Bundestagswahl 2021: Drittes TV-Triell
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Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet beim letzten TV-Triell vor der Bundestagswahl 2021.

Bundestagswahl 2021

TV-Triell: Baerbock reagiert genervt auf Laschet – „Bleiben Sie bei den Fakten“

  • VonMirko Schmid
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Baerbock, Laschet und Scholz wollten ihre wohl letzte Möglichkeit nutzen, sich einem Millionenpublikum vor der Bundestagswahl 2021 zu präsentieren. Das TV-Triell im Ticker. 

+++ 22.28 Uhr: Die Ergebnisse der ersten Forsa-Blitzumfrage sind da. Olaf Scholz halten 42 Prozent für den Sieger des letzten Triells, was den bisher deutlichsten Sieg bei allen drei Ausgaben bedeutet. Armin Laschet kommt mit 27 Prozent erstmals auf Platz zwei, Annalena Baerbock fällt mit 25 erstmals auf den letzten Platz zurück.

+++ 21.54 Uhr: Das dritte TV-Triell war das bisher wohl rasanteste. Gerade Annalena Baerbock griff Armin Laschet mehrfach scharf an, auch gegen Olaf Scholz fand sie Angriffspunkte. Armin Laschet hatte zwar die meiste Redezeit, geriet aber gegen Scholz und Baerbock, die häufig einer Meinung waren, immer wieder in die Defensive. Olaf Scholz hielt sich erneut ein wenig zurück und überraschte mit seiner klaren Aussage, am liebsten mit den Grünen regieren zu wollen.

Inhaltlich zeichneten sich deutliche Schnittmengen zwischen Scholz und Baerbock bzw. der SPD und den Grünen ab, Armin Laschet präsentierte häufig mit den Positionen der CDU einen Gegenpol. Am Ende sprachen sich sowohl Baerbock als auch Scholz deutlich dafür aus, dass sie die CDU gerne in der Opposition sehen würden. Lesen Sie hier das gesamte Triell in unserem Ticker nach.

Baerbock, Laschet und Scholz erklären, wofür sie im Kanzleramt stehen würden

+++ 21.45 Uhr: Statt eines Schlussplädoyers dürfen Baerbock, Laschet und Scholz diesmal nur drei Dinge nennen, für die sie im Kanzleramt stehen würden. Scholz nennt 12 Euro Mindestlohn, klimaneutrale Arbeitsplätze und eine stabile Rente. Armin Laschet verspricht Zusammenhalt in Europa, eine klimaneutrale Wirtschaft und einen klaren Kurs im Bereich der inneren Sicherheit. Baerbock verspricht, beim Klimaschutz keine halben Sachen mehr machen zu wollen, Familien in den Mittelpunkt zu stellen und eine von Menschenrechten geleitete Außenpolitik „im Herzen Europas“.

+++ 21.42 Uhr: Frage nach einem Ausschluss von Koalitionsoptionen. Annalena Baerbock will unter demokratischen Parteien nichts ausschließen, findet aber, dass die Union in die Opposition müsse, was auch die Trielle gezeigt hätten. Armin Laschet schließt jede Koalition mit der „extremen Linken“ und der AfD aus. Olaf Scholz schließt „eindeutig“ eine Koalition mit der AfD aus, wirbt für eine starke SPD und will „am liebsten“ eine Regierung mit den Grünen. Der Vizekanzler betont außerdem, dass sich die meisten Wählenden wünschen würden, dass die CDU in Opposition geht.

