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Der 5G-Standard wird die Nutzungsmöglichkeiten für Mobilgeräte noch einmal verbessern.

5G-Lizenzen werden versteigert

4G ist immer noch nicht flächendeckend verfügbar

Wer aktuell Nachrichten hört, der staunt nicht schlecht. Immer wird über die Versteigerung der 5G-Lizenzen gesprochen, aktuell unter anderem, ob Huawei nun an der Versteigerung teilnehmen darf oder nicht.

Wer diese Nachrichten aber in einigen Teilen Deutschlands hört, der wird sich die tatsächlich relevante Frage stellen: Warum wird über diese Lizenzen gesprochen, wenn es etliche Gebiete gibt, in denen schon das bloße LTE reines Wunschdenken ist? Natürlich, die Großstädte sind ans LTE-Netz angeschlossen, auch einige ländliche Gebiete bieten LTE. Nur gibt es in Deutschland ausreichend weiße oder fast weiße Flecken, in denen es gar kein oder nur rudimentäres mobiles Internet gibt. Im Odenwald kann teils die freiwillige Feuerwehr nicht erreicht werden, da es kein Netz gibt. Dieser Artikel befasst sich mit der Problematik und verrät, ob 5G bald alles besser machen könnte.

Was hat es mit den 5G-Lizenzen auf sich?

Die fünfte Generation des Mobilfunks, also 5G, ist schneller als LTE, besitzt eine kürzere Latenzzeit und könnte eine Übertragung in nahezu Echtzeitgeschwindigkeit erreichen. Allerdings kann diese Generation nicht einfach eingeführt werden, da dazu ein infrastruktureller Ausbau notwendig ist. Es müssen also neue Masten errichtet werden, wobei diese wiederum an ein Glasfasernetz angeschlossen werden müssen. An dieser Stelle lässt sich schon ahnen, wo es die ersten Schwierigkeiten gibt. Denn der Glasfaserausbau ist bislang noch schlechter als der ländliche LTE-Ausbau. Grundsätzlich gibt es aus diversen Richtungen Wünsche und Meinungen:

  • Vorstellungen – einige Politiker wünschen sich den flächendeckenden Ausbau, damit Deutschland für die Zukunft gerüstet ist. Diese Vorstellung wird von etlichen Unternehmen und Fraktionen geteilt, denn um autonome Fahrzeuge zu nutzen, ist ein flächendeckendes schnelles Internet unverzichtbar. Doch auch die Landwirtschaft setzt verstärkt auf das mobile Internet: Erntemaschinen und etliche Anlagen sind dauerhaft online, viele Dokumentationen müssen bereits online erfolgen.
  • Gegenmeinung – andere Stimmen lassen verlauten, dass das flächendeckende 5G-Netz nicht nötig sei, da es zum Einen zu teuer wäre, zum Anderen aber "nicht auf jedem Bauernhof benötigt wird". Die Netzbetreiber schließen sich freilich dieser Auffassung an, was jedoch die Kosten in den Mittelpunkt stellt. Ein flächendeckender Ausbau wäre zu teuer.
  • Zuständiger Minister – Verkehrsminister Scheuer ist übrigens für einen flächendeckenden Ausbau und ermahnt die Kommunen jetzt schon, die notwendigen Anträge zu stellen.

Fakt ist, dass die Versteigerung der Lizenzen momentan noch in der Schwebe ist, da etliche Punkte nicht vollständig geklärt sind. Aktuell sieht es so aus, als würden die Lizenzen frühestens im Mai vergeben werden.

Was kann der 4G-Standard?

In großen Gebieten ist das 4G-Netz, besser bekannt als LTE, längst gängig. LTE ist jedoch nicht LTE, denn die Geschwindigkeit hängt von dem Frequenzbereich ab:

  • 800-MHz-Band - da die Bandbreite so gering ist, werden die Kanäle auf 50 Mbit/s begrenzt.
  • 1800/2600 MHz - hier liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 150 Mbit/s.

Es ist daher keine Einbildung, wenn die Internetgeschwindigkeit in der Stadt manchmal als schneller empfunden wird, als im ländlichen Raum, selbst wenn das Handy LTE anzeigt. Auf der anderen Seite zeigt sich bei 4G schon das Problem, das auch den Nachfolger treffen wird. Der Ausbau verläuft schleppend, so schleppend, dass viele ländliche Gebiete in Deutschland nur davon träumen können, LTE zu nutzen. Aber auch hier sind die Kosten der Grund, denn die Netzbetreiber halten die flächendeckende Versorgung für unrentabel und verweigern sich dem Aufstellen neuer Masten.

Für Smartphone- und Tabletnutzer kostet LTE übrigens kein Vermögen mehr. Denn während 5G nun schon als "Internet für Gutverdienende" bezeichnet wird, hat sich LTE mittlerweile so etabliert, dass es kaum einen Handyvertrag ohne das Highspeedinternet mehr gibt. Attraktive Allnet Flat Angebote mit LTE sind also sehr gut verfügbar. Ebenfalls steigt das verfügbare Datenvolumen immer mehr an, wodurch die lästigen Drosselungen später oder gar nicht eintreffen.

Wird sich der 5G-Standard schnell durchsetzen?

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona stellen die Markenhersteller gerade nicht nur faltbare Smartphones vor, es gibt auch eine weitere Neuerung. Die Vielzahl der Endgeräte ist bereits auf den 5G-Standard ausgelegt. Und was nutzt dies den Verbrauchern, wenn es das Netz noch gar nicht gibt? Sehr viel:

  • Druck – es sind die Hersteller der Smartphones und Tablets, die nun den größten Druck auf die Netzbetreiber ausüben könnten. Denn wenn die drei für die Vergabe infrage kommenden Betreiber, O2, Vodafone und Telekom, die 5G-fähigen Geräte verkaufen wollen, müssen sie eher früher denn später die Infrastruktur bereitstellen.
  • Industrie – umso mehr es in die Richtung der Industrie 4.0 geht, desto wichtiger wird das Internet. Auch hier dürften die Hersteller für eine Beschleunigung sorgen. Um autonom fahrende Elektroautos herzustellen, benötigt die Automobilindustrie schnelles Internet. Dass die Automobilindustrie einen großen Einfluss auf die Politik hat und somit den Druck ausüben kann, ist bekannt.
  • Städte voran – wahrscheinlich ist jedoch, dass der Netzausbau zuerst und auf längere Zeit nur die wichtigsten Standorte in Deutschland betreffen wird. Großstädte wie Frankfurt, wo das Börsenviertel auf das Internet für den Echtzeithandel angewiesen ist, werden ebenso bevorzugt wie Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Wolfsburg.

Wie schnell sich der Standard allgemein auch beim Verbraucher durchsetzen wird, hängt vermutlich auch von den Preisen ab. Da der Ausbau teuer ist, werden die Kosten indirekt dem Verbraucher auferlegt, wodurch die Handyverträge mit 5G teurer sein dürften. Trotz höherer Kosten müssten aber gerade Verbraucher von dem Mobilumstieg auf 5G profitieren, sogar, wenn sie es nicht nutzen. Die Masten müssen an ein Glasfasernetz angeschlossen sein. 

Letztendlich dürfte also das stationäre Internet ebenfalls verbessert werden. Und vielleicht erhalten somit auch ländliche Gegenden endlich die kompetente Anbindung an das WWW.

Fazit - die Hersteller sind bereit 

Die Hersteller der mobilen Endgeräte stehen schon in den Startlöchern und werden nun gezielt 5G-Geräte auf den Markt bringen. Wann in Deutschland jedoch der Startschuss für Versteigerung und damit für den Bau der Masten gegeben wird, ist aktuell noch ungewiss. Doch trotz aller Vorfreude über sagenhafte Geschwindigkeiten sollte nicht vergessen werden, dass die flächendeckende Internetverbindung hierzulande teils schlechter ist, als in den tiefsten Wäldern Schwedens.

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