Olympische Spiele

Weiter, schneller, raus

  • schließen

In Hamburg halten sie sich – fein wie sie nun mal sind – zurück. Boston will die Olympischen Spiele 2024 nicht? Verringert den Kreis der Konkurrenten – vielleicht nur vorerst – auf drei? Kein Triumphgehabe, kein Jubelgeheul an der Alster. Aber an der Vornehmheit der Hanseaten allein liegt das Schweigen nicht. Selbstverständlich wissen sie im Rathaus ebenso gut wie beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt: Das „No, we can’t“, das „Nein, wir können nicht“, aus dem Sommer-Olympia-begeistertsten Land der Welt ist auch für Hamburg, für Deutschland insgesamt, eine Hiobsbotschaft.

In Hamburg halten sie sich – fein wie sie nun mal sind – zurück. Boston will die Olympischen Spiele 2024 nicht? Verringert den Kreis der Konkurrenten – vielleicht nur vorerst – auf drei? Kein Triumphgehabe, kein Jubelgeheul an der Alster. Aber an der Vornehmheit der Hanseaten allein liegt das Schweigen nicht. Selbstverständlich wissen sie im Rathaus ebenso gut wie beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt: Das „No, we can’t“, das „Nein, wir können nicht“, aus dem Sommer-Olympia-begeistertsten Land der Welt ist auch für Hamburg, für Deutschland insgesamt, eine Hiobsbotschaft.

Denn gerade der DOSB kennt ja die Kluft zwischen Wollen und Dürfen, zwischen Funktionären und Bevölkerung bestens. Die Bayern hatten keinen Bock auf Winterspiele. Man stelle sich vor: Ausgerechnet München, wo die Älteren bis heute von den Spielen ’72 schwärmen, von der Heiterkeit, die bis zum Attentat auf die israelische Mannschaft die Stadt durchzog, deren Ruf damals ähnlich profitierte wie 2006 jener der ganzen Republik vom Fußball-WM-Sommermärchen. Und nun? Ein glattes Nolympia. Ein derbes Ohne-Uns.

Indes: Wenn am Freitag die Entscheidung für den Winter 2022 fällt, haben sich auch sämtliche anderen europäischen Bewerber vorzeitig verabschiedet. Oslo, Stockholm, Krakau, Graubünden – überall war der Bevölkerung Olympia zu teuer, zu landschaftszerstörend, zu fremdbestimmt. Übrig sind Almaty und Peking – und das passt zu den Spielen von Sotschi, den European Games von Baku, zu den Fußball-WMs in Russland und Quatar und all den Leichtathletik-, Schwimm- und sonstigen Welttitelkämpfen in Ländern, die auch beim allerbesten Willen nicht Demokratie zu nennen sind. Verkommt Olympia also in seinem dritten neuzeitlichen Jahrhundert zu einer Show der Diktatoren?

Es sieht so aus. Zwar: Für Hamburg, Rom, Paris, auch Budapest – die aktuellen vier für 2024 – gilt das nicht; auch nicht für Los Angeles, das wohl als Boston-Ersatz in den Startlöchern steht. Aber zumindest die Hanseaten werden noch gefragt. Und wer weiß, ob das Bostoner Nein sie nicht nachdenken und neu rechnen lässt, Kosten gegen Nutzen, Belästigung gegen guten Ruf...

Wer vor drei Jahren in London war, konnte dort erleben, wie der olympische Geist immer noch stärker sein kann als alle Geschäftemacher, Bestecher und Bestechlichen, Medienmogule, Doper und Schwarzmarktprofiteure zusammen. Kann. Nicht muss. Und wer weiß, wie selbst die sensationell offenen britischen Kalkulatoren jede Partyplauderei in Penny und Pfund ummünzten und mitbilanzierten, damit sie die 10,19 Milliarden Euro Kosten am Ende mit einen angeblichen zusätzlichen Umsatz von 11,5 Milliarden verrechnen konnten – der ahnt, warum das Schneller, Höher, Weiter verkommt. Zum Weiter, Schneller, Raus...

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare