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HerausfordererMartin Schulz

Parteien in den Startlöchern

Warmlaufen zum Bundestagswahlkampf

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Acht Monate Wahlkampf am Anschlag kriegt niemand hin: nicht Martin Schulz, nicht die Kanzlerin, auch nicht Horst Seehofer. Aber sie laufen sich langsam warm, mit- und gegeneinander.

„Zukunftstreffen“ – darauf muss man kommen. „Zukunftstreffen“ sagt der CDU-Generalsekretär am späten Montagmittag, nachdem gut 600 Kilometer weiter südlich am Montagvormittag der CSU-Vorsitzende in Kameras und Blöcke diktiert hat, „es geht um die Zukunft“. Bei Horst Seehofer, immerhin, darf man sich heraussuchen, ob die Aussichten der Welt gemeint sind oder bloß die der Union. Peter Tauber redet ganz eindeutig nur von der Zukunft seiner Chefin, der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, und ihres CSU-Kollegen Seehofer, und zwar der allernächsten. Die findet kommenden Sonntag und Montag in München statt, im Franz-Josef-Strauß-Haus. Und stand lange, wie man so sagt, auf der Kippe.

In der „BamS“ hat Seehofer dann verkündet, dass sie gesichert ist. Dass also er und Merkel und die zugehörigen Parteipräsidien sich wirklich treffen werden.

Tags darauf avisiert er dann als Ergebnis „ein knappes Papier über unsere gemeinsamen Positionen“ und für die „nächsten Monate eine Riesenarbeit“ – aber man sei ja „bestens gerüstet, die CSU sowieso“. Ohne Sticheleien gegen Merkel kann er nicht. Aber: „Wir haben jetzt eine sehr tragfähige Basis mit der CDU, mit der Bundeskanzlerin.“

Die wahre Wirklichkeit unterscheidet sich, wie so oft, ein wenig von der Seehoferschen. Sein „Wir“ umfasst, wenn überhaupt, einen sehr engen Kreis. Denn als Reaktion auf das „BamS“-Interview und auf eine Unterredung im Kanzlerinamt am Sonntag meldet sich – die Basis. Für sein Bekenntnis zur Kanzlerin auf Facebook – “Angela Merkel repräsentiert Deutschland nicht nur erstklassig, sondern führt auch auf internationaler Ebene“ – wird Seehofer mit wütenden Reaktionen überhäuft. „Sie waren meine letzte Hoffnung“, „nicht mehr wählbar“, „erledigt und tschüss“ ist der Tenor von etwa 80 Prozent der Einträge. Es trifft also ein, wovor die Vorsichtigeren in der CSU Seehofer nicht nur lange gewarnt haben, sondern immer eindringlicher: Dass er nicht nur Mitglieder, sondern auch CSU-Wähler und -Fans mit seinen unausgesetzten Attacken so hoch auf die Bäume treibt, dass er sie nicht einmal mit Betteln wieder herunterbekommen wird.

Montagnachmittag zieht Seehofer also via Facebook das nächste Register, ein sehr bewährtes. „Wir müssen unser Land vor einem Linksrutsch bewahren“, postet er.

Seine Community aber schaltet auf Durchzug. Die Reaktionen bleiben enttäuscht bis giftig. Die Mehrzahl denkt nicht daran, Seehofers Behauptung zu teilen – die da lautet: „Unser Hauptgegner heißt Rot-Rot-Grün.“

Und sie ist ja auch durch nichts bewiesen. Von den Verdächtigten – Grüne, Linke, SPD – ist keinerlei Koalitionsversprechen überliefert; von denen, die wirklich das Sagen haben werden, nicht einmal ein Flirt.

Der eben erst gekürte Merkel-Herausforderer Martin Schulz hat lediglich diverse Male zu Protokoll gegeben, wer mit ihm regieren wolle, müsse das zu seinen Bedingungen tun. Dicke Backen, natürlich – so geht Wahlkampf eben. Und bislang fand er so ausschließlich zwischen CSU und CDU statt, dass Martin Schulz gar nicht anders konnte, als die „endlosen und ermüdenden Streitereien“, den „Intriganten-Stadel in der CSU“ und die „täglichen Demütigungen innerhalb der Union gegen die eigene Kanzlerin“ als Steilvorlagen zu verstehen.

Geplänkel ist das; allenfalls. Und so wenig ernst zu nehmen wie, umgekehrt, die demonstrative Gelassenheit der Unionisten bei der Causa Schulz. „Wer da kommt“, tönt Volker Kauder, Fraktionschef der Union im Bundestag, und meint: als Kanzlerkandidat, „ist uns egal“. Seehofer bedient sich eines Fußballvergleichs, weil der immer geht – allerspätestens seit Gerhard Schröder und Franz Müntefering: „Wie bei jedem Bundesliga-Verein, wenn’s einen Trainerwechsel gibt“, spottet er – und: „Dass da Hoffnung aufkommt, ist das Natürlichste der Welt.“

Aber ganz so cool wie sie tun, die Unionisten, sind sie nicht. Schon, weil der Obergrenzen-Streit weiter schwelt. Und niemand glaubt, dass sich der beim Grillen am Sonntagabend in München einfach in Rauch auflöst.

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