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Auf unserem Symbolfoto macht sich eine Frau klein, um der Gewalt durch einen Mann zu entgehen.

Tatort Zuhause

Statistik: Häusliche Gewalt von Männern gegen Frauen bleibt erschreckend hoch

Die Zahlen sind alarmierend: Zehntausende Fälle von Gewalt in Partnerschaften sind im vergangenen Jahr angezeigt worden. Vermutlich ist die Dunkelziffer hoch. Es gab viele Todesfälle.

Jeden Tag versucht laut Statistik ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Im vergangenen Jahr starb dabei in 147 Fällen das Opfer, wie aus Zahlen des Bundeskriminalamts hervorgeht, die Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) gestern in Berlin vorstellte. Dazu kommen Tausende Fälle von Vergewaltigungen, Körperverletzungen, Stalking und sexueller Nötigung. „Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort“, sagte die SPD-Politikerin.

Fast 140 000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft wurden 2017 angezeigt. Nur jedes fünfte Opfer aber suche überhaupt Hilfe, sagte Giffey. Tatsächlich seien Hunderttausende betroffen – zu mehr als 80 Prozent Frauen, aber auch mehrere Tausend Männer.

Die Auswertung des BKA zeigt zudem, dass rund zwei Drittel der Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger sind. Ein Migrationshintergrund wird nicht erfasst. „Häusliche Gewalt geht durch alle Gruppen“, betonte Giffey. Generell sei die Gefahr höher, wenn Alkohol, Geldsorgen und psychische Probleme im Spiel seien.

Den regelmäßigen BKA-Auswertungen zufolge stieg die Zahl der registrierten Opfer partnerschaftlicher Gewalt zwischen 2013 und 2016 um insgesamt 9,3 Prozent auf seinerzeit gut 133 000 an. 2017 wurden die Deliktsbereiche unter anderem um Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution erweitert. Daher sind sie nicht vergleichbar. Ohne die Erweiterung auf weitere Deliktsbereiche hätte es 2017 einen leichten Rückgang der Opferzahlen gegeben.

Täter häufig recht jung

Was sind das für Männer, die in einer Partnerschaft schlagen, misshandeln, vergewaltigen, gar töten? Die meisten sind den Angaben zufolge noch recht jung, 30 bis 39 Jahre alt. „Sie kommen aus allen sozialen Schichten“, sagt Julia Reinhardt, die stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt. Menschen mit schlechten Schulabschlüssen und ohne Job sind genauso darunter wie Hochgebildete, Manager, Professoren. „Es hat mit dem Einkommen nichts zu tun“, sagt Reinhardt.

Wie sie mit ihren Partnerinnen umgingen, lernten viele Männer schon von den eigenen Eltern, fügt Expertin Reinhardt hinzu. Sie arbeitet in der Bewährungshilfe, hat mit Tätern gesprochen und zwei Typen ausgemacht.

Die einen sind Männer, die glauben, ihre Frau kontrollieren zu können. Sie halten an alten Rollenmustern fest: Der Mann dominiert, diktiert, die Frau kuscht. Solche Männer hätten auch nach einer grausamen Tat wenig Motivation, ihr Verhalten zu ändern.

Doch auch in scheinbar gleichberechtigten Partnerschaften herrscht Gewalt, besonders in Situationen, die der Täter als Krise empfindet: Trennungen, Scheidungen, ein neuer Partner – auch wenn er selbst es war, der Schluss machte und die Frau verließ.

Doch was kann man tun, um den Frauen zu helfen? 350 Frauenhäuser bieten ihnen in Deutschland Zuflucht. „Das reicht nicht“, räumt Giffey ein. Im nächsten Jahr soll ein Aktionsprogramm starten, 2019 und 2020 sollen zusammen mehr als 40 Millionen Euro fließen, damit Kommunen und Länder ihre Hilfsangebote verbessern. Schon jetzt gibt es ein Hilfetelefon, rund um die Uhr und in 17 Sprachen. Am wichtigsten sei es, dass die betroffenen Frauen das Muster durchbrechen und in ihrer nächsten Partnerschaft nicht wieder Gewalt erlebten, sagt Reinhardt. Kinder müssten außerdem lernen, dass das Verhalten ihres Vaters falsch sei. Denn Mädchen wählten ihre Partner oft nach dem Vorbild des Vaters – und Jungen trügen dessen Verhalten in die eigene Familie weiter.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist zu erreichen unter 08000 116 016

( dpa,afp)

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