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Professor Dieter Weirich

Weirich am Montag

Glückliche Sklaven

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Der mit gutmenschlichem Pathos geführte Kampf gegen Rechts treibt immer groteskere Blüten. Da verweigert ein Universitätsrektor eine geplante Diskussion mit zwei rechtsintellektuellen Protagonisten und dreht dem geplanten Dialog autoritär den Geldhahn zu. Da sagt eine Schriftstellerin den Auftritt in einer Münchner Buchhandlung ab, weil unter den dort zum Verkauf stehenden Büchern auch rechte Literatur angeboten wird. Auf dem Altar politischer Korrektheit wird so die Gedanken-und Redefreiheit geopfert.

George Orwell hat die „Freiheit das Recht genannt, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen“. Darauf verzichten jene, die angesichts der langen kulturellen Hegemonie der Linken extrem gegensätzliche Positionen nicht ertragen können. Sie haben es sich bequem in ihrer eigenen Echokammer eingerichtet, reden vom notwendigen Zusammenhalt der Gesellschaft, verweigern sich als glückliche Sklaven der Selbstgerechtigkeit dem Gespräch.

So aber funktioniert Demokratie nicht und der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister sollte dem Rektor der Philosophischen Fakultät in Siegen unmissverständlich klar machen, dass Universitäten freiheitliche Austragungsorte von lebendigen Diskursen sind. Wer eine Diskussion mit dem kontroverse Positionen vertretenden Ex-Senator Thilo Sarrazin und dem AfD-Kulturpolitiker Marc Jongen absetzt, weil damit eine „politische Botschaft“ verbunden sei, stellt der Intelligenz seinen Studenten mit seiner „Rühr mich nicht an“-Ideologie ein armseliges Zeugnis aus. Wo, wenn nicht an einer Hochschule, ist solch geistiger Wettstreit geboten.

Anders liegt der Fall der deutsch-polnischen Autorin Margarete Stokowski, die eine Lesung in einer Münchner Buchhandlung mit der Begründung abgesagt hat, das Geschäft führe auch ein Sortiment rechter Primärtexte aus rechten Verlagen. Sie befürchte eine Normalisierung rechten Denkens, auch sollten solche Autoren kein Geld mit Schreiben verdienen dürfen. Das ist ihr gutes persönliches Recht. Wer sich allerdings der Auseinandersetzung mit rechtem, identitärem Denken mit der Linie, dass dem Reinen alles rein ist, entzieht, will keinen Dialog, muss sich die Frage nach seiner Debattenfähigkeit stellen lassen. Mit Verboten lässt sich geistige Auseinandersetzung nicht unterbinden.

Das Gegenteil ist der Fall. Gedankengut wird so spannender. Das beste Beispiel hierfür ist das Buch „Finis germaniae“ („Das Ende Deutschlands“) aus dem Nachlass des Historikers Rolf Peter Sieferle, dem rechtslastige Verschwörungstheorien unterstellt werden. Eine Leseempfehlung in einem Magazin führte zum Ärger in der Jury für eine Rangliste von Bestsellern und letztlich zur Streichung des Tipps. Eine bessere Vermarktung hätte sich das Buch nicht wünschen können. Monatelang war es Tabellenführer bei den Bestsellern.

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