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?Die Doro? Dorothee Bär (Mitte) steht als designierte Staatsministerin für Digitales strahlend neben dem künftigen Innenminister Horst Seehofer. Kein Wunder, dass die künftige stellvertretende CSU-Generalsekretärin Daniela Ludwig (links) davon gleich ein Handy-Foto macht.

Kabinettsbildung

Wissen, Können und Erfahrung entscheiden nicht über Ministerposten

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Die Union hat ihre Liste komplett, die SPD tüftelt noch, wen sie in die Bundesregierung schicken will. Ein Einblick in ein sehr kompliziertes Geschäft.

„Die Doro.“ Drei, vier, fünf Mal sagt Horst Seehofer das – und „die Doro“, Klarname: Dorothee Bär, lächelt milde dazu. „Die Doro“, sagt also Horst Seehofer, werde Staatsministerin für Digitalisierung und sie sei dann da auch „genau richtig“. Es klingt wie ein Kompliment – aber „die Doro“ kann es genauso gut als mittelschwere Gemeinheit empfinden. Es lässt sich nicht erkennen, das milde Lächeln ist schuld, das unausgesetzte.

An der Causa Dorothee Bär lässt sich sehr exemplarisch und sehr hübsch erklären, wie wer in Berlin zum Ministeramt kommt. Oder eben auch nicht. Oder so ein bisschen. Es hat, auch wenn man das meinen sollte, nicht ausschließlich und nicht einmal hauptsächlich mit Wissen und Können zu tun, oder mit Erfahrung.

Dorothee Bär, „die Doro“ also, CSU, seit 16 Jahren im Bundestag, Direktmandat Wahlkreis 248 Bad Kissingen, zuletzt mit 51,1 Prozent gewählt, zuvor vier Jahre Staatssekretärin bei Alexander Dobrindt, interessiert sich sehr für Digitalisierung. Sie war aber auch seit 2014 Koordinatorin der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik. Als Dobrindts Nachfolgerin im Ressort für Verkehr und digitale Infrastruktur brächte sie diverse Erfahrungen mit.

Es gibt da allerdings auch Andreas Scheuer. Ziemlich genauso lange im Bundestag wie „die Doro“, Direktmandat Wahlkreis 229 Passau, zuletzt 47,5 Prozent. Als Staatssekretär und Koordinator quasi der Vorgänger von Bär, beim Dobrindt-Vorgänger Ramsauer. Dann anschlusslos Nachfolger von Dobrindt als CSU-Generalsekretär. Man muss jetzt gar nicht mehr wissen, als dass die CSU in der Groko III unter Merkel drei Ministerien hat - und drei Bewerber und eine Bewerberin. Allenfalls noch, dass einer Horst Seehofer höchstselbst ist. Und ohne viel Nachdenken hat man die Lösung: Die Jungs kriegen die Ministerien – und „die Doro“ kriegt ein Trostpflästerchen.

Es heißt zwar auch Ministerium, aber es trägt „Staats“ als Vornamen dazu. Und ist das Kanzleramts-Gegenstück zum Staatssekretär. Kein Aufstieg also für „die Doro“. Aber für Scheuer, „den Andi“, schon.

Selbstverständlich ist jede Kabinettsbildung allüberall ein Schachern um Posten und Pöstchen. Und der Bildner oder die Bildnerin hat fast mehr zu bedenken, als in ein Hirn passen kann. Es geht, nur unter anderem, um Geografie, inner- und außerparteiliche. Um Alter, Geschlecht. Sogar um Sym- oder Antipathie. Jens Spahn beispielsweise wird ja jetzt Minister von Angela Merkel. Obwohl es heißt, sie könne ihn nicht wirklich gut leiden. Aber er ist jung. Und konservativ. Und hat, nachdem er Merkel länger sehr laut kritisiert hatte, im richtigen Moment ein paar Wochen lang den Mund gehalten.

Kann man von Sigmar Gabriel nicht behaupten. Deshalb wird er vielleicht oder wahrscheinlich kein Minister werden im Kabinett Merkel IV. Noch tüfteln die Sozialdemokraten. Man kann sich bei ihnen sehr rasch nicht bloß um sämtliche Sympathien reden, sondern auch aus allen Karriere-Taktierereien katapultieren. Es reicht, ein Versprechen zu brechen. Oder zu erzählen, was die kleine Tochter zu Hause so sagt.

Martin Schulz jedenfalls wird definitiv nicht Nachfolger von Gabriel. Obwohl er das ja so geplant hatte. Bald, hat Andrea Nahles am Sonntag gesagt, werde die Republik Bescheid kriegen, wen ihre Partei zum Regieren schicke. Und gelächelt dazu. Weil: Bald ist die Unverbindlichkeit in vier Buchstaben.

Sechs Ressorts hat die SPD – und natürlich mehr, die sich berufen fühlen. Manche, wie Manuela Schwesig, sind gerade unabkömmlich. Es ist auch nicht so, dass jeder sich um Posten reißt. Kevin Kühnert beispielsweise, der oberste Nogrokoist, hat schon mal vorsorglich wissen lassen, ihn kriege man damit garantiert nicht. Dabei ist Kühnert so wunderbar jung, gerade mal erst 28. Rein politisch dauert das Jungsein ja bis Mitte vierzig, mindestens. Kann man Horst Seehofer fragen.

Die SPD, heißt es, frage gerade Franziska Giffey. Aktuell Bezirksbürgermeisterin in Berlin-Neukölln. Und sozusagen eine Quotenbombe: Frau, noch 39 – und geboren in Frankfurt/Oder. Weiblich, jung, Ossi – und schon hätten es die Sozialdemokraten der CDU und Angela Merkel gezeigt. Was auch immer.

Sicher ist wohl, dass statt Schulz Scholz nach Berlin kommt; Olaf aus Hamburg. Heiko Maas und Katarina Barley gelten als gesetzt – wohin auch immer. Barbara Hendricks? Sie hat im Diesel-Skandal als Einzige der Industrie die Stirn geboten. Aber Kompetenz – siehe oben. Und Courage? Ach.

Gerd Müller ist der Beweis. Guter bis sehr guter Job als Entwicklungsminister. Sagt sogar die Opposition. Na und? Wochenlang hieß es, Dorothee Bär könnte Müller beerben.

Weil Horst Seehofer den CSU-Frauen mehr Macht versprochen hatte. Aber „der Andi“ ja den Verkehr kriegen sollte. Und das Elend der Welt und Frauen, dachte Seehofer sich, könnte doch passen. Aber Müller kämpfte. Und darf nun doch bleiben.

„Die Doro“ geht dann eben mit dem Digitalen ins Kanzleramt. Dort gibt es zwar schon einen Beauftragten für die Digitalisierung, Helge Braun. Aber macht ja nichts. Die Kanzlerin hat zugestimmt am Ende. Und doppelt digitalisiert ist eventuell besser als nix. Wie in der vergangenen Legislatur.

dfg f dgh tg

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