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Nach Beschuss von AKW Saporischschja: Schwere Vorwürfe von Selenskyj - „Akt des Terrorismus“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bettina Menzel, Stephanie Munk, Andreas Schmid, Fabian Müller

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Das besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist beschossen worden. Selenskyj fordert nun neue Sanktionen für Russland. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 5. August, 6.42 Uhr: Nach dem Beschuss des Atomkraftwerk-Geländes Saporischschja machen sich Russland und die Ukraine gegenseitig dafür verantwortlich. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt im von Russlands Truppen besetzten Teil der Südukraine. In den vergangenen Kriegsmonaten kam es dort schon mehrfach zu brenzligen Situationen.

Präsident Selenskyj sprach von einem „Akt des Terrorismus“ durch die russische Seite. Er forderte neue Sanktionen, die gezielt die Nuklearindustrie des Nachbarlandes treffen sollten. Und das Außenministerium in Kiew warnte: Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen „gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe“.

Beschuss von AKW: Selenskyj fordert neue Sanktionen für Russland

„Wer nukleare Bedrohungen für andere Völker schafft, ist definitiv nicht in der Lage, Nukleartechnologie sicher einzusetzen“, so Selenskyj in der Nacht zum Samstag. Konkret verlangte er zum Beispiel Strafmaßnahmen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält seine nächtliche Videoansprache an die Nation anlässlich de
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält seine nächtliche Videoansprache an die Nation. © Ukrainian Presidential Office/dpa

Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Doch momentan sei es sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.

Update vom 5. August, 19.36 Uhr: Am Freitag ist das besetzte ukrainische Atomkraftwerks Saporischschja beschossen worden. Die Kriegsparteien machen sich gegenseitig verantwortlich.

AKW Saporischschja beschossen: Russland und Ukraine machen sich gegenseitig Vorwürfe

Moskau und Kiew haben sich gegenseitig den Beschuss des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vorgeworfen. Am Freitagnachmittag habe die ukrainische Armee das Werksgelände beschossen, meldeten mehrere russische Agenturen unter Berufung auf die Besatzungsverwaltung der Stadt Enerhodar, in der sich das Kraftwerk befindet.

Zwei Stromleitungen seien unterbrochen worden und ein Feuer ausgebrochen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen.

Eine Luftaufnahme des Atomkraftwerks in Saporischschja aus März 2022, nachdem es von russischen Truppen eingenommen wurde.
Eine Luftaufnahme des Atomkraftwerks in Saporischschja aus März 2022, nachdem es von russischen Truppen eingenommen wurde. © Konstantin Mihalchevskiy/Imago

Infolge der russischen Angriffe sei eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden, teilte der ukrainische staatliche Atomkonzern Enerhoatom mit. Ein Block des Atomkraftwerks sei heruntergefahren worden.

Ausgangssperre in Mykolajiw: Ukraine-Stadt sucht nach Kollaborateuren

Update vom 5. August, 14.33 Uhr: In der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw wird für die Suche nach Helfern der russischen Armee eine mehr als zweitägige Ausgangssperre verhängt. „Am Wochenende wird die Stadt geschlossen, kaufen Sie rechtzeitig Wasser und Lebensmittel. Wir arbeiten, darunter in Bezug auf die Kollaborateure“, sagte Gouverneur Witalij Kim am Freitag in einer Videobotschaft. Die allgemeine Ausgangssperre gilt demnach von Freitag 23 Uhr Ortszeit (22 MESZ) bis Montag 5 Uhr Ortszeit (4 MESZ).

Der Gouverneur hatte die Sperre bereits im Juli angekündigt. Für Hinweise auf Artilleriebeobachter, die das russische Feuer auf Objekte in der Stadt lenken, hatte der 41-Jährige zudem eine Prämie von umgerechnet knapp 100 Euro ausgelobt. Mykolajiw wird beinahe täglich aus rund 25 Kilometern Entfernung von der russischen Armee mit Raketen beschossen. Den Behörden zufolge werden dabei fast ausschließlich zivile Objekte getroffen.

