Diesel am Pranger

Zehntausende Autofahrer sind in Frankfurt mit der falschen Plakette unterwegs

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Bei der Zukunft des Dieselmotors gehen die Meinungen der Experten auseinander. Der Frankfurter Entsorger FES hat sich schon entschieden: Er setzt künftig bei seinen Müllfahrzeugen auf „Elektro“.

Geht es jetzt den Diesel-Fahrern an den Kragen? Als erste Stadt in Deutschland will Stuttgart ab 2018 bei Feinstaubalarm Diesel aussperren. Und diese Maßnahme soll nicht nur alte Dieselfahrzeuge betreffen, sondern auch viele neuere Modelle. Im Klartext möchten die Stuttgarter dann alle Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 und schlechter bei Feinstaubalarm aus dem Verkehr ziehen.

In Frankfurt dürften Dieselfahrer vorerst ruhig schlafen, denn Feinstaubalarm sei in der Mainmetropole kein Thema, wie Janina Steinkrüger vom Frankfurter Umweltdezernat erklärt. Folglich gebe es auch keinen Grund, über Fahrverbote von Dieselfahrzeugen nachzudenken. Außerdem gebe es noch zu viele „juristische Unwägbarkeiten“, so Steinkrüger, um bestimmte Dieselfahrzeuge aus der Stadt auszugrenzen. Die Mitarbeiter des Frankfurter Verkehrsdezernats sind dafür verantwortlich, dass keine Fahrzeuge mit der falschen Plakette in der Innenstadt unterwegs sind. Henning Beppler, Sprecher des Verkehrsdezernats, kennt die Zahlen. So bewegten sich die geahndeten „Feinstaubplaketten“-Verstöße in den letzten Jahren zwischen 14 000 und 18 000. „Im vergangenen Jahr waren es genau 14 338 Verstöße“, rechnet Beppler vor. Das ist die offizielle Zahl. Es ist aber davon auszugehen, dass in solchen Fällen nicht jeder Verkehrssünder zur Rechenschaft gezogen werden kann. Es dürfte wohl eine erhebliche Dunkelziffer geben.

Sind die Strafen hoch genug? Die Ordnungswidrigkeiten kosten den Betroffenen zwischen 55 und 80 Euro. Letztere zahlen diejenigen, bei denen eine falsche Plakette an der Windschutzscheibe klebt. Die 55 Euro zahlt der, der zwar eine grüne Plakette vorweisen kann, diese aber nicht mit dem Nummerschild des Fahrzeugs übereinstimmt. Für dieses Vergehen gibt es keine Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei, so die Erfahrung von Beppler. Die Überprüfung der Plakette erfolge prinzipiell nur „auf Sicht“, berichtet der Dezernatssprecher. Genauere Überprüfungen seien für die Ordnungspolizisten schlicht zu aufwendig.

Um Emissionen, Lärm, Kraftstoff und die Kosten zu senken, geht jetzt der Frankfurter Entsorger FES neue Wege. Während eines Modellprojektes soll ein erdgas-elektrischer Motor der Firma Faun in den Müllautos zum Einsatz kommen. Die Hessen-Agentur will dieses 650 000-Euro-Projekt mit rund 400 000 Euro fördern, wie Agentur-Sprecher Ulrich Erven mitteilt. „Der Bau des Prototyps wird nach Eingang des Förderbescheids europaweit ausgeschrieben“, so FES-Sprecher Stefan Röttele. Dieser elektrische Antrieb sei dafür vorgesehen, den Müllwageneinsatz sehr effizient zu ermöglichen. „Er besteht aus einem Elektromotor für den Antrieb der Hinterachse, einem Energiespeicher für die beim Bremsen zurückgewonnene Energie und einem kleinen Verbrennungsmotor, der einen Generator antreibt. Dieser Generator ist erforderlich, weil sich nur ein Teil der Energie wiederverwerten lässt, der Rest muss erzeugt werden“, erläutert Faun-Entwickler Georg Sandkühler.

Unterdessen sind für Ferdinand Dudenhöffer die Tage des Diesels gezählt. Der Autoexperte geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren „weitere Stuttgarts“ geben werde. In Hessen könnten beispielsweise Darmstadt und Wiesbaden betroffen sein. Für Dudenhöffer gehört dem Elektroantrieb die Zukunft. Er geht davon aus, dass bis 2020 die Elektro-Autos deutlich an Reichweite gewinnen werden. Dudenhöffer rechnet dann mit Reichweiten von rund 500 Kilometer.

Holger Marschner, Professor für Fahrzeugtechnik an der FH Frankfurt, ist davon überzeugt, dass die Zeit des Diesels noch nicht abgelaufen ist. „Wenn wir den Dieselmotor abschaffen, müssen wir den Ottomotor verbessern“, sagt Marschner. Für den Maschinenbau-Ingenieur würden sich die beiden Motortypen künftig aber annähern. Die Entwicklung werde dahin gehen, dass die jeweils positiven Aspekte der beiden Motorvarianten genutzt würden. Nach seiner Einschätzung sorge aber jeder Antrieb für Emissionen. Auch der Elektromotor sei davor nicht gefeit. Prinzipiell hält Marschner den Einsatz eines Elektroantriebs in Nutzfahrzeugen für sinnvoll. In Sachen Emissionen regt der Autoexperte für Frankfurt an, auch zu untersuchen, welcher Schadstoffausstoß von Flugzeugen verursacht wird.

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