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Xavier Naidoo: „Es ist nicht meine Botschaft, es ist die Botschaft Gottes.“

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© Uwe Anspach (dpa)

Xavier Naidoo gilt zurecht als der einzige deutsche Soul-Sänger von Weltrang. Mit seinen gefühlvollen Balladen stürmt er regelmäßig die deutschen und internationalen Charts. Als Juror der Castingshow „The Voice of Germany“ begeisterte er ein Millionenpublikum und gab dem Sommermärchen der Fußball-WM 2006 mit „Dieser Weg“ eine Hymne.

Xavier Naidoo gilt zurecht als der einzige deutsche Soul-Sänger von Weltrang. Mit seinen gefühlvollen Balladen stürmt er regelmäßig die deutschen und internationalen Charts. Als Juror der Castingshow „The Voice of Germany“ begeisterte er ein Millionenpublikum und gab dem Sommermärchen der Fußball-WM 2006 mit „Dieser Weg“ eine Hymne.

Nicht von dieser Welt

Jetzt sorgt sein neuer Song „Marionetten“ für große Aufregung. Doch Naidoo sorgt seit Beginn seiner Karriere immer wieder für handfeste Skandale. In Interviews zweifelt er gerne mal an der rechtmäßigen Existenz der Bundesrepublik Deutschland und äußert seinen Glauben an die nahende Apokalypse. In seinen Songs teilt Naidoo regelmäßig gegen den Staat und seine Volksvertreter aus, oder hetzt gegen Homosexuelle.

Mit seinen verqueren Äußerungen eckt Naidoo immer öfter an: 2012 wurde er wegen Volksverhetzung angezeigt, weil er zusammen mit dem Rapper „Kool Savas“ einen Song veröffentlichte, in dem es unter anderem heißt: „Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten.“

Im November 2015 geriet Naidoo erneut in die Schlagzeilen, weil eine breite Öffentlichkeit gegen seine Nominierung für den „European Song Contest“ (ESC) protestierte. Der Hintergrund: Ein Jahr zuvor trat der streitbare Mannheimer am Tag der Deutschen Einheit in Berlin sowohl bei einer Mahnwache für den Frieden, als auch bei einer weiteren Veranstaltung, die der „Reichsbürgerbewegung“ zugerechnet wird, auf. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete er die offizielle Darstellung der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center als unwahr.

Weggefährten beschreiben Xavier Naidoo als umgänglichen Charakter und verteidigen ihn trotz seiner mitunter wirren Aussagen regelmäßig gegen Vorwürfe, dass er zunehmend zum rechtspopulistischen Verschwörungstheoretiker mutiere. Tatsächlich finden sich in der Vita des im Oktober 1971 als Sohn südafrikanischer Eltern irischer und indischer Abstammung geboren Sängers seit jeher etliche Kontroversen. So weigert sich der leidenschaftliche Porsche-Liebhaber, Autogramme zu geben, um nicht in Konkurrenz mit Gott zu treten. Und ganz aktuell hat ihn der Satiriker Jan Böhmermann mit der Parodie "Hurensöhne Mannheims" gehörig auf die Schippe genommen.

Problem mit dem Staat

In einem Interview mit dem „Musikexpress“ bezeichnete er sich 1999 als „Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe“. Im selben Interview behauptet der Sänger, dass er aus der Bibel den Untergang Amerikas „herauslesen“ könne und fügt hinzu: „Auch Frankfurt ist Babylon, Babylon ist überall“. In der Offenbarung des Johannes ist Babylon ein Synonym für eine gottesfeindliche Macht.

Gottgefällig, aber nicht gesetzestreu: Dieser Widerspruch begleitet Naidoos Karriere von Beginn an: Im Jahr 2000 wurde er zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 000 Mark verurteilt, weil bei einer Razzia in seiner Wohnung 50 Gramm Marihuana gefunden wurden und er mehrfach ohne Führerschein am Steuer erwischt wurde.

Auch aus seiner Abneigung gegen den deutschen Staat macht Xavier (zu deutsch: Erlöser) seit jeher keinen Hehl. 2002 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Rapper „Curse“ den Song „Wenn ich schon Kinder hätte“ (siehe nebenstehende Zitate). Bereits in diesem Lied prangert Naidoo staatliche Institutionen als manipulativ an und äußert seine Bereitschaft, auch mit Gewalt gegen den Staat vorzugehen. Fakt ist: Mit dem Aufkommen der Reichsbürgerbewegung und neurechten Gedankenguts hat Xavier Naidoos chronische Skepsis gegenüber der Staatsmacht und ihren Institutionen ein Forum gefunden, in dem seine kruden Gedanken auf äußerst fruchtbaren Boden fallen.

Auch das Vokabular des Mannheimer Sängers spitzt sich zusehends zu. Im Song „Marionetten“ seiner Band „Söhne Mannheims“ fallen Worte wie „Volksverräter“ und Anspielungen an Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling, die den Eliten mit der Mistgabel drohte. Alles nur Zufall, bewusste Provokation oder tatsächliche Anbiederung an rechte Stimmungsmacher?

Im Internet und auf der Facebook-Seite Naidoos gehen die Meinungen jedenfalls auseinander: Ein Nutzer schreibt: „Ich hoffe der Aluhut kamerad freut sich, das er endgültig die fanbase angezogen hat die er besingt. Und noch viel mehr hoffe ich das die Medien ihn endlich mal nicht mehr so hofieren (sic)“. Ein anderer Kommentator wendet ein: „Bei dem Lied Marionetten höre ich nur einen Zusammenschnitt alter Texte, wieso sind die Leute so empört und sagen Reichsbürgerton?“

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