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Voraussetzungen für Wachstum: Im Europaviertel werden derzeit die meisten Wohnungen gebaut.

Analyse der Regionalverbands

Wohnungsnot: Alarm in der Rhein-Main-Region

Die Rhein-Main-Region boomt – immer mehr Menschen zieht es an den Main. Mit drastischen Folgen für den Wohnungsmarkt. Nach einer Analyse des Regionalverbands, die morgen veröffentlicht wird, fehlen in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main bis zum Jahr 2030 insgesamt 184 000 Wohnungen.

Von HERMANN WYGODA

In der vergangenen Woche legte die Allianz-Versicherung eine Studie vor, in der es hieß, dass in der Region bis zum Jahr 2030 rund 155 000 Wohnungen fehlen werden. Der Regionalverband geht in seiner aktuellen Analyse, die morgen der Öffentlichkeit vorgestellt wird, noch weiter: In dieser Bedarfsprognose sind erstmals auch die Flüchtlinge mit einbezogen worden, die voraussichtlich in den 75 Kommunen der Region bleiben werden. Der Wohnungsbedarf für die Rhein-Main-Region liegt demnach bei 184 000 Wohnungen.

Die Diskussionen um neue Baugebiete in Frankfurt und auch in der Region dürfte nach den jüngsten Zahlen des Regionalverbandes neu belebt werden. Die Prognose, die bis in das Jahr 2030 reicht, zeigt eine Bevölkerungszahl von 2,440 Millionen Menschen an – zu heute eine Steigerung von 8,5 Prozent oder um 200 000 zusätzliche Einwohner. Die Hälfte des Einwohnerzuwachses in der Region geht auf Flüchtlinge zurück, die dort eine Heimat finden werden. Allein diese Flüchtlinge, so die Fachleute, werden einen Wohnungsbedarf von 2013 bis 2030 von 27 000 zusätzlichen Wohnungen haben.

In dem Zeitraum von 2013 bis 2020 werden, wie es in dem Papier heißt, „aufgrund des hohen Nachholbedarfs und der angenommenen Flüchtlingszahlen“ jedes Jahr 14 600 Wohnungen gebaut werden müssen. In den Folgejahren von 2020 bis 2030 errechnete der Regionalverband weitere 8200 Wohnungen jährlich. Allein um den errechneten Bedarf von 14 600 Wohnungen pro Jahr zu erreichen, bedeute dies „im Minimum eine Verdoppelung der derzeitigen Bauintensität“, heißt es in dem Papier weiter. Die Statistiker schließen mit der Feststellung: „Die Städte und Gemeinden müssen sich damit der Herausforderung ,Schließung der Angebotslücke im Wohnungsbau‘ stellen“.

Für Frankfurt bedeutet die Prognoserechnung, dass die Zahl ihrer Einwohner von 701 350 im Jahr 2013 bis zum Jahr 2030 auf 773 300 Bürger ansteigt. Daraus errechnete sich ein Wohnraumbedarf von 73 727 Wohnungen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden in Frankfurt rund 4400 Wohnungen fertiggestellt.

In Offenbach ermittelte man 11 406 fehlende Wohnungen und für den Main-Taunus-Kreis fehlen 16 414 Wohnungen, für die Grundstücke gefunden und Bauaufträge vergeben werden müssen. Im Kreis Offenbach werden demnach 27 307 Wohnungen zu bauen sein. Als Basis für die Prognose der Statistiker des Regionalverbandes wurden die Modelle der Hessen-Agentur für die Bevölkerungsentwicklung und für die Ermittlung des Wohnungsbedarfs die Prognosen des Instituts für Wohnen und Umwelt herangezogen. Da beide Quellen jedoch die Flüchtlinge noch nicht in ihre Berechnungen aufnehmen konnten, wurde vom Regionalverband für seine Abschätzung der Zahl der wohnungssuchenden Flüchtlinge eine Pauschale zugrunde gelegt.

Diese Zahlen wurden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ermittelt. Ihnen zufolge wurde für die Berechnung der neu zu bauenden Wohnungen davon ausgegangen, dass die ankommenden Flüchtlinge mit vier Personen in einer Wohnung leben.

Die Verteilung auf die Stadt- und Kreisebenen hat man sowohl aus der Bevölkerungsprognose ermittelt als auch aus dem Wohnungsbedarf der Bevölkerung, die heute bereits in den Städten und Gemeinden lebt.

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