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Zugang zu Trinkwasser soll ein Recht für jeden Bürger sein.

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Wasser: Ein kostbares Gut

Das ist kein sprichwörtlicher Sprung ins kalte Nass. Viel zu selbstverständlich erscheinen die Vorschriften, die die Europäische Kommission da am Donnerstag vorgelegt hat.

Das ist kein sprichwörtlicher Sprung ins kalte Nass. Viel zu selbstverständlich erscheinen die Vorschriften, die die Europäische Kommission da am Donnerstag vorgelegt hat. Trinkwasser für alle, öffentlicher Zugang zu sauberem Wasser auch für schutzbedürftige Personen, Kampf gegen Schadstoffe in Flüssen und Meeren sowie die Verunreinigung durch schlechte Leitungen – Europa darf nicht weniger wollen. Und es muss dafür einiges tun: Beispielsweise dafür sorgen, dass Wasser kein lukrativer Rohstoff für Spekulanten und Konzerne wird.

Doch alle diese Errungenschaften kosten Geld, das nicht alle Mitgliedstaaten haben. Deshalb lautet einer der wichtigsten Sätze im gestrigen Papier, dass die vorhandenen Mittel für die Strukturhilfe genutzt werden können, um Wasserleitungen in den Regionen und Kommunen zu erneuern und moderne Filtersystem sowie Kläranlagen zu bauen oder nachzurüsten. Denn natürlich gehört ein hochwertiges Leitungsnetz dazu. Dies wird für zahlreiche Städte und Gemeinden eine große Herausforderung, weil veraltete Rohre im Boden liegen, die genau jene Schadstoffe ansetzen, die nun auf der Verbotsliste stehen. Eigentlich müsste die EU-Verwaltung so konsequent sein und eine Mitverantwortung auch derer festschreiben, die für erhöhte Schadstoffbelastungen verantwortlich sind.

Es hat lange gedauert, bis sich die EU des Themas Wasser in einer Weise angenommen hat, wie es die Bürger eigentlich erwarten. Doch die müssen auch mitziehen. Das fängt beim eigenen Verhalten und dem Verzicht auf Einwegkunststoffflaschen an und reicht bis hin zum Trinken des Leitungswassers – auch in Restaurants.

Und es sollte noch weitergehen: Denn Wasser zuerst als kostbares und bewahrenswertes Lebenselixier zu behandeln, die Meere aber anschließend als billige Müllhalde für Plastikabfall zu verwenden, ist gelinde gesagt widersinnig. Insofern hat die Kommission gestern sehr richtig den Bogen zwischen ihrer neuen Wasser-Strategie und dem erst vor kurzem vorgelegten Vorschlag zur Reduzierung des Plastikmülls geschlagen. Das Recht auf Wasser zu haben und es – wie es die Vertreter des Bürgerbegehrens „Right2Water“ getan haben – zu verteidigen, ist gut. Aber dann muss jeder auch seinen Beitrag dazu leisten, dass dieses kostbare Gut nicht belastet wird.

politik@fnp.de

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