisiert werden müssen, macht den ganz normalen und bislang sehr reisefreudigen Eintracht-Fans das Leben bald ungemein schwer – und birgt in Bezug auf die, denen es dabei nicht nur um Fußball geht, nur noch mehr Konfliktherde, davor warnen auch die Sicherheitsexperten des DFB. Strafe muss sein, besonders wenn Raketen geschossen werden auf Ränge voller Menschen. Aber nicht für die ganze Tribüne, sondern für den unter fast schon vorbildlicher Mithilfe der Eintracht und ihrer Fanszene ermittelten Täter. Und das von einem ordentlichen Gericht, das für solche kriminellen Akte zuständig ist. Nicht von einem Sportgericht, das in dieser zugegeben schwierigen Gemengelage wieder einmal überfragt und überfordert war.

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