Zerstörung in Mykolajiw
Eine Frau steht inmitten der Trümmer eines Wohnhauses in Mykolajiw, das durch russischen Beschuss zerstört wurde. © Kostiantyn Liberov/AP/dpa

Update vom 5. August, 12.42 Uhr: Erhält die russische Armee im Ukraine-Krieg bald massive Unterstützung aus Nordkorea? Einerseits könne das benachbarte Land Hunderttausend Streitkräfte zur Verstärkung stellen, andererseits beim Wiederaufbau der besetzten Donbass-Gebiete helfen, die nach den Kämpfen in Schutt und Asche liegen. Über das Angebot von Machthaber Kim Jong-un entbrannte eine Debatte im russischen Staatsfernsehen, der Mitschnitt wurde per Twitter veröffentlicht.

Update vom 5. August, 9.40 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste gefährden Aktionen der russischen Streitkräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Moskaus Absichten im Hinblick auf das größte Atomkraftwerk in Europa seien fünf Monate nach Beginn des Krieges noch immer unklar, hieß es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Die Russen setzten wohl Artillerieeinheiten in den an das Kraftwerk angrenzenden Gebieten ein, um ukrainische Regionen westlich des Dnipro-Flusses anzugreifen. Womöglich nutzten sie dabei den Hochsicherheitsstatus des Kraftwerkgeländes aus, um sich und ihre Ausrüstung vor nächtlichen ukrainischen Gegenangriffen zu schützen, hieß es.

Russische Offensive in Donezk - Putins Truppen wollen Soledar und Bachmut einnehmen

Update vom 5. August, 9.30 Uhr: Die russischen Truppen haben nach ukrainischen Angaben im Gebiet Donezk eine größere Offensive gestartet. „Im Raum Donezk führt der Feind eine Angriffsoperation Richtung Bachmut und Awdijiwka durch“, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Mit den Gefechten versuchen die russischen Truppen demnach, sich in eine gute Ausgangsposition für die Eroberung der Städte Soledar und Bachmut zu bringen und ihre Kontrolle auf das Gebiet westlich von Donezk zu erweitern.

Laut dem Generalstab sind die Gefechte vor Bachmut aber ergebnislos verlaufen. Vor Awdijiwka hingegen, direkt nördlich an Donezk angrenzend, hielten die Kämpfe an. Unabhängig sind die Berichte nicht zu überprüfen. Schon in den vergangenen Tagen hatten die Kampfhandlungen in der Region nach einer kürzeren Pause wieder an Schärfe zugenommen.

Ukraine-Krieg: Artillerieangriffe auf Charkiw - ukrainischer Partisanen-Angriff in Luhansk

Update vom 5. August, 7.10 Uhr: Die ostukrainische Großstadt Charkiw ist nach Behördenangaben von russischer Artillerie beschossen worden. Drei Stadtteile seien Ziel der Angriffe gewesen, schrieb Bürgermeister Ihor Terechow im Nachrichtenkanal Telegram. Nach ersten Erkenntnissen seien drei Menschen verletzt worden. „Ich bitte alle, in Schutzräumen zu bleiben und maximal vorsichtig zu sein“, schrieb er. Die ukrainische Armee hat russische Truppen zwar von der zweitgrößten Stadt des Landes abgedrängt; sie ist aber nicht ganz außer Reichweite der russischen Artillerie.

In dem von russischen Truppen eroberten Gebiet Luhansk haben ukrainische Partisanen angeblich zwei Kollaborateure in einem Auto beschossen und verletzt. Es handele sich um den Bürgermeister der Stadt Bilowodsk und dessen Stellvertreterin, schrieb der ukrainische Gouverneur des Gebiets, Serhij Hajdaj. In der ebenfalls besetzten Stadt Cherson im Süden erkrankte der Leiter der regionalen Besatzungsverwaltung, Wladimir Saldo, plötzlich und kam in ein Krankenhaus, wie russische Agenturen meldeten

Ukraine-Krieg: Weiterhin intensive Kämpfe in Donezk - russische Vorstoßversuche wohl gescheitert

Update vom 4. August, 18.55 Uhr: Im ostukrainischen Gebiet Donezk gibt es weiter intensive Kämpfe bei den Städten Bachmut und Awdijiwka. Nordöstlich und östlich der Nachbarstädte Soledar und Bachmut seien am Donnerstag russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew auf Facebook mit. Südlich von Bachmut dauerten die Kämpfe an. Zuvor hatte Brigadegeneral Olexij Hromow eingeräumt, dass sich ukrainische Truppen dort aus dem Dorf Semyhirja zurückziehen mussten.

