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Vier Faktoren können die Radikalisierung der Frankfurter Polizisten begünstigt haben

Den Fall der Frankfurter Polizisten beleuchtet auch ein Schweizer Wissenschaftler im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch wenn vieles bisher noch offen ist, kann er sich einen Prozess vorstellen:

Den Fall der Frankfurter Polizisten beleuchtet auch ein Schweizer Wissenschaftler im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch wenn vieles bisher noch offen ist, kann er sich einen Prozess vorstellen: „Aus meiner Sicht wird sich die mögliche Radikalisierung der Gruppe allmählich vollzogen haben. Entscheidend hierfür dürften ein oder zwei besonders aktive Polizisten gewesen sein (Rädelsführer), die weitere Polizisten zum Mitmachen gebracht haben“, vermutet der Kriminalpsychologe Dirk Baier von der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Dafür, dass dies gelingen kann, seien mindestens vier Faktoren ausschlaggebend:

  Erstens seien Polizisten an sich mit Macht ausgestattet, Macht gegenüber der Bevölkerung aber auch Macht gegenüber hierarchisch niedriger gestellten Polizisten.

  Mit Macht gehe zweitens einher, dass Gehorsam eingefordert werde. Die Gesinnung der Frankfurter Polizisten sei sicher schon in der Vergangenheit von Kollegen bemerkt worden; vermutet Baier.Der Gehorsam kann dem Gedanken, Fehlverhalten zu melden, entgegenstehen

  Ein dritter Faktor sei sicherlich die Gruppenstruktur in der Polizei: Die Einsatzteams seien häufig zusammen unterwegs; es bilde sich eine Gruppenidentität und ein Zusammengehörigkeitsgefühl aus. In solchen Gruppen könnten sich dann bestimmte Ideen verfestigen. Das könnte letztlich zu solch negativen Prozessen führen.

  Viertens weist der Wissenschaftler darauf hin, dass die Polizisten tagtäglich mit Aggressionen konfrontiert werden. Diese Erfahrungen könnten dazu beitragen, bestimmten gesellschaftlichen Gruppen negativ gegenüber eingestellt zu sein.

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