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Verheerende Außenwirkung

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Von: Thomas Baumgartner

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© (FNP)

Es hätte eine gute Woche für die Deutsche Bank werden können. Erst gab es einen Freispruch erster Klasse für den scheidenden Co-Chef Jürgen Fitschen im Betrugsprozess vor dem Münchner Landgericht,

Es hätte eine gute Woche für die Deutsche Bank werden können. Erst gab es einen Freispruch erster Klasse für den scheidenden Co-Chef Jürgen Fitschen im Betrugsprozess vor dem Münchner Landgericht, dann konnte der künftige Allein-Vorstandschef John Cryan überraschend einen Gewinn im ersten Quartal verkünden. Doch gestern löste sich der zaghafte Aufschwung beim Aktienkurs schon wieder in Luft auf, als der Streit im Aufsichtsrat im Abgang des Ober-Aufklärers Georg Thoma kulminierte.

Schon Fitschen war vorgeworfen worden, er rede zwar vom „Kulturwandel“, aber im Alltagsgeschäft der Bank ändere sich wenig. Auch die Berufung des prominenten Juristen Thoma hatte ein klares Signal gesetzt. Aufklärung mag lästig sein und kann wehtun, doch die von den Mitgliedern des Kontrollgremiums quasi einstimmig erzwungene Demission von Thoma setzt in der Außenwirkung ein verheerendes Signal. Es wirkt, als sollten Altlasten weiterhin unter den Teppich gekehrt werden – auch wenn die Bank das Gegenteil beteuert.

Nun wird wohl nicht Fitschens Abschied im Zentrum der Hauptversammlung am 19. Mai stehen, sondern das mögliche Misstrauensvotum gegen Oberkontrolleur Paul Achleitner. Wie schon zu Zeiten der heftigen Intrigen und Kämpfe zwischen Josef Ackermann und Achleitners Vorgänger Clemens Börsig lähmen damit abermals Führungsdiskussionen die Bank.

Zudem zeigt sich einmal mehr, dass Selbstregulierung, Selbstverpflichtungen und interne Kontrollen oft halbherzig und wenig wirkungsvoll bleiben; am Ende müssen dann doch Gesetzgeber und Behörden ran. Gefordert ist damit im Fall Deutsche Bank die Finanzaufsicht (BaFin, Bundesbank und EZB), die systemrelevante Großbanken ohnehin – unabhängig von einzelnen Personalien – genau im Augen behalten sollte. Haben doch die Quartalszahlen der Deutschen Bank eine klare Schwachstelle offenbart: Die Eigenkapitaldecke ist zuletzt noch dünner geworden. Und da sich der dadurch erzwungene, strategisch sinnlose Verkauf der Postbank hinzieht, droht eine weitere Kapitalerhöhung – die beim aktuellen, extrem niedrigen Aktienkurs die Anteile der bisherigen Eigentümer stark verwässern könnte.

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