Fortgesetzte Kämpfe gebe es auch bei der Industriestadt Awdijiwka, hieß es in dem Bericht. Hromow zufolge wurden südöstlich von Awdijiwka Positionen aufgegeben.

Dem Generalstabsbericht nach sind russische Vorstöße nördlich von Slowjansk, westlich von Donezk und in den Gebieten Cherson und Charkiw gescheitert. Entlang der gesamten Frontlinie seien zudem ukrainische Stellungen bei Dutzenden Orten mit Artillerie beschossen worden. Die russische Luftwaffe habe zudem mehrere Angriffe geflogen. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist nicht möglich.

Acht Tote bei Angriff auf Bushaltestelle in Donezk - Gouverneur ruft erneut zur Evakuierung auf

Update vom 4. August, 16.25 Uhr: Die russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben eine Bushaltestelle in der ostukrainischen Stadt Torezk beschossen. Das vermeldet der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Donzek, Pawlo Kyrylenko, über Twitter. Nach ersten Angaben sei die Haltestelle von Artilleriegeschossen getroffen worden. Dabei seien acht Menschen getötet und vier weitere Menschen verletzt worden. Unter den Verletzten sollen sich drei Kinder befinden.

„Russische Besatzer schlagen jeden Tag auf Zivilisten ein – jeden Tag haben wir Tote und Verwundete“, beklagte Kyrylenko in seinem Tweet. Darüber hinaus forderte er die Bevölkerung von Donezk weiter zur Evakuierung der Gebiete auf. „Ich appelliere an alle Bewohner der Region: Machen Sie sich nicht zur Zielscheibe für die Russen! Evakuieren Sie rechtzeitig!“. Torezk liegt südlich der strategisch wichtigen Großstädte Slowjansk und Kramatorsk. Deren Eroberung gilt als erklärtes Ziel der russischen Streitkräfte im Streben danach, die vollständige Kontrolle über die Region Donezk zu erlangen.

Russen haben zunehmend Probleme im Süden – neue Schwachstelle nach Ukraine-Angriff

Update vom 4. August, 9.09 Uhr: Die Gegenoffensive im Süden der Ukraine bereitet den Besatzern zunehmend Probleme - so schätzt der britische Geheimdienst die Lage in der Region Cherson sein. Ein ukrainischer Angriff auf einen russischen Munitionszug habe vorübergehend eine Nachschubroute von der besetzten Halbinsel Krim unterbrochen.

Zwar könnten die Besatzer diese Route innerhalb einiger Tage reparieren, allerdings werde sie eine Schwachstelle bleiben, hieß es in einem Update vom 3. August. Auch die durch ukrainische Raketen beschädigte Antoniwka-Brücke erschwere es Moskau, seine Truppen westlich des Flusses Dnipro zu versorgen.

Ukraine-Krieg: Ein Wasserkraftwerk am Fluss Dnipro in der Region Cherson, das teils von den Russen besetzt ist.
Aufnahme vom 3. August: Ein Wasserkraftwerk in der Nähe des Fluss Dnipro © RIA Novosti/Imago

Ukraine-News: Russisches Militär soll laut Kiew Gefangene gefoltert haben

Update vom 4. August, 7.45 Uhr: Am 29. Juli wurde in Olenivka ein Gefängnis mit ukrainischen Kriegsgefangenen angegriffen, 53 starben, viele weitere wurden verletzt, darunter auch Gefangene aus dem Asow-Regiment. Russland hatte die Ukraine beschuldigt, den Angriff selbst verübt zu haben. In einem Bericht des ukrainischen Verteidigungsministeriums heißt es nun, das russische Militär habe die Gefangenen gefoltert und das Gefängnis angegriffen, um Spuren zu verwischen, berichtet Kyivindependent. Russland habe nicht vorgehabt, Gefangene auszutauschen, heißt es. Die Aussagen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

