1. Startseite
  2. Politik

Strafe für die Eintracht: Ein verhängnisvoller Fehler

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ja, einige Fußball-Fans der Frankfurter Eintracht hatten sich im vergangenen Dezember während des Heimspiels gegen Darmstadt 98 richtig daneben benommen.

Ja, einige Fußball-Fans der Frankfurter Eintracht hatten sich im vergangenen Dezember während des Heimspiels gegen Darmstadt 98 richtig daneben benommen. Da brannten Fahnen der Südhessen, da wurde Pyro gezündet. Das wurde vom Deutschen Fußball-Bund bestraft und war auch richtig so. Nur: Mit der Art der Strafe fing das Dilemma an, das hoffentlich am Samstag nicht im Chaos endet.

Es war unverantwortlich und kurzsichtig vom DFB-Sportgericht, für das Rückspiel ein Stadionverbot für Eintracht-Fans zu verhängen. Von Frankfurt nach Darmstadt, das ist ein Katzensprung. Wer sich etwas in der vielschichtigen Fanszene auskennt, der hätte wissen müssen, dass ein solches Verbot wie ein Aufruf zum Massentourismus nach Südhessen ist. Vor ein paar Jahren waren Hunderte trotz Verbot und ohne Eintrittskarten zur Partie bei Union Berlin gefahren. Dort hatten die Veranstalter weise reagiert. Polizisten wiesen dem breites Hessisch sprechenden Fremden freundlich den Weg ins Stadion, dort begrüßte der Stadionsprecher „auch die Gäste, die eigentlich nicht hier sein dürften“. Und nach ein paar Spielminuten wurden sogar die Tore geöffnet, damit sich die Eintrachtler in „ihrem“ Block versammeln durften. Das Ergebnis war ein fröhlich-friedlicher Fußball-Abend.

Klar, zwischen Frankfurtern und Darmstädtern besteht eine größere Rivalität. Trotzdem dürfen nicht alle Anhänger eines Vereins, egal, wie dieser heißt, unter den Generalverdacht gestellt werden, rund um ein Spiel Gewalt ausüben zu wollen. Und so toppte die Stadt Darmstadt mit ihrer Sperr-Verordnung den Fehler des DFB-Sportgerichts noch einmal entscheidend. Alle Eintracht-Fans für 36 Stunden aus der südhessischen Nachbarstadt zu verbannen, das ist Sippenhaft, ist mit einer demokratischen Denke nicht vereinbar. Kein Wunder, dass nun selbst Rechtsanwälte von einer „hochgradig rechtswidrigen Maßnahme“ sprechen. Und wie die Anordnung von den Hundertschaften der Polizei praktisch umgesetzt werden soll, kann auch niemand präzise beantworten. Der Versuch einer notwendigen Deeskalation ist nicht einmal im Ansatz zu erkennen.

Verantwortliche der Stadt Darmstadt und der Polizei haben einen riesigen Fehler gemacht. Sie haben entschieden, ohne sich wenigstens die Meinung der Fachleute anzuhören, die täglich mit dem problematischen Teil der Eintracht-Fans zusammenarbeiten. Sie beschlossen das Verbot bereits am 21. April, sie luden zur Pressekonferenz aber erst am 26. April, am Tag, bevor die übliche Sicherheitsbesprechung stattfand. Nach eigener Aussage wusste nicht einmal der Hessische Innenminister von dem Vorhaben. Und jetzt? Es bleibt die Hoffnung, dass vom Verwaltungsgericht entschieden wird, dass dieses Betretungsverbot aufgehoben wird. So könnte wenigstens etwas Dampf aus dem Kessel genommen werden. Aber Darmstadt hat im Gegensatz zu seinem Verein bewiesen, dass man nicht reif für die Bundesliga ist.

Klaus.Veit@fnp.de  

Auch interessant

Kommentare