Annalena Baerbock wirft Olaf Scholz Versäumnisse bei der Bekämpfung von Geldwäsche vor

+++ 21.39 Uhr: Nun dürfen sich die Drei gegenseitig Fragen stellen. Annalena Baerbock wirft Olaf Scholz vor, nicht genug gegen Geldwäsche getan zu haben. Der reagiert mit einer Aufzählung all der Neuerungen, die er als Bundesfinanzminister auf den Weg gebracht hat. Keine Behörde sei so gewachsen in den letzten Jahren wie seine. Armin Laschet fragt Annalena Baerbock, warum ihre Partei eine Diskussion im Finanzausschuss zu diesem Thema beantragt habe. Die will mehr Transparenz. Olaf Scholz weist Armin Laschet auf gemeinsame Gespräche in der Großen Koalition hin, in denen besprochen wurde, eine höhere CO2-Bepreisung beim Heizen je zur Hälfte auf Vermieter und Mieter auszuwälzen. Stattdessen sperre sich die Union nun und wolle die Mehrbelastung alleine bei den Mietenden lassen. Armin Laschet begründet das damit, dass ein Haus für viele Vermieter die Altersversorgung sei.

+++ 21.35 Uhr: Schneller Themenwechsel, nun geht es um Digitalisierung. Olaf Scholz verspricht eine flächendeckende Internet- bzw. Mobilfunk-Abdeckung noch „in diesem Jahrzehnt“. Annalena Baerbock moniert Überregulierung und will unbürokratische Wege, um zum Beispiel Schulen reibungsloser zu digitalisieren. Notfalls will sie mit staatlicher Förderung flächendeckend digitalisieren. Armin Laschet will „Tempo machen“, will aber keinen genauen Zeitpunkt für eine flächendeckende Mobilfunkabdeckung nennen. Armin Laschet hat bereits rund zwei Minuten mehr gesprochen als Annalena Baerbock und rund vier Minuten mehr als Olaf Scholz.

+++ 21.30 Uhr: Beim Thema innere Sicherheit spricht Armin Laschet von internationalen Gefährdern, dem Anschlag vom Breitscheidplatz und vom versuchten Angriff auf eine Synagoge. Auf die ebenfalls erwähnten rechtsterroristischen Angriffe von Hanau und auf Walter Lübcke geht er nicht ein, dafür betont er seine Leistungen in Bezug auf den Kampf gegen Clankriminalität. Armin Laschet redet Annalena Baerbock rein, um noch einmal zu betonen, dass er Gefährder abschieben will. Annalena Baerbock spricht die massive Zunahme von rechtsextremistischen Anschlägen zuerst an, erwähnt aber auch islamistischen Terror. Die Grünen fordert, mehr Stellen in den Polizeibehörden und der Justiz zu schaffen. Wieder kritisiert sie Laschet: „Sie stellen seit Jahren den Innemminister, da kann man nicht sagen: da müsste man, da sollte man, da könnte man“.

Corona: Laschet, Scholz und Baerbock gegen allgemeine Impfpflicht

+++ 21.23 Uhr: Nun werden Pflegende mit einem Appell eingespielt, sie nicht zu vergessen. Olaf Scholz plädiert für eine bessere Bezahlung, die Einstellung von mehr Pflegekräften und attraktive Arbeitsplätze. Auch Annalena Baerbock fordert bessere Rahmen- und Arbeitsbedingungen sowie Fachkräftezuwachs und eine 35-Stunden-Woche in der Pflege. Armin Laschet lobt die Bundesregierung für ihre bisherigen Errungenschaften in der Pflege, kritisiert aber viele offene Stellen, die nicht besetzt werden können, weil es an Fachkräften fehlt. Pflege will er zu einem großen Thema seiner Regierung machen.

+++ 21.18 Uhr: Jetzt geht es um Impfpflicht. Armin Laschet lobt den bisherigen Impffortschritt, will es bei Appellen belassen. In seinem Bundesland NRW seien schon über 70 Prozent erstgeimpft, eine Impfpflicht halte er für falsch. Annalena Baerbock betont, dass eine Impfpflicht in Deutschland nicht möglich sei und fordert „volle Priorität“ für offene Kitas und Schulen. Sie kritisiert, dass zwar Schulkinder täglich getestet werden müssten, nicht aber Erwachsene am Arbeitsplatz.

+++ 21.11 Uhr: Nächster Themenblock: Corona. Ein Einspieler zeigt eine Mutter, die sich dafür bemitleidet, nicht zum Elternabend zugelassen worden zu sein, weil sie weder getestet, noch geimpft noch genesen sei, sondern „gesund – das andere G“. Olaf Scholz wirbt für das Impfen, Armin Laschet wird gefragt, ob er versprechen könne, dass es kein Home-Schooling mehr gebe und wirbt für Präsenzunterricht.

Annalena Baerbock zu Armin Laschet: „Ich frage mich, was mit Ihnen los ist“

+++21:09 Uhr: Annalena Baerbock greift Laschet an: „Ich frage mich, was mit Ihnen eigentlich los ist.“ Sie wirft Laschet vor, die Lehren des ehemaligen Umweltministers Klaus Töpfer, einem CDU-Mitglied, zu ignorieren. Und das, obwohl Laschet mit Töpfer kurz zuvor noch versucht hatte zu erklären, dass die CDU dank Töpfer schon lange eine Klimaschutzbewegte Partei gewesen sei.

+++ 21.00 Uhr: Nächster Themenkomplex: Klimawandel. Annalena Baerbock fordert, dass die nächste Bundesregierung eine „Klimaregierung“ sein müsse und wiederholt ihre Forderungen nach Solardächern auf allen Dächern, emissionsfreien Autos und einem Ausstieg aus der Kohleverstromung. Olaf Scholz will deutsche Ingenieurinnen und Ingenieure in die Welt schicken, um vor Ort klimafreundliche Energieerzeugung zu etablieren. Auch Armin Laschet weist darauf hin, dass der Klimawandel eine Aufgabe für die ganze Welt sei.

Barbock und Scholz wollen Einkommensschwache entlasten, Laschet will „fördern und fordern“

+++ 20.50 Uhr: Eine erste klare Linie zeichnet sich ab. Während Annalena Baerbock und Olaf Scholz dafür plädieren, einkommensschwache Familien stärker zu unterstützen, will Armin Laschet weiter „fördern und fordern“. „Nur fördern“ wäre ungerecht für die, die „hart arbeiten“ und schließlich mehr haben müssten, so Laschet, der ausdrücklich die rot-grüne Regierung von Kanzler Schröder und Minister Clement und deren Hartz IV-Reformen lobt. Den mit Abstand größten Redeanteil hat bisher Armin Laschet, worauf Moderatorin Claudia von Brauchitsch aber Annalena Baerbock „vorschlägt“, sich nun kürzer zu fassen.

+++ 20.42 Uhr: Sowohl Olaf Scholz als auch Annalena Baerbock versprechen, geringere Einkommen zu entlasten. Beide kündigen auch an, dass große Einkommen dafür steuerlich stärker belastet werden müssen. Baerbock wirft Laschet vor, Spitzenverdiener entlasten zu wollen, Scholz nickt. Armin Laschet wirft „den Bäckermeister“ und „den Installateur“ in die Runde, welche durch Erbschaftsteuer und Vermögenssteuer stärker belastet werden würden. Annalena Baerbock fordert ihn auf, „bei den Fakten zu bleiben“ und wirft ihm vor, dass er verlange, dass ein 6-jähriges Kind selbst aus Hartz IV herauskomme. Olaf Scholz grinst und betont anschließend die Gemeinsamkeiten in den Programmen von SPD und Grünen.

Armin Laschet zu Olaf Scholz: „12 Euro Mindestlohn nur mit Rot-Rot-Grün“

+++ 20.32 Uhr: Armin Laschet erklärt seine Ablehnung für einen allgemeinen Mindestlohn von 12 Euro damit, dass er es den Tarifparteien überlassen möchte, sich je nach Branche auf einen eigenen Mindestlohn zu einigen. Auffällig ist ein Kratzen in seiner Stimme, mehrfach muss sich Laschet räuspern. Annalena Baerbock wirft Armin Laschet vor, mit seinem Ansatz „in die 90er-Jahre zurück“ zu wollen und weist ihn auf bestehende Lohnungleichheiten an. Ihr Forderung: „Wir zahlen so, dass man sich selbst und seine Kinder auch ernähren kann“. Olaf Scholz erklärt, dass bereits bei der ersten Einführung eines Mindestlohns 4 Millionen Menschen profitiert hätten und verspricht mehr Arbeitsplätze, sollte der Mindestlohn auf 12 Euro erhöht werden. Scholz verspricht außerdem, dass es keine Koalition unter ihm geben werde, die nicht innerhalb des ersten Jahres einen Mindestlohn von 12 Euro einführen würde. Armin Laschet wirft Scholz vor, dass er so nur „rot-rot-grün regieren“ könne, da er ansonsten „keinen Partner“ finden würde.