US-Geheimdienstbeamte bestätigten gegenüber APnews, dass Russland versuche, falsche Beweise einzuschleusen. Russland könne gezielt HIMARS-Systeme anbringen, die die Ukraine von den USA geliefert bekommen haben, um falsche Spuren zu legen, so ein Geheimdienstmitarbeiter gegenüber APnews. Die UN plant indes eine Untersuchungsaktion, um die Vorfälle im Olenivka-Gefängnis aufzuklären.

Ukraine-News: Dutzende Angriffe im Osten der Ukraine

Update vom 3. August, 22.25 Uhr: In der Region Donezk gibt es weitere schwere Kämpfe. Im Osten und Süden der Nachbarstädte Bachmut und Soledar seien an acht Abschnitten russische Angriffe abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch bei Facebook mit. Auch bei der von ukrainischen Einheiten gehaltenen Industriestadt Awdijiwka habe es an fünf Abschnitten im Norden, Osten und Süden Angriffsversuche der russischen Truppen gegeben. Wie das ukrainische Militär verkündet, wurden auch diese Angriffe zurückgeschlagen. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Entlang der gesamten Front seien in den Gebieten Charkiw, Donezk, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw wieder ukrainische Positionen in Dutzenden Orten durch die russische Artillerie beschossen worden. Im südukrainischen Gebiet Cherson sei zudem ein weiterer russischer Bodenangriff gescheitert, heißt es im Lagebericht. Darüber hinaus ist von massiven russischen Luftangriffen die Rede. So sollen Stellungen der ukrainischen Armee bei zehn verschiedenen Ortschaften bombardiert worden sein.

Ukraine-News: Russische Streikräfte nehmen Selenskyjs Heimatstadt ins Visier

Update vom 3. August, 17.50 Uhr: Die russischen Streitkräfte haben es in der Südukraine offenbar auf die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj abgesehen. Wie das ukrainische Militärkommando mitteilte, bereitet Russland offenbar eine neue Offensive im Süden des Landes vor. Dafür soll auch eine Truppe aufgebaut werden, die dann die Stadt Krywyj Rih angreifen soll. Die Metropole im Oblast Dnipropetrowsk ist die achtgrößte Stadt der Ukraine und für Eisenerzabbau und Stahlindustrie bekannt. Präsident Selenskyj ist in der Industriestadt geboren und aufgewachsen.

Russland bestätigt Raketenangriff in der Westukraine - Zerstörung westlicher Waffen als Grund

Update vom 3. August, 12.49 Uhr: Russland hat einen Raketenangriff auf die westukrainische Region Lwiw (Lemberg) bestätigt - und ihn mit der Zerstörung westlicher Waffen begründet. Es sei ein Lager mit Waffen und Munition zerstört worden, die Polen an die Ukraine geliefert habe, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Zuvor hatten bereits ukrainische Behörden über Explosionen im Grenzgebiet zu ihrem Nato-Nachbarn Polen berichtet. Eine russische Rakete sei in eine ukrainische Militäreinrichtung im Kreis Tscherwonohrad eingeschlagen, hieß es. Russland bestätigte auch einen Angriff auf die südliche Region Mykolajiw. Dabei seien mehr als 50 ukrainische Kämpfer getötet worden, sagte Konaschenkow. Das ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Update vom 3. August, 12.25 Uhr: Im ostukrainischen Gebiet Donezk dauern die Kämpfe an. Russland konzentriere seine Hauptanstrengung in Richtung der Stadt Bachmut, teilte der ukrainische Generalstab mit. Es habe Artilleriebeschuss auf Siedlungen südlich davon gegeben, „um unsere Einheiten zurückzudrängen“. Die russische Angriffe seien aber zum Teil abgewehrt worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Zwei Männer tragen eine Holzplatte neben schwer beschädigten Gebäuden und zerstörten Autos.
Zwei Männer tragen eine Holzplatte neben schwer beschädigten Gebäuden und zerstörten Autos. Um die Stadt Bachmut im Gebiet Donezk wird weiter heftig gekämpft. © Francisco Seco/AP/dpa

