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Untertauchen strengt an

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Für die ZDF-Sendung ?Aktenzeichen XY? nachgestellte Szene vom Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr bei Bremen.
Für die ZDF-Sendung ?Aktenzeichen XY? nachgestellte Szene vom Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr bei Bremen. © Securitel (ZDF Securitel)

Schon das NSU-Trio flog erst nach einem missglückten Bankraub auf. Weitere Parallele zum neuen RAF-Fall: Wenn Terroristen untertauchen, dann halten sie mitunter lange durch – jedenfalls so lange, wie das Geld reicht.

Von CHRISTOPH LEMMER (DPA)

Trotz Meldepflicht, maschinenlesbaren Ausweisen und dem Problem, dass heutzutage eigentlich niemand ohne ein Bankkonto auskommt: Untergetauchte Terroristen schaffen es immer wieder, sich über Jahre oder gar Jahrzehnte vor der Polizei zu verstecken. Getarnt als normale Menschen, in normalen Wohnvierteln, als unauffällige Nachbarn.

Das war beim rechtsextremen NSU-Trio so, und das ist möglicherweise bis heute bei den seit Jahrzehnten abgetauchten linksextremen RAF-Terroristen so. Wird doch mal jemand geschnappt, dann eher deshalb, weil beim Geldbeschaffen etwas schief geht.

Die RAF tauchte gerade erst wieder im öffentlichen Bewusstsein auf, als der Polizei vor wenigen Tagen brisante Spuren in die Hände fielen. Bei gleich zwei Überfällen fanden sich DNA-Spuren von drei seit Jahrzehnten abgetauchten RAF-Leuten, wie im NSU-Fall ein Trio aus zwei Männern und einer Frau. Beide Überfälle scheiterten, einer erst unmittelbar vor dem Jahreswechsel in Wolfsburg, der andere vor einem guten halben Jahr bei Bremen. Die Täter konnten aber beide Male entkommen.

Wohin sie flohen – das wüssten die Ermittler gern. Die mutmaßlichen Täter heißen Ernst-Volker Wilhelm Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette. Ihren letzten Terroranschlag sollen sie 1993 verübt haben. Sie sollen es gewesen sein, die mit 200 Kilogramm Sprengstoff den Neubau eines Gefängnisses im hessischen Weiterstadt komplett zerstörten. Die Fahndung blieb erfolglos. Seit 2000 gibt es einen Haftbefehl gegen die drei. Aber niemand weiß, wo sie stecken.

Das mag damit zu tun haben, dass die RAF im Laufe ihrer Geschichte Methoden entwickelte, das Leben im Untergrund penibel zu organisieren. Staub, Garweg und Klette stießen zu den Terroristen, als die schon viele Jahre Erfahrung in konspirativer Lebensführung gesammelt hatten. Es habe „für beinahe alles“ Listen gegeben, so auch für die Einrichtung konspirativer Fluchtwohnungen, offenbarte der frühere RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock in einem Film des Zeitzeugen-Projekts „Gedächtnis der Nation“.

Dazu hätten ein „Geschirrset und ein Haushaltsset“ gehört, die man bei Woolworth kaufen konnte, erinnert sich Boock. „Das waren zwei Koffer, und da hatte man eigentlich schon einmal das Wesentliche beieinander.“ Überhaupt sei die Einrichtung spartanisch gewesen, mehr als „ein paar Matratzen“ fielen ihm nicht ein.

Mit Bedacht hätten die Linksterroristen aber die Eingangsflure ihrer konspirativen Wohnungen „mehr oder weniger kleinbürgerlich ausgestattet“ – damit man, so Boock, „den Nachbarn eventuell gucken lassen kann. Es kam ja manchmal jemand vorbei und wollte Zucker oder Salz.“

Ähnlich professionell und bedacht sorgten auch die rechtsextremen NSU-Terroristen für einen unauffälligen Auftritt. Sie hatten sich sorgfältig aus echten Identitäten ihre Tarnidentitäten konstruiert. Beate Zschäpe alias „Liese“ trank mit Nachbarn ab und zu ein Glas Sekt. Trafen die drei im Campingurlaub neue Bekannte, dann erzählten sie perfekt aufeinander abgestimmte Geschichten aus ihren vermeintlichen Leben.

Emblem aufgeribbelt

Sie profitierten bei ihrem Vorgehen wohl auch von der Erfahrung ihrer Terrorkollegen von der RAF. Uwe Mundlos, so berichteten mehrere frühere Freunde als Zeugen im NSU-Prozess, habe Berichte über die RAF geradezu verschlungen. Eine Anspielung findet sich dazu auch im „Paulchen Panther“-Bekennervideo des NSU. Dort ist in einer Szene ein Mann zu sehen, dessen Wollpullover aufgeribbelt wird, woraufhin ein Tattoo mit dem RAF-Stern auf seinem Bauch erscheint.

Gemeinsam hatten oder haben der NSU und die Flüchtigen der RAF auch dies: Sie mussten sich im Untergrund auf die Hilfe freiwilliger Sympathisanten verlassen und waren ansonsten allein auf sich gestellt.

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