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von Prof.

Kolumne

Weirich am Montag: Glauben an den Weihnachtsmann

Fake News, also gefälschte und verzerrte Wahrheiten, sind zum Unwort des Jahres geworden. Sie begleiten uns zwar schon seit Jahrhunderten, ihr Überangebot in den sozialen Medien sind aber zum Quell des Verdrusses geworden. Dass es regelmäßig vor Weihnachten den Heiligen Nikolaus erwischt, hat mit der Sucht autoritärer Staaten zu tun, die Samariter der Weltgeschichte oder große Geistesgestalten für sich in Anspruch zu nehmen und damit die eigene Größe zu untermauern. Nikolaus ist nicht nur der Patron mehrerer Länder und Städte, sondern steht auch für die Wünsche von Frauen nach Kindern, wird als guter Mensch von Matrosen, Rechtsanwälten und Richtern und auch von Schnapsbrennern verehrt.

Alle lieben Bischof von Myra alias Nikolaus

von Prof.

Alle lieben diesen Schutzheiligen.

Der legendenumwobene Bischof von Myra, zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren, wurde bei der Christenverfolgung schwer misshandelt, legendenumwoben ist seine Mitmenschlichkeit im Kampf gegen die Hungersnot. Einer armen Familie, deren Töchter sich der Prostitution hingaben, soll er des Nachts drei Beutel Gold durchs Fenster geworfen haben.

Dies begründete den Brauch, dass artige Kinder am Nikolaustag den Stiefel in der Erwartung von Süßigkeiten vor die Tür stellen. Wer ein solcher Wohltäter der Menschheit ist, muss Türke sein, denken sich türkische Kulturgemeinden und vereinnahmen Nikolaus.

Unstrittig liegt der Geburtsort von Nikolaus in der Provinz Antalya in der heutigen Türkei, doch gab es damals die Türkei noch gar nicht, auch wenn sich die Behauptung vom alten Kulturland gut macht.

Die frühen Türken lebten nämlich in Mittelasien.

Der Heilige Nikolaus war im übrigen so begehrt, dass süditalienische Kaufleute seine Gebeine raubten und nach Bari brachten, wo die Reliquien in der Basilica San Nicola ruhen. Die Ankunft der Reliquien wird dort jedes Jahr mit einem großen Fest gefeiert.

Jesus wurde von Römern gekreuzigt - nicht von Juden umgebracht

Falschbehauptungen sind also nichts Neues. Besonders gefährlich sind jene, die sich einbürgern, zum Ladenhüter werden. So hält sich unverdrossen die Mär, Jesus sei von Juden umgebracht worden und sei ein Palästinenser gewesen.

Die Wahrheit aber ist, dass Jesus von Nazareth ein jüdischer Wanderprediger war, der von römischen Soldaten gekreuzigt wurde und in Palästina lebte. Nikolaus kommt aus dem Griechischen, heißt übersetzt „Sieger des Volkes“. Häufig wird dieser Menschenfreund freilich mit dem bald anklopfenden Weihnachtsmann, eine kommerzielle Erfindung der Neuzeit, verwechselt.

Dass es „Santa Claus“ wie den Osterhasen und die Weihnachtselfen gar nicht gebe, verriet eine amerikanische Lehrerin jetzt ihren Erstklässlern und wurde dafür entlassen. Schulleitung und Eltern waren der Meinung, an den Weihnachtsmann sollte man glauben, kindliches Staunen erhalten und Mythen nicht zerstören. Richtig so.

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