Ukraine-News: Putins Armee bekommt offenbar Probleme - Ukraine gibt Widerstand nicht auf

Update vom 3. August, 11.45 Uhr: Die Ukraine gibt sich gegen Russland in der Region Cherson im Südosten des Landes nicht geschlagen - und dies bereitet Putins Armee offenbar zunehmend Probleme. Zu dieser Einschätzung kommt der britische Geheimdienst.

Die Ukraine hätte erfolgreich einen russischen Zug mit Munition angegriffen, heißt es in einer Analyse des britischen Verteidigungsministeriums. Dies habe zeitweise die Route für den Nachschub von der besetzten Halbinsel Krim lahmgelegt. Zwar könnten die Russen diese Route innerhalb einiger Tage reparieren, dennoch werde sie eine Schwachstelle bleiben.

Ein ukrainischer Soldat geht in einem Dorf nahe Cherson hinter Sandsäcken in Deckung.
Ein ukrainischer Soldat geht in einem Dorf nahe Cherson hinter Sandsäcken in Deckung. © Ivan Boberskyy/dpa

Zudem habe eine ukrainische Rakete die Antoniwka-Brücke bei Cherson getroffen. Russland habe nun Probleme, seine Armee westlich des Flusses Dnipro zu versorgen. Die Russen müssten höchstwahrscheinlich auf eine kürzlich für Zivilisten eingerichtete Fährroute ausweichen, um Truppen und Nachschub über den Fluss zu bringen.

Da die heftigen Gefechte in dem Gebiet anhalten, geht der britische Geheimdienst davon aus, dass immer mehr Menschen aus der Region Cherson fliehen werden.

Russische Raketen schlagen nahe polnischer Grenze ein

Update vom 3. August, 9.45 Uhr: Explosionen in Nähe der ukrainischen Westgrenze zum Nato-Mitglied Polen: Eine russische Rakete sei am Dienstagabend in eine ukrainische Militäreinrichtung im Kreis Tscherwonohrad eingeschlagen, teilte die Verwaltung des Gebietes Lwiw mit. Noch gebe es keine Angaben zum angerichteten Schaden, schrieb Gouverneur Maxim Kosizkyj auf Telegram.

Die russische Armee habe am Dienstagabend von Langstreckenbombern über dem Kaspischen Meer acht Raketen auf die Ukraine abgefeuert, teilte das Oberkommando der ukrainischen Luftwaffe mit. Sieben von ihnen seien abgefangen worden. Im Gebiet Lwiw sei eine Flugabwehrstellung getroffen worden. Diese Militärangaben waren nicht unmittelbar zu überprüfen. Explosionen wurden abends auch aus der Stadt Mykolajiw im Süden der Ukraine gemeldet.

Update vom 3. August, 05.59 Uhr: Am Mittwochmorgen gegen 4 Uhr waren in der ostukrainischen Stadt Charkiw offenbar zwei Explosionen zu hören - eine im Charkiwer Bezirk Kholodnohirskyi und die andere an einem noch unbestätigten Ort.

Zwei Explosionen in Charkiw: Bürgermeister bestätigt Einschläge in zweitgrößter Stadt der Ukraine

Von den zwei Explosionen am Mittwochmorgen berichtete der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow. Bislang seien noch keine Verletzten oder Schäden in der zweitgrößten ukrainischen Stadt gemeldet worden. Der zweite Trefferort werde derzeit aufgeklärt, hieß es weiter. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite verifiziert werden. Schon in den Nächten zuvor war aus Charkiw von Explosionen berichtet worden.