+++ 20.27 Uhr: Annalena Baerbock spricht während ihres ersten Statements als einzige Kandidatin die „Zuschauerinnen und Zuschauer“ direkt an und verspricht, dass die Politik nun „auch über sich hinauswachsen“ müsse, nachdem das in der Pandemie bereits so viele Menschen getan hätten. Zuvor hatten bereits Olaf Scholz und Armin Laschet die Möglichkeit, sich und ihre wichtigsten Vorhaben vorzustellen. Scholz forderte mehr „Respekt“ für alle und ein Ende des „Herabschauens“, Armin Laschet versprach Stabilität und mehr innere Sicherheit. Während sowohl Scholz als auch Baerbock einen Mindestlohn von 12 Euro forderten, gab Armin Laschet zu, dass ein Gehalt von weniger als 3000 Euro sein Leben erheblich einschränken würde.

FormatTV-Triell zur Bundestagswahl
SenderProsieben, Sat1 und Kabeleins
Ausstrahlung19. September 2021, 20.15 Uhr
ModerationLinda Zervakis/Claudia von Brauchitsch

Erstmeldung vom 19.09.2021, 17.44 Uhr: Berlin – Für Annalena Baerbock* (Grüne*), Armin Laschet* (CDU*) und Olaf Scholz* (SPD*) wird es ernst. Alle drei wollen auf der Zielgeraden zur Bundestagswahl 2021* ihre Chance nutzen, für sich und ihr Programm im direkten Aufeinandertreffen vor einem Millionenpublikum am TV zu werben.

Übertragen wird das letzte Triell im Free-TV*, Prosieben, Sat1 und Kabeleins strahlen die Debatte live aus. Genau eine Woche vor der Bundestagswahl gilt es dabei vor allem für Annalena Baerbock und Armin Laschet, auf den aktuell vorne liegenden Olaf Scholz Boden gutzumachen. Scholz ging aus beiden der bisherigen Trielle laut repräsentativen Blitzumfragen als Sieger hervor, 36 Prozent sahen ihn nach der ersten Ausgabe als Sieger, 32 nach der zweiten. Annalena Baerbock kam auf 30 bzw. 26 Prozent, Armin Laschet sahen die meisten Befragten mit 25. bzw. 20 Prozent als Verlierer der Debatten.

TV-Triell zur Bundestagswahl 2021: Moderatorin arbeitete für CDU

Durch das letzte TV-Triell werden die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis und Claudia von Brauchitsch führen. An der Besetzung von von Brauchitsch gab es zuletzt einige Kritik, da sich die aktuelle Moderatorin der Sat.1-Sendung „Akte“ unter anderem bis 2018 beim CDU-eigenen Fernsehsender CDU.TV als freie Moderatorin und Redakteurin verdingte.

In Erinnerung geblieben ist ein Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel*, als von Brauchitsch Spritzer von Tomaten abbekam, die für die Kanzlerin gedacht waren. Merkel reichte der Journalistin damals ein Taschentuch. Erstmals in Diensten der CDU arbeitete die Journalistin 2010. Es ist davon auszugehen, dass ihre Moderationsleistung vor diesem Hintergrund besonders auf eine kritische Neutralität abgeklopft werden wird.

Im Mittelpunkt stehen jedoch natürlich die Drei, die Angela Merkel ins Kanzleramt folgen wollen. Mehr als ein Viertel aller Wahlberechtigten* gab zuletzt in Umfragen an, noch keine Wahlentscheidung getroffen zu haben. Diese Unentschlossenen zu erreichen, wird für Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz besonders im Mittelpunkt stehen. (Mirko Schmid) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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