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Kommentar zu WhatsApp: Bedenken sind gerechtfertigt

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Kommentatorin Pia Rolfs ist für das geplante WhatsApp-Verbot. Nicht wegen der Gefahr von Hackerangriffen, sondern weil durch die WhatApp-Nutzung durch Schulen das Suchtverhalten mit dem Handy gefördert wird.

Schöne neue Welt, in der alles mit einem Klick geht: krankmelden, Hausaufgaben aufgeben, Noten erhalten oder die Eltern benachrichtigen. Da wirkt es auf viele Nutzer nun altmodisch und weltfremd, wenn der hessische Kultusminister Alexander Lorz das unterbinden will, keinen Austausch personenbezogener Daten über Messanger wie WhatsApp erlaubt. Doch seine Bedenken sind mehr als gerechtfertigt.

Wie unsicher die Daten in sozialen Netzwerken sind, haben viele Skandale gezeigt. Doch es geht nicht nur um den Hackerangriff von außen. Auch innerhalb einer Schulklasse oder Elternschaft muss jemand das Recht haben, anderen etwa nicht seine Telefonnummer mitzuteilen – sei es aus Furcht vor Mobbing, Stalking oder warum auch immer. Er muss sogar das Recht haben, sich sozialen Medien zu verweigern.

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Schule soll Kinder zu mündigen Bürgern ausbilden - dazu gehört das Recht, seine Telefonnummer geheim zu halten

FNP - Pia Rolfs

Dass das in der Praxis wohl kein Schüler will, steht auf einem anderen Blatt. Es ist jedoch etwas anderes, ob jemand freiwillig seine Daten preisgibt oder ob die Schule – eine Institution, die ihn zu einem mündigen Bürger ausbilden soll – das von ihm verlangt. Eigene Netzwerke, wie sie etwa Universitäten anbieten, ermöglichen eine geschützte Kommunikation allein zu Lehr- und Lernzwecken. Sie sind eine gute Alternative.

Wer jedoch für seine Hausaufgaben auf sein Smartphone schauen muss, hat immer einen Grund, dieses nicht aus der Hand zu legen. Viele Erwachsene beklagen zu Recht, für ihren Job ständig erreichbar sein zu müssen. Gerade wächst der Trend zum „Digital Detox“, also zum Versuch, das Handy mal abzuschalten, die Sucht danach zu überwinden. Wenn Schulen aber WhatsApp quasi zur Pflicht machen, stärken sie dieses Suchtverhalten noch. Und das legt keine Grundlage für eine mündige Gesellschaft, sondern für eine dauergestresste.

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