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Hessischer Aktionsplan, Köhler-Transfer und Co.:

So behindertengerecht ist Hessen wirklich

Barrierefreiheit ist ein Thema, welches in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger wird. In diesem Zuge stellt sich die Frage, wie behindertengerecht das Bundesland Hessen zum Stand heute schon ist. Organisationen wie die Köhler-Transfer GmbH & Co. KG setzen sich beispielsweise für den Transport behinderter Menschen ein.

Der demografische Wandel ist in Deutschland ein brisantes Thema. Während es immer weniger Kinder und somit junge Menschen gibt, erreichen auf der anderen Seite immer mehr Bevölkerungsteile das Seniorenalter. Das stellt nicht nur für die Renten- und Krankenkassen ein Problem dar, sondern auch für die Infrastruktur. Während nämlich die Lebenserwartung stetig steigt, gibt es durch diese Veränderungen immer mehr Personen, welche auf einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe angewiesen sind. Zudem gibt es natürlich Menschen mit Behinderung, sei sie angeboren, krankheitsbedingt oder durch einen Unfall erworben, welche ebenfalls ein barrierefreies Umfeld benötigen. Das betrifft aber längst nicht nur ihr häusliches Umfeld. Damit sich alle Menschen gleichermaßen im öffentlichen Raum bewegen und ihren Alltag so selbstständig wie möglich bestreiten können, wird die Barrierefreiheit auch auf Straßen, in Parks, Supermärkten, Ämtern & Co immer wichtiger. Bund und Länder stehen damit vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur schnellstmöglich entsprechend umzurüsten und betroffene Menschen aktiv zu unterstützen. Und auch Organisationen wie Caritas oder Köhler-Transfer versuchen, Betroffenen mithilfe verschiedenster Dienstleistungen zu helfen.

Hessen im Fokus

Wie schnell diese Entwicklung voranschreitet, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Nachrüstungsbedarf gibt es aber in ganz Deutschland, wie ein Test von 90 Treppen auf ihre Barrierefreiheit beweisen konnte. Treppen sind aber nicht die einzigen Hürden, auf welche Menschen mit Behinderung im Alltag regelmäßig stoßen. Auch schmale Türen, Kopfsteinpflaster oder Stufen wie beispielsweise beim Einstieg in eine S-Bahn werden häufig zum Problem. Zwar gab es in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Maßnahmen mit positiven Effekten wie die Umrüstung der S- und U-Bahnen in vielen Städten auf einen behindertengerechten Zugang. Dennoch lässt die Barrierefreiheit in einigen öffentlichen Gebäuden nach wie vor zu wünschen übrig, obwohl diese eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Das betrifft auch das Bundesland Hessen. An dieser Stelle lohnt sich ein genauerer Blick, um die Frage zu beantworten, wie barrierefrei Hessen wirklich ist und welche Maßnahmen von Organisationen wie Caritas und Köhler-Transfer ergriffen werden.

Nicht einmal Ärzte sind für Behinderte zugänglich

Nicht nur bei Bahnen und Treppen, sondern auch bei Bussen oder öffentlichen Einrichtungen stoßen Menschen mit Rollstuhl in vielen Fällen noch in weiten Teilen von Hessen auf Hürden. Es gibt aber noch ein größeres Problem: Auch bei Ärzten gibt es entsprechende Hindernisse, sodass die Behinderten sogar bei ihrer medizinischen Versorgung Herausforderungen zu stemmen haben. Von Gleichberechtigung ist Hessen vielerorts noch weit entfernt. Dabei könnten zahlreiche Betroffene ihren Alltag in deutlich größerem Ausmaß selbst stemmen und somit auch Kosten für Pflegepersonal einsparen, wenn Hessen flächendeckend behindertengerecht wäre. So sind Gleichberechtigung und die selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben seit dem Jahr 2006 laut UN-Behindertenrechtskonvention zwar ein verankertes Menschenrecht, doch die Realität hat mit dieser Theorie bislang nur wenig zu tun. Verbesserungen konnten seither zwar beobachtet werden, auch – aber nicht nur – in Hessen. Dennoch reichen die bisherigen Maßnahmen längst nicht aus.

Köhler-Transfer und Co.: Soziales Engagement von Organisationen

In Frankfurt bilden sich immer mehr Organisationen heraus, die Menschen mit Behinderung unterstützen möchten. Egal, ob Wohnheime für behinderte Menschen, spezielle Förderschulen für Menschen mit geistiger Behinderung, oder Freizeitangebote, das Engagement von Organisationen ist groß. So hat die Köhler-Transfer GmbH vergangenes Jahr beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Gemeindediakonie Mannheim in monatelanger Handarbeit einen schönen und vielseitigen Schreibtisch-Butler aus Douglasie angefertigt und Menschen mit Behinderung von Sommer bis zum Jahresende Arbeitsplätze beschafft. Auch, was die bereits angesprochene Barrierefreiheit und den Zugang zu bestimmten Einrichtungen betrifft, hat Köhler-Transfer es sich zur Aufgabe gemacht, zu helfen: So besteht die Haupttätigkeit darin, Menschen mit Behinderung zu befördern und zu den unterschiedlichen Einrichtungen zu bringen – etwa von den Wohnorten zur KiTa, Schule, Werkstatt oder Tagesförderstätten. Das erleichtert die Barrierefreiheit für die Betroffenen.

Der Hessische Aktionsplan zur UN-Behindertenrechtskonvention

Untätig ist die Landesregierung von Hessen nach der UN-Behindertenrechtskonvention allerdings nicht geblieben. Bis zum Jahr 2011 wurden Stellungnahmen von mehr als 50 Verbänden sowie Interessenvertretungen eingeholt und ausgewertet. Deren Ergebnisse wurden in einem Aktionsplan verarbeitet, welcher am 17. August 2012 offiziell veröffentlicht wurde. Als grundsätzliche Ziele werden darin Änderungen in den Umwelt- und Lebensbedingungen für Behinderte genannt, sodass diese am Leben in der Gesellschaft teilhaben können. Das gilt sowohl für Menschen im Rollstuhl oder mit einer Gehhilfe, als auch für Beeinträchtigungen wie eine Blindheit. Dennoch wird ausdrücklich gewarnt, dass dieser Aktionsplan keinen Ersatz für Gesetze, Verordnungen und Richtlinien darstellt, welche die Barrierefreiheit auf Landes- sowie Bundesebene verankern. Unterteilt wurde der Aktionsplan in vier primäre Handlungsfelder: Bildung, Bewusstseinsbildung, Zugänglichkeit und Barrierefreiheit sowie Arbeit und Beschäftigung. Der Aktionsplan soll der Hessischen Landesregierung fortan als Richtschnur für ihre Politik dienen.

Erste Erfolge machen sich bemerkbar

Auch, wenn der Optimalfall gemäß UN-Behindertenrechtskonvention also noch weit entfernt scheint, befindet sich Hessen auf dem richtigen Weg und konnte seit der Veröffentlichung des Aktionsplans einige Erfolge verzeichnen. Dazu gehört die Umrüstung von Treppen, der Umbau von Passagen mit Kopfsteinpflaster oder die Zertifizierung von Diensten zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung. Während bestehende Hürden oft noch nicht umgerüstet wurden, wird zumindest bei neuen Projekten wie Gebäuden, Straßen oder Plätzen mittlerweile deutlich mehr auf die Barrierefreiheit geachtet. Eine behindertengerechte Umrüstung fand zudem an vielen Orten statt, welche als essenziell für einen hindernisfreien Alltag der Behinderten gelten. So wurden beispielsweise in Kassel sowie Frankfurt die Straßenbahnen barrierefrei umgestaltet. Ebenso fast alle Haltestellen in Darmstadt.

Gießen hat großen Nachholbedarf

Doch während vor allem die Großstädte als gutes Vorbild fungieren, haben viele andere Gemeinden noch Nachholbedarf im Sinne der Barrierefreiheit. So wird in Gießen immer wieder bemängelt, dass das Blindenleitsystem fehlerhaft sei und die Betroffenen somit in Sackgassen oder falsche Richtungen führe. Dass ein Blindenleitsystem aber nicht nur existieren, sondern auch zuverlässig sein muss, liegt auf der Hand. Aber auch diesbezüglich konnten in den vergangenen Jahren erste Verbesserungen erkennbar werden. Gießen installierte zudem elektronische Anzeigetafeln an Bushaltestellen und ein speziell ins Leben gerufener Behindertenbeirat unterstützt die Stadt mittlerweile bei ihrer Arbeit im Bereich der Barrierefreiheit.

Alles in allem ist Hessen also noch weit von der flächendeckenden Barrierefreiheit entfernt. Dennoch lassen sich viele kleine Schritte in die richtige Richtung beobachte, vor allem – aber längst nicht nur – in den Großstädten, in denen Organisationen wie Köhler-Transfer sich für Menschen mit Behinderung einsetzen. Mit dem Bewusstsein steigt zunehmend auch die Bereitschaft, sämtliche Projekte behindertengerecht zu gestalten und so dürften sich in den kommenden Jahren viele Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen ergeben. Bis die vollständige Umrüstung auf Barrierefreiheit abgeschlossen ist, wird es aber voraussichtlich noch viele Jahre dauern. Damit steht Hessen im bundesweiten Vergleich jedoch keinesfalls alleine da.

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