Ukrainischer Präsident Selenskyj fodert weitere Waffenlieferungen

Update vom 2. August, 22.35 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner täglichen Videoansprache weitere Waffenlieferungen für sein Land gefordert. Diese werden von den ukrainischen Streitkräften dringend benötigt, um die russische Armee im Donbas effektiv zurückschlagen zu können.

„In der Tat können wir den Vorteil der russischen Armee in Bezug auf Artillerie und Mannschaftsstärke immer noch nicht vollständig brechen“, so Selenskyj. Dies sei in den Kämpfen um Pisky, Awdijiwka und andere Orte im Donbass deutlich zu spüren. „Es ist einfach die Hölle“, sagte der Präsident mit Blick auf die Gefechte. Deswegen benötige Kiew vor allem weitere Mehrfachraketenwerfern, wie das System Himars aus den USA oder das System Mars II aus Deutschland.

Ukraine-News: Kiew meldet Rückeroberung von 53 Ortschaften in Cherson

Update vom 2. August: 21.20 Uhr: Die ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes macht nach eigenen Angaben weiter Fortschritte. Der Gouverneur der Region Cherson am Schwarzen Meer hat am Dienstag bekannt gegeben, dass ukrainische Streitkräfte seit Beginn der russischen Invasion im Februar 53 Ortschaften zurückerobern konnten. Am Montag wurde zunächst nur die Rückeroberung von 44 Orten bestätigt. Die ukrainischen Gebietsgewinne werden vor allem auf die vom Westen gelieferten schweren Waffen zurückgeführt. Darunter die US-amerikanischen Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars.

Ukraine-Krieg: Schoigu verkündet - „Befreiung“ von Donezk läuft nach Plan

Update vom 2. August, 13.24 Uhr: Für Russlands Armee läuft im Osten der Ukraine nach eigener Darstellung alles nach Plan. „Nach der Übernahme der Kontrolle auf dem Gebiet der Volksrepublik Luhansk wird die Volksrepublik Donezk planmäßig befreit“, sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag der Agentur Interfax zufolge.

Russland hatte Anfang Juli die Eroberung der ostukrainischen Region Luhansk verkündet - im benachbarten Donezk seitdem allerdings nur verhältnismäßig geringe Geländegewinne verzeichnet. Schoigu zählte sechs Ortschaften in Donezk auf, die seine Truppen zuletzt erobert haben sollen.

Sergej Schoigu
Sergej Schoigu, Verteidigungsminister von Russland. © Mikhail Metzel / Imago Images

Ukraine-News: Schwere Kämpfe im Gebiet Donezk

Update vom 2. August, 11.58 Uhr: Die Ukraine meldet weiter schwere Kämpfe im Gebiet Donezk. Die Kämpfe um die Stadt Bachmut im Osten des Landes würden anhalten, teilt der ukrainische Generalstab mit. Auch acht Kilometer weiter nördlich, bei Soledar, habe es russische Vorstöße gegeben. Russische Angriffe an mehreren Orten südlich von Bachmut seien hingegen größtenteils abgewehrt worden, hieß es. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Der ukrainische Generalstab berichtet auch von einem russischen Angriff nördlich der Großstadt Cherson an der Grenze zur benachbarten Region Dnipropetrowsk. Die Ukraine nährt seit Wochen Hoffnungen, in dieser Region eine Gegenoffensive zur Rückeroberung des Südens zu starten.

Den Kiewer Angaben zufolge beschoss russische Artillerie entlang der gesamten Frontlinie ukrainische Positionen. Die russische Luftwaffe habe zudem etwa vier Angriffe auf ukrainische Stellungen geflogen, hieß es.

Ukraine-News: Russische Flotte laut Großbritannien geschwächt

Update vom 2. August, 11.30 Uhr: Unklare Informationen gibt es darüber, ob die Ukraine vor zwei Tagen das russische Hauptquartier der Schwarzmeerflotte auf der Halbinsel Krim angegriffen hat: Russland behauptet, es habe einen Drohnenangriff mit fünf Verletzten gegeben, die Ukraine streitet dies ab und spricht von „absichtlicher Provokation“.

