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Die Grafik zeit Messstationen mit den höchsten Durchschnittswerten 2016. Grafik: J. Reschke, Redaktion: M. Beils

Messdaten 2016 veröffentlicht

Stickstoffdioxid-Belastung sorgt für dicke Luft

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 Drei Städte in Rheinland-Pfalz überschreiten nach Angaben des Umweltbundesamts den EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2). Die höchste Belastung mit dem gefährlichen Atemgift gab es 2016 in Mainz, gefolgt von Ludwigshafen und Koblenz.

"Schuld sind in den Städten vor allem alte Diesel-Autos", erklärte die Präsidentin der Behörde, Maria Krautzberger, zu den Messdaten. "Es kann aus Sicht des Gesundheitsschutzes nicht akzeptiert werden, dass die Kommunen keine Handhabe haben, um beispielsweise Dieselautos mit hohem Ausstoß aus den belasteten Innenstädten auszuschließen."

Gleich zwei Messstationen in Mainz überschreiten den Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter Luft: Die Parcusstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs und die Große Langgasse im Stadtzentrum. Knapp unterhalb der Schwelle liegt die Rheinallee mit 39 Mikrogramm. Hotspot der NO2-Belastung in Ludwigshafen ist die Heinigstraße in der Innenstadt (46 Mikrogramm im Jahresschnitt), in Koblenz ist es die Hohenfelder Straße (43 Mikrogramm).

An der Mainzer Parcusstraße wird an neun Stunden im Jahr sogar ein Wert von mehr als 200 Mikrogramm Stickstoffdioxid gemessen, das Fünffache des Grenzwerts. Da NO2 in Verbindung mit Wasser zu Salpetersäure (HNO3) wird, kann es zu Verätzungen und Entzündungen im Lungengewebe kommen.

In der drittgrößten rheinland-pfälzischen Stadt Trier ist die Belastung etwas geringer; die Messstation Ostallee registrierte einen Mittelwert von 30 Mikrogramm. Ähnlich ist es in Frankenthal (34), Worms (28), Speyer-Nord (28), Neuwied (27) und Bad Kreuznach (24).

Als erste Stadt in Rheinland-Pfalz steht Mainz vor einem Gerichtsverfahren, bei dem es um ein Fahrverbot für Dieselautos geht. Die Deutsche Umwelthilfe aktivierte im Oktober 2016 eine mehrere Jahre lang ruhende Klage vor dem Verwaltungsgericht, nachdem außergerichtliche Verhandlungen mit der Stadt aus Sicht des Umweltverbands gescheitert waren.

Die Stadt sieht sich zu Unrecht vor den Richterstuhl gezogen, verweist auf eigene Maßnahmen wie den Bau der neuen Straßenbahnlinie "Mainzelbahn" und will den Rechtsstreit nun durchziehen. Einen Termin für eine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht gibt es bislang noch nicht.

"Wir haben die Hoffnung, dass das Verwaltungsgericht trotz hoher Belastung mit anderen Verfahren eine zeitnahe Terminierung ansetzt und wir dann auch zu einem Urteil gelangen", sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. "Wir haben bisher kein einziges Verfahren verloren." Der Automobilindustrie wirft er "organisierte Form der Kriminalität" vor, weil es um die Vermeidung tödlich verlaufender Krankheiten gehe. In Mainz sei die Belastung mit Stichstoffdioxid zu etwa 25 Prozent von den städtischen Bussen verursacht.

Der städtische Busverkehr spiele durchaus eine Rolle, sagte ein Sprecher des Umweltbundesamts in Dessau-Roßlau. "Aber besser ein Bus als 50 Autofahrer."

Am saubersten ist die Luft im Hunsrück sowie im Pfälzerwald und in der Eifel. Dort wurden an einzelnen Messstationen nur fünf oder sechs Mikrogramm NO2 registriert. Auch im Westerwald herrscht noch reine Luft mit acht Mikrogramm an drei unterschiedlichen Messstationen.

Bei der Feinstaub-Belastung wird der EU-Grenzwert von über 50 Mikrogramm an mehr als 35 Tagen im Jahr in Rheinland-Pfalz nicht überschritten. Über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Wert von 20 Mikrogramm im Jahresmittel liegen Ludwigshafen (25), Mainz (22) und Worms (21).

 

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