Weirich am Montag

Stoppt die Gesinnungsschnüffelei

Spielt der Junge nur mit dem Bagger? Dann sollten Erzieher, die sich an eine Broschüre halten, mal mit den Eltern sprechen.

Wer kennt es nicht, das Generationen überdauernde Kinderspiel „Ene, mene, muh und raus bist Du“? Jetzt wird diese Belustigung für die Kleinen zur Gesinnungsschnüffelei von Erziehern gegenüber Elternhäusern missbraucht. Statt vorurteilsfreier Erziehung wird in einer Broschüre als Anleitung für Erzieherinnen in Kindergärten mit regierungsamtlichem Segen eher Gleichschaltung verlangt.

Professor Dieter Weirich

Die typisch deutsche Schulmeisterei kommt im Kampfanzug gegen rechtspopulistische Anschauungen daher, weshalb es wichtig sei, „frühkindliche Bildung demokratisch zu gestalten“. Handlungshinweise und Hilfsangebote werden durch Fallanalysen zum Umgang mit Kindern aus „völkischen Elternhäusern“ illustriert. Das geht dann so: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird körperlich stark gefördert“. Die pflichtgemäß entsetzte Kindererzieherin sollte danach die Eltern zu einem persönlichen Gespräch in die Kita einladen, um ihnen zu erklären,“wie autoritäre und geschlechterstereotype Erziehungsstile die vielfältigen Möglichkeiten einschränken“.

Noch besorgter als die Zöpfchen kleiner Mädchen machen die Bundesregierung Familien, die sich über den Zuzug von zu vielen Migranten kritisch äußern und eine Absenkung des Bildungsniveaus befürchten. Solchen Eltern sollten die Ergebnisse der Migrationsforschung und die Vorteile der Vielfaltspädagogik nahegebracht werden.

Umstrittene Studie

Die Feder bei dieser Art von sanfter Dressur getragenen Empfehlungen hat die von der Berliner Regierung kräftig geförderte und politisch umstrittene Amadeu-Antonio-Stiftung geführt. Sie will Zivilgesellschaften im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus stärken.

Franziska Giffey, die sozialdemokratische Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gehört eigentlich zu den erfreulichen Leistungsträgerinnen des Kabinetts. Man fragt sich, ob die gelernte Diplomverwaltungswirtin diese haarsträubenden Handlungsempfehlungen gelesen hat, bevor sie ihre preisende Einleitung für diese Broschüre schrieb.

Die ehemalige Bezirksbürgermeisterin eines Berliner Problemkiezes sollte das mit Steuergeldern unterstützte Traktat deshalb so schnell wie möglich einstampfen.

Das Gegenteil von gut

Gesinnungskontrolle ist Sache von autoritären Systemen. Schnüffelei war bei den Nationalsozialisten ebenso wie in der ehemaligen DDR mit seinem „volkseigenen Horch-und Guck-System“ angesagt. In einer freiheitlichen Republik ist es nicht Aufgabe des Staates und der Kindergärten, die Erziehung der Eltern unter einen gesellschaftspolitischen Radarschirm zu nehmen und zu korrigieren.

Der Kampf gegen Rechts legitimiert nicht jede staatliche Aktion, auch wenn er möglicherweise gut gemeint ist. Gut gemeint ist häufig das Gegenteil von gut.

Rubriklistenbild: © picture al liance / Monika Skolim

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