Nach Ansicht Großbritanniens ist die russische Schwarzmeerflotte jedenfalls in einer geschwächten Position. Der gemeldete ukrainische Angriff auf das Hauptquartier sei „der jüngste Rückschlag“ für die Flotte, teilte das Verteidigungsministerium in London mit und erinnerte an den Verlust des Flaggschiffs „Moskwa“ im April.

Wegen des angeblichen ukrainischen Drohnen-Angriff hatte Russland seine Feier zum „Tag der Marine“ auf der Krim abgesagt. Das britische Verteidigungsministerium kommentiert jetzt: „Nach den Berichten über abgesagte Paraden ist es unwahrscheinlich, dass die Schwarzmeerflotte neben ihren Kriegsaktivitäten noch hochkarätige öffentliche Veranstaltungen durchführen kann.“

Erstmeldung: Russland soll größtes AKW Europas als Schutzschild nutzen: „Sie verstecken sich dort“

Saporischschja – Atomkraft, nein Danke? Atomkraftwerke spielen in der Weltpolitiklage derzeit eine bedeutendere Rolle. In Deutschland gibt es Diskussionen um eine Verlängerung der Kernenergie – und in Russland werden AKWs offenbar als Schutzschild benutzt.

Die US-Regierung zeigte sich am Montag „zutiefst besorgt“ darüber, dass Russland im Ukraine-Krieg mehrere dortige Atomkraftanlagen eingenommen habe. Laut US-Außenminister Antony Blinken gibt es glaubhafte Berichte, dass das Kernkraftwerk Saporischschja im Süden des Landes als eine Art Schutzschild benutzt werde. Seit März befinden sich die Meiler unter russischer Kontrolle.

Das würde bedeuten: Russische Truppen schießen aus der Nähe des Atomkraftwerks auf ukrainische Kräfte. Die wiederum könnten nicht zurückschießen, da so eine atomare Katastrophe drohe. Laut Wall Street Journal sind im und um das AKW Panzer und Mehrfachraketenwerfer stationiert. Zudem soll die russische Armee laut der Betreiberfirma Enerhoatom 500 Soldaten auf das Gelände gebracht haben.

Ukraine-Krieg in Saporischschja: Ein bewaffneter Soldat steht vor einem AKW
Streng bewacht: Ein russischer Soldat steht vor dem Atomkraftwerk von Saporischschja. Seit März befindet es sich unter russischer Kontrolle. © IMAGO / SNA

Der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Nikopol, Oleksandr Sayuk, sagte der New York Times mit Blick auf russische Soldaten: „Sie verstecken sich dort, damit sie nicht getroffen werden können“. Sayuk fragte ferner: „Warum sonst sollten sie sich dort aufhalten? Ein solches Objekt als Schutzschild zu benutzen, ist sehr gefährlich.“

Atomkraftwerke in der Ukraine

Über die Hälfte der ukrainischen Elektroenergie wird aus Atomkraft erzeugt. Derzeit sind noch vier AKWs in Betrieb: Chmelnyzkyj, Riwne, Saporischschja und Süd-Ukraine.

Die Explosion eines Kraftwerksblocks 1986 im damals sowjetischen Kraftwerk Tschernobyl in der Nordukraine gilt als das größte Atomunglück der Geschichte.

Das AKW Saporischschja liegt unmittelbar am Fluss Dnipro nahe der Stadt Enerhodar, rund 70 Kilometer von Saporischschja entfernt. Er ist das größte und leistungsstärkste Kernkraftwerk Europas. In der Region in der Südukraine machten russische Truppen zuletzt weniger Fortschritte. Ändert Kremlchef Putin daher seine Strategie?

Atomkraftwerke spielen im Ukraine-Krieg immer wieder eine Rolle. So nahmen russische Truppen die Atomruine Tschernobyl ein. Belege für eine Einnahme weiterer Atomkraftwerke gibt es nicht, zuletzt wurden allerdings Schüsse im Gebiet Chmelnyzkyj gemeldet. Ob ein Zusammenhang zum dortigen Reaktor besteht, ist nicht bekannt. (as)

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