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09.10.2018, Nordrhein-Westfalen, Kerpen: Eine große Anzahl von Barrikaden soll die Zufaht für Fahrzeuge der RWE im Hambacher Forst erschweren. Das für den Bau verwendete Totholz dient als Wohnraum für die Insekten und sollte daher im Wald verbleiben. Die Lage auf den Fahrwegen ermöglicht es aber den RWE das Holz einfach zu beseitigen. (zu dpa "BUND verlangt Öffnung der Fledermaus-Höhlen im Hambacher Forst" vom 14.10.2018) Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Weirich am Montag

Besonders gläubige Jünger hat der florentinische Staatstheoretiker Niccolo’Machiavelli hierzulande in den Grünen gefunden. Der Zyniker der Macht gilt als der Erfinder des die Mittel heiligenden Zwecks.

Besonders gläubige Jünger hat der florentinische Staatstheoretiker Niccolo’Machiavelli hierzulande in den Grünen gefunden. Der Zyniker der Macht gilt als der Erfinder des die Mittel heiligenden Zwecks. Wenn im Hambacher Forst Waldflächen für Braunkohleabbau gerodet werden, ist das für die Ökopartei ein Verbrechen gegen die Umwelt, wenn die Bäume in Grimms Märchenwald für die Windräder einer verkorksten Energiepolitik zum Opfer fallen, ist das der Weisheit der schwarz-grünen Landesregierung im windarmen Hessen zu danken. Die Rodung im Hambacher Forst ist für die Grünen wegen der angeblich bedrohten Bechsteinfledermaus ein Sakrileg, über die geschützten Arten wie dem Rotmilan im Reinhardswald redet man besser nicht.

In der grünen Moral gibt es also gute und schlechte Bäume. Im Namen der Energiewende ist alles erlaubt, auch der Angriff auf den sprichwörtlichen Märchenwald, eines der größten geschlossenen Waldgebiete mit Buchen und Eichen, der Stolz ideologiefreier, echter Umweltschützer.

Die Machiavellisten von heute reduzieren Politik auf ihre Nützlichkeit. Beim Hambacher Forst haken sie sich bei Demonstranten unter, obwohl sie in ihrer Regierungszeit mit der SPD an „Leitentscheidungen“ für die Rodung des Hambacher Forstes mitgewirkt hatten. „Braunkohleabbau ist im rheinischen Revier weiterhin erforderlich“ hieß es im damaligen Beschluss, inzwischen in der Opposition angekommen, hält man einen von kämpferischen Parolen begleiteten Parteitag im Demonstrationszentrum „vor Ort“ ab. Selbst das hochumstrittene Garzweiler II-Projekt konnte und wollte man seinerzeit aus Machtopportunismus in Nordrhein-Westfalen nicht verhindern.

Dass die Grünen und partiell die auch von ihnen beeinflussten Umweltverbände bei der Naturzerstörung im Grimm’schen Märchenwald mit Schalldämpfern durch das Land gehen, ist an Heuchelei nicht zu überbieten. Weil im eher flauen Hessen zu wenig Wind herrscht, muss man beim Bau von Windrädern in Wälder ausweichen, da nur in Höhenlagen stabile Voraussetzungen zur Energiegewinnung gegeben sind.

Bis 2050 sind wohl 1000 und mehr Windräder geplant. Dafür müssen bis zum Siebenfachen der Äquivalenzfläche des Hambacher Forstes abgeholzt werden. Ein Hektar Wald bindet pro Jahr etwa eine Tonne CO2. Dies bedeutet, dass alleine in Hessen also 1400 Tonnen CO2 pro Jahr nicht gebunden werden, wenn man sich auf den Bau von tausend Windrädern in Wäldern verständigt.

Diese „windige Energiepolitik“ geschieht in einer Zeit, wo bundesweit die Begeisterung für Windräder ohnehin angesichts verspargelter Landschaften und verendeter Rotmilane abnimmt. Zwar stören die neuen Lärm-Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WTO die hochsubventionierte Industrie nicht, aber die Akzeptanz bei den Bürgern lässt nach.

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