Bischof Georg Bätzing freut sich schon auf den ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt.
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Bischof Georg Bätzing freut sich schon auf den ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt.

Reformation

Warum laut Bischof Georg Bätzing auch die katholische Kirche von Luther profitiert

Das Jahr des Reformationsgedenkens habe seinen ökumenischen Eifer beflügelt, sagt Bischof Georg Bätzing. Schließlich verbinde katholische und evangelische Christen mehr als sie trenne. Umso wichtiger, sich zu versöhnen. Ein Grußwort.

„Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“, dieses gemeinsame Wort der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Jahr 2017 hat viele Gespräche, Diskussionen, Gottesdienste und Predigtreihen wie ein roter Faden geprägt. Darum war in diesem Jahr des Reformationsgedenkens viel guter ökumenischer Geist auf allen Ebenen zu spüren. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das hat uns Christen noch enger miteinander verbunden. Wir haben lebendig erfahren dürfen, was es heißt, getauft zu sein und gemeinsam zu Jesus Christus zu gehören. Er ist der Herr der Kirche. Und er wird uns Wege zur Einheit zeigen, die sichtbar und tragfähig die Unterschiede versöhnen.

Dieses Reformationsjubiläum beflügelt meinen ökumenischen Eifer. Heute, 500 Jahre nach dem Ereignis von Wittenberg, verbindet katholische und evangelische Christen mehr als sie trennt. Durch die Ausrichtung auf Jesus Christus als Mitte unseres Glaubens konnte der ökumenische Dialog bereits viele trennende Hindernisse überwinden. Dies verdanken wir dem Wirken des Heiligen Geistes, der uns gestärkt hat, den Weg der Versöhnung und der Erneuerung zu gehen. Gewachsen ist die Einsicht, dass Katholizität und Ökumene untrennbar zusammengehören.

Das Reformationsgedenken hat uns in der Katholischen Kirche erneut bewusst gemacht, dass Einheit und Vielfalt keine Gegensätze, sondern bleibend aufeinander hin geordnet sind. Gottes Geist wirkt in jedem und jeder von uns, und er bringt uns zugleich in Verbindung zueinander. So formt der dreifaltige Gott „ein neues Volk, das vielfältig und geeint ist, eine universale Kirche. Zuerst erschafft er einfallsreich und unvorhersehbar die Verschiedenheit, dann verwirklicht der gleiche Geist die Einheit“ (Papst Franziskus an Pfingsten 2017). Das dürfen wir auch auf die ökumenische Bewegung beziehen.

In den Evangelischen Kirchen ist das Bewusstsein gewachsen, dass sich die Reformation auch aus der Wirkungsgeschichte des Altertums und des Mittelalters speist. So wird der gemeinsame geschichtliche Raum vielfältiger und schafft weitere Anknüpfungen mit durchaus unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten.

Aber es ist noch nicht alles gut. Es gibt trennende Punkte, um die wir weiter ringen müssen, wenn wir über die Einheit der Kirche sprechen, für die wir täglich beten. Ein solch trennender Punkt ist beispielsweise das unterschiedliche Eucharistie- beziehungsweise Abendmahlsverständnis, das es bislang verhindert, dass wir gemeinsam Abendmahl feiern können. Eng damit verbunden ist die Frage des ordinierten Amtes. Hier gibt es auf beiden Seiten deutliche Unterschiede im Verständnis und in der Praxis. Aber die Sehnsucht, am Tisch des Herrn sichtbar vereint zu sein, ist in beiden Konfessionen groß, und ich hoffe sehr, dass ich es noch erlebe, dass wir hier zusammenfinden. Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch in bedeutsamen moralisch-sozialethischen Fragestellungen.

Darüber müssen wir miteinander ringen – um der Menschen und um des Lebensschutzes willen. Mir ist es wichtig, dass wir miteinander im Gespräch bleiben und dass es theologisch und geistlich geprägt bleibt. Gemeinsam wollen wir uns unter das Wort Gottes stellen, das uns mit dem Evangelium geschenkt worden ist, und das uns bei der Suche nach Antworten auf unsere Fragen Impulse und Anknüpfungspunkte geben kann.

Ich bin davon überzeugt, dass die Welt und unsere Gesellschaft das gemeinsame starke Lebens- und Glaubenszeugnis aller Christen braucht. Der Glaube an den lebendigen und liebenden Gott ist nicht von gestern, und die frohe Botschaft von Jesus Christus, dem Heiland und Erlöser, ist nicht veraltet. Es geht uns nicht darum, dass wir als Kirche den Anspruch erheben, der Gesellschaft zu sagen, wo es langgeht und wie menschliches Zusammenleben gelingt. Es geht vielmehr darum, den Glauben zu leben und die Botschaft von der Liebe Gottes in der Welt lebendig zu halten.

Aus den Weisungen Jesu und des Evangeliums und aus der langen Tradition christlich-kirchlichen Lebens heraus können wir Werte ableiten, die für unser Miteinander wichtig sind.

Es geht darum, zu zeigen, dass das Wort Gottes uns Orientierung gibt und dass der christliche Glaube befreiend wirkt. Wer Gott bekennt, und wer den Schatz des Glaubens in seinem eigenen Leben ans Licht holt, der lebt anders, und das gesellschaftliche Miteinander verändert sich.

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 18. September 2017, bin ich zum Bischof geweiht worden. Als Leitmotiv für meinen Dienst habe ich mir die Bitte „congrega in unum – Führe zusammen“ aus einem alten Trierer Pilgergebet gewählt. Jeden Tag begleitet mich dieser Vers und erinnert mich daran, dass Jesus der Herr ist.

Von ihm erbitte ich Kraft und Einsicht für die ökumenischen Herausforderungen – jetzt schon froh gespannt auf das Jahr 2021. Dann nämlich werden wir den dritten Ökumenischen

Kirchentag in Frankfurt

feiern.

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