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Klassisches Sparen auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto lohnt sich heute nur noch in Ausnahmefällen. Häufig frisst die Inflation die Rendite komplett auf.

90 Mrd. Euro Kaufkraftverlust für Zinssparer seit 2011

Sparen hat in Deutschland seit jeher einen hohen Stellenwert. Die Deutschen gelt als ein Volk der Sparer, die einen Großteil ihrer Geldanlagen in Tagesgeld, Festgeld oder Sparebücher investieren.

Das Anlegerverhalten ändert sich hierzulande angesichts der mickrigen Zinsen trotzdem nur langsam. Viele Anleger scheuen nach wie vor das Risiko, welches von vermeintlich spekulativeren Geldanlagen wie Aktien, Fonds oder Anleihen ausgeht. Doch leider hat dieser Renditeverzicht nicht nur zur Folge, dass die Sparer geringere Zuwächse bei ihren Sparguthaben verzeichnen. In Wahrheit sparen sie sich arm.

Die Inflation frisst die Zinsgewinne auf

Was Sparer mitunter außer Acht lassen, ist der große Gegenspieler zu jeder Rendite: die Inflation. Durch die Preissteigerungsrate können wir uns von unserem Geld immer weniger kaufen. Wer das eigene Geld also zu Hause ins Kopfkissen steckt, kann sich nach 30 Jahren nur noch etwas mehr als halb so viel davon kaufen. Bei einer Geldanlage kommt es also ebenfalls entscheidend darauf an, in welchem Verhältnis die jeweilige Inflationsrate und die erwirtschaftete Rendite sich bewegen.

Anleger sparen sich arm

Seit 2011 befindet sich Europa in einem Zinstief. Die EZB hat die Leitzinsen so stark abgesenkt, dass sich Banken heute zum Nulltarif Geld von der Zentralbank leihen. Dementsprechend gering ist das Interesse am Geld von Privatanlegern, die deshalb auch nur sehr niedrige Zinsen erhalten. Liegen die Zinsen für Geldanlagen jedoch unterhalb der Inflationsrate, verlieren Anleger real betrachtet Kaufkraft und damit Geld.

Dieser Effekt war in den Jahren seit 2011 besonders ausgeprägt, wie das Anlegerportal tagesgeldvergleich.net berichtet. Demnach mussten die Anleger seit 2011 fast jedes Jahr draufzahlen und haben seit 2011 insgesamt 90 Milliarden Euro an Kaufkraft verloren. Lediglich 2015 gab es aufgrund der sehr niedrigen Inflationsrate ein kleines Plus zu verzeichnen. Dies zeigt sehr eindringlich, dass Zinseinlagen aktuell keine geeignete Möglichkeit darstellen, um ein Vermögen aufzubauen.

Welche Alternativen bleiben Anlegern?

Wer mit seinem Geld also eine reale Rendite erzielen möchte, muss sich nach Alternativen umschauen. Gerade in langfristiger Betrachtung lassen sich zudem auch zahlreiche Risiken eliminieren.

Denkbare Alternativen im Überblick:

1. ETFs als relativ sichere Alternative

Wer auf Exchange traded funds (ETF) setzt, konnte in den letzten Jahren durch attraktive Renditen erzielen. Besonders interessant sind dabei sogenannte Indexfonds, die die Wertentwicklung eines bestimmten Aktienindexes nachbilden. Aktienindizes sind nämlich deutlich geringeren Schwankungen unterworfen als eine einzelne Aktie. Dies macht sie zumindest innerhalb eines gewissen Rahmens kontrollierbarer. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand:

  • Geringeres Risiko als bei einzelnen Aktien
  • Niedrige Gebühren wegen reiner Abbildung von Indizes
  • So gut wie kein benötigtes Finanzwissen (einfache Geldanlage)
Wenn jemand in ETFs investiert, sollte er sich den jeweiligen Fonds jedoch trotzdem genau anschauen. So existieren verschiedene Arten der Konstruktion. Während physisch replizierende ETFs tatsächlich alle Wertpapiere des jeweiligen Indexes halten, sieht dies bei SWAP-Konstruktionen anders aus. Diese funktionieren über Tauschgeschäfte und bilden somit lediglich die Wertentwicklung des Indexes ab. Diese Variante bringt niedrigere Gebühren mit sich, jedoch müssen Anleger dafür das Swap-Risiko in Kauf nehmen. Da das Swap-Risiko jedoch gesetzlich auf 10% und in der Praxis sogar noch weiter begrenzt wird, können Anleger hier im Normalfall ruhig schlafen.

2. Aktienhandel als arbeitsintensive Alternative

Wer selbst aktiv in den Aktienhandel einsteigen möchte, kann unter gewissen Umständen den Markt schlagen, anstatt diesen nur abzubilden. Dies ist jedoch nur mit entsprechendem Vorwissen oder einer eingehenden Beschäftigung mit den Mechanismen an der Börse möglich. Stichworte wie Fundamentalanalyse und Chartanalyse sollten keine Fremdwörter für den Anleger sein und eine entsprechende Aktienstrategie ist ebenfalls sehr wichtig. Ist ein Anleger bereit, mehr Zeit in seine Geldanlage zu investieren, können direkte Aktieninvestments durchaus vorteilhaft sein.

3. Immobilien als beliebte Möglichkeit

Eine weitere Möglichkeit für Anleger stellen natürlich Immobilien dar. Der große Nachteil liegt hier in der Tatsache, dass im Regelfall zunächst eine größere Summe Kapital benötigt wird, um selbst eine Immobilie zu erwerben. Selbst für eine entsprechende Finanzierung benötigen Interessenten nicht selten 20-30% Eigenkapital. Ist dieses vorhanden, könnte ein Immobilienerwerb nach reiflicher Prüfung des Objekts durchaus eine interessante Option sein. In 1A-Lagen machen jedoch meistens die aktuell sehr hohen Preise den Anlegern einen Strich durch die Rechnung. Wer kleinere Summen investieren möchte, kann natürlich auch auf Immobilienfonds oder Crowdinvesting setzen. Hier sollten die Anbieter jedoch trotzdem genau geprüft werden, da gerade das Crowdinvesting spezielle Risiken nach sich zieht.

Neben den oben beschriebenen Anlagemöglichkeiten bietet der Markt natürlich noch viele weitere Instrumente zur Kapitalvermehrung. Von hochspekulativen Anlegeformen wie CFD-Trades und FOREX-Handel über festverzinsliche Wertpapiere bis zu P2P-Krediten ist das Feld sehr groß. Hier muss jeder für sich die Alternativen finden, die zu ihm passen und mit denen er letztendlich gut klarkommt.

Zinssparen lohnt sich aktuell nicht

Gute Renditen sind beim Zinssparen kaum möglich. Wer auf Tagesgeld, Festgeld oder Sparbücher setzt, muss sich schon die besten Anbieter heraussuchen, um am Ende überhaupt nennenswerte Zinssätze zu erhalten. In den meisten Fällen frisst jedoch die Inflationsrate den Zugewinn komplett und Anleger verlieren auch noch an Kaufkraft. Dies hat fatale Folgen für die private Altersvorsorge und den privaten Vermögensaufbau. Wer sich nicht arm sparen möchte, muss deshalb nach Alternativen Ausschau halten. Diese bringen mitunter höhere Risiken mit sich, jedoch lässt sich mit einer schlauen Anlagestrategie am Ende deutlich mehr herausbekommen. Der Finanzmarkt hält viele spannende Anlageprodukte bereit, so dass jeder für sich eine passende Geldanlage finden kann.

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