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Dieter Sattler

Kommentar

Venezuela: Trump ist kein guter Freund

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Im Schach einigt man sich bei Patt auf ein Remis, also ein Unentschieden. Rein strategisch herrscht jetzt auch ein Patt in Venezuela, aber unentschieden kann ein Machtkampf nie ausgehen. Deshalb droht ein Bürgerkrieg.

Im Schach einigt man sich bei Patt auf ein Remis, also ein Unentschieden. Rein strategisch herrscht jetzt auch ein Patt in Venezuela, aber unentschieden kann ein Machtkampf nie ausgehen. Deshalb droht ein Bürgerkrieg. Der Plan von Oppositionschef Guaidó zur schnellen Entmachtung des amtierenden Präsidenten Maduro ist nicht aufgegangen. Dieser ist zwar moralisch erledigt, da er das frei gewählte Parlament, dessen Vorsitzender Guaidó ist, auf verfassungswidrige Weise entmachtet hat und selbst nur in einer Wahlfarce bestätigt wurde. Aber das nutzt alles nichts, solange der Präsident die meisten Soldaten und andere Sicherheitskräfte hinter sich hat. Viele von ihnen profitieren davon, dass die Einnahmen aus dem Ölexport in ihre Taschen fließen. Dass andere Venezuelaner hungern, schert höchstens einfache Soldaten, die ihre Angehörigen nicht unterstützen können.

Ob das Volk, das sicher mehrheitlich hinter Guaidó steht, militärische US-Hilfe will, ist beim durch Trump aufgefrischten schlechten Ruf der „Gringos“ eher zweifelhaft. Guaidó läuft Gefahr, auch die Unterstützung der Weltöffentlichkeit zu verlieren, wenn er zu sehr auf Washington setzt. Militärisch gestützter Demokratie-Export war schon immer heikel, siehe Afghanistan und Irak. Und ist es erst recht bei einem US-Präsidenten, der sonst nicht viel von Moral hält. Deshalb kommen Fragen nach seinen wahren Beweggründen auf. Geht es um Öl? Solche Zweifel helfen Maduro.

Berichte auf Seiten 1 und 3

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