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Kryptomarkt

Bitcