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Dieter Sattler

Kommentar

Trump: Von „Freund“ Kim gedemütigt

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US-Präsident Donald Trump hatte sich alles so schön ausgemalt. Es hätte nicht nur seinen Anhängern, sondern gewiss auch manchem aus dem anderen politischen Lager imponiert, wenn er in Vietnam hinbekommen

US-Präsident Donald Trump hatte sich alles so schön ausgemalt. Es hätte nicht nur seinen Anhängern, sondern gewiss auch manchem aus dem anderen politischen Lager imponiert, wenn er in Vietnam hinbekommen hätte, was alle seine Vorgänger nicht geschafft haben: Einen echten Atom-Deal mit Nordkorea, der die Welt sicherer macht. Dafür hätte er vielleicht sogar den Friedensnobelpreis bekommen können.

Doch jetzt steht Trump wie ein Scheinriese da: Er kehrt mit leeren Händen vom Gipfel in Hanoi zurück. Gedemütigt wie ein abgewiesener Liebhaber. Letztlich hat ihn der nordkoreanische Diktator Kim, den Trump sogar seinen Freund nannte, vorgeführt. Der Kommunist bekam die ganz große Bühne und hat dort dem mächtigsten Mann der Welt, der ihm quasi hinterherlief, einen Korb verpasst. Für Trump, der Deals unter Männern so schätzt, ist das eine unfassbare Blamage. Er hat wie schon im Fall Putins feststellen müssen, dass es Interessen-Konflikte in der Welt gibt, die sich nicht mal eben kurz am Telefon, beim Bankett oder auch an der Theke lösen lassen.

Zurück in Washington wird er nicht nur mit den Anschuldigungen seines früheren Anwaltes Michael Cohen leben müssen, der ihn einen Rassisten und Betrüger nannte. Das könnte Trump wohl noch aushalten. Schließlich gilt Cohen selbst als Lügner, dem man nicht alles glauben muss. Aber Trump sieht sich, seit er einen Pseudo-Notstand ausrief, Anklagen gegenüber, die ihm mehr schaden könnten als seine früheren Verfehlungen. Vielen seiner Anhänger ist es zwar offenbar egal, ob er zum Beispiel zu seiner Russland-Connection schweigt oder Lügenmärchen über den politischen Gegner erzählt. Aber wenn sich ein amerikanischer Präsident offen über Recht und Gesetz hinwegsetzt, könnte es zumindest einige seiner klügeren Wähler irritieren.

Trump gab diesmal beim sonst durchaus gekonnt absolvierten Direkt-Plausch mit der Öffentlichkeit praktisch zu, gelogen zu haben. Indem er nämlich sagte, dass er den Notstand nur ausgerufen hatte, um sich schnell und unkompliziert an den Abgeordneten vorbei Geld für den Mauerbau an der mexikanischen Grenze beschaffen zu können. Das war ein offener Verstoß gegen die Gewaltenteilung, die Trump bisher noch bremste. Dass es sie in den USA noch gibt, ist der entscheidende Unterschied zu Staaten wie Russland und Türkei. Die US-Bürger wissen jetzt , dass auch ihr Präsident sich über demokratische Standards hinwegsetzen will. Aber selbst ein Trump bekommt eben nicht immer alles, was er will. Bericht auf Seite 3

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