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Warum Journalisten in Nordeuropa freier arbeiten können

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Im Gegensatz zu ihren Kollegen in vielen anderen Ländern weltweit sehen sich Journalisten in Nordeuropa selten dem Druck von Politikern ausgesetzt.

Im Gegensatz zu ihren Kollegen in vielen anderen Ländern weltweit sehen sich Journalisten in Nordeuropa selten dem Druck von Politikern ausgesetzt. Gerade deshalb erregte der Fall in Finnland, in den Regierungschef Juha Sipilä verwickelt war, Ende 2016 riesiges Aufsehen. Der liberale Politiker hatte versucht, einen Bericht des öffentlichen Rundfunksenders Yle über eine Firma zu beeinflussen, die seiner Familie gehört, indem er etwa 20 E-Mails an den Reporter schickte.

Yle hatte seine Berichterstattung daraufhin zurückgefahren. Dafür handelte sich der Sender eine Rüge vom Presserat ein. „Wir fanden, dass der finnische Rundfunk die Macht, journalistische Entscheidungen zu treffen, abgegeben hat, weil er die Geschichte nach dem wütenden Feedback des Ministerpräsidenten geändert hat“, sagt Elina Grundström, Chefin des finnischen Presserats.

Trotz dieser Episode meint Grundström, dass Medien in Finnland traditionell ein großes Maß an Freiheit genießen. Schließlich sei der Vater des ersten Gesetzes zur Pressefreiheit weltweit ein Finne gewesen, erzählt sie. Schon 1766 machte Anders Chydenius die Verankerung der „Tryckfrihet“ in der schwedischen Verfassung möglich. Damals gehörte Finnland noch zu Schweden.

Dass Journalisten in ihrem Land – und den übrigen nordischen Ländern – so frei arbeiten können, hängt heute auch mit der großen Transparenz zusammen. „In Finnland sind alle offiziellen Dokumente öffentlich zugänglich, wenn sie nicht aus besonderen Gründen als geheim deklariert wurden“, sagt Grundström.

In seiner Heimat sieht Jonas Nordling, Präsident des schwedischen Journalistenverbands, diese Transparenz aber zunehmend in Gefahr – auch wenn es sich oft nur um kleine Gesetzesänderungen handle, nach denen Medien der Zugriff auf bestimmte Informationen verwehrt werden könne.

In Norwegen, der aktuellen Nummer eins der Rangliste, hätten Medien nach den Terroranschlägen des Massenmörders Anders Behring Breivik im Sommer 2011 darüber geklagt, „dass es schwierig für Journalisten war, kritische Fragen zu stellen, weil das Land unter Schock stand und gelitten hat“, sagt die norwegische Medienforscherin Kristin Skare Orgeret.

Mehr als die Einflussnahme von Politikern machen Journalisten in den nordischen Ländern aber Hasskommentare und Drohungen in den sozialen Netzwerken zu schaffen. „Reporter stehen heute unter großem Druck, jederzeit auf allen verschiedenen Plattformen sichtbar zu sein“, sagt Kristin Skare Orgeret. Das mache sie angreifbar für Hasskommentare und ähnliche Attacken von Nutzern. „Es kann zur Folge haben, dass sie vorsichtiger damit sind, was sie sagen.“

Auch in Finnland sei Hetze gegen Journalisten ein Problem, sagt Grundström – besonders, wenn sie über „sensible Themen wie Flüchtlinge“ schrieben. In Dänemark wiederum wurden Mitarbeiter der „Jyllands-Posten“ nach der Veröffentlichung der islamkritischen Mohammed-Karikaturen 2005 bedroht und angegriffen.

Obwohl sinkende Einnahmen auch im Norden Medienhäusern zu schaffen machen, ist die Vielfalt groß. „Die Finnen haben immer sehr gerne Zeitungen abonniert und gelesen, und das tun sie immer noch“, sagt Grundström. Auf 5,5 Millionen Einwohner kommen in dem Land rund 50 Tageszeitungen und etwa 150 weitere Zeitungen.

Auch im Nachbarland Norwegen mit knapp 5,3 Millionen Einwohnern gibt es 200 Zeitungen. In kleineren Orten unterstütze der Staat Zeitungen mit geringerer Auflage, um Medienvielfalt zu sichern, sagt Kristin Skare Orgeret.

(dpa)

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