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Peter Beuth

„Zivilcourage fängt schon im Kleinen an“

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Eine Gesellschaft kann sich glücklich schätzen, wenn Bürger Zivilcourage beweisen. Immer wieder gibt es jedoch abschreckende Fälle, nämlich, wenn der Mut, für Schwächere einzutreten, tödliche Folgen hat.

Eine Gesellschaft kann sich glücklich schätzen, wenn Bürger Zivilcourage beweisen. Immer wieder gibt es jedoch abschreckende Fälle, nämlich, wenn der Mut, für Schwächere einzutreten, tödliche Folgen hat. Man denke nur an die Studentin Tugce. „Wir haben die schrecklichen Bilder im Kopf“, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU). „Aber jeden Tag gibt es im ganzen Land tausendfach Zivilcourage, die ein gutes Ende nimmt. Das dürfen wir nicht vergessen.“

Beuth sprach auf einer Veranstaltung der Montagsgesellschaft in der Sophienschule in Frankfurt. Mit auf dem Podium saß am Montagabend Sabrina Lehmann. Sie ist Vorstandsmitglied des Vereins „Fabian Salars Erben“. Salar schritt 2008 ein, als junge Männer in einer Diskothek in Bensheim ein Paar bedrängten. Die Männer lauerten Salar anschließend auf der Straße auf., schlugen ihn zusammen und ließen ihn liegen. Ein Auto überrollte Salar, er wurde 29 Jahre alt. Der Verein mit seinem Namen wirbt für Toleranz und Zivilcourage, zum Beispiel an Schulen.

„Viele Menschen verbinden Zivilcourage mit schrecklichen Todesfällen“, sagte Lehmann. „Aber Zivilcourage fängt schon im Kleinen an, wenn man zu Beispiel einem Kollegen zur Seite steht, der gemobbt wird.“ Beuth fügte hinzu: „Man muss kein Held sein.“ Wichtig sei es jedoch, etwas zu tun. Der Innenminister erinnerte an die Ratschläge der Polizei: „Bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr! Sprechen Sie aber andere Menschen direkt an und bitten um Mithilfe! Und vergessen Sie den Notruf nicht!“ Wichtig sei auch, nachher als Zeuge auszusagen. „Das ist leider nicht mehr selbstverständlich“, sagte Beuth.

Stefan Söhngen von der Montagsgesellschaft begrüßte auch die Motivationstrainerin Julia David. Sie betonte, wie wichtig Eltern sind, wenn es darum geht, dass sich bei Kindern Zivilcourage herausbildet. „Die Frage des Mutes ist eine Frage der Erziehung“, sagte sie. Hätten junge Menschen Erfolg mit couragiertem Handeln, wachse auch ihr Mut.

Wachsamkeit zeichnete die Mitarbeiterin eines Frankfurter Baumarktes aus, die Mitte März stutzig wurde, als ein Paar große Mengen Wasserstoffperoxid kaufte. Das Reinigungsmittel kann zum Bau einer Bombe verwendet werden. Die Frau verständigte die Polizei. Fahnder observierten die mutmaßlichen Islamisten und nahmen sie schließlich in Oberursel fest. „Das Ehepaar hat einen Anschlag geplant“, sagte Minister Beuth. Die Montagsgesellschaft spielte mit dem Gedanken, die Mitarbeiterin aus dem Baumarkt für die Diskussion in der Sophienschule zu gewinnen, schreckte aber zurück. „Haben wir das richtig gemacht?“, fragte Stefan Söhngen den Minister. „Ja, das war klug“, antwortete dieser. „Es wäre eine unnötige Gefährdung für sie gewesen. Aber wir können der Frau sehr dankbar sein.“

Was den Fall Tugce anbelangt, so äußerte eine Frau aus dem Publikum Kritik daran, dass die Stadt Offenbach zögert, eine Brücke nach der Studentin zu benennen. Dabei sei dies als Symbol wichtig. Sabrina Lehmann berichtete aus Bensheim, auch dort gebe es bislang kein Mahnmal für Salar. „Die Städte wollen sich nicht mit negativen Dingen auseinandersetzen“, sagte sie. „Deshalb wollen wir immer wieder die Stimme erheben.“

Beuth wollte sich zum konkreten Fall nicht äußern, sagte aber: „Wir brauchen Symbole, um darauf hinzuweisen, wenn jemand Außergewöhnliches geleistet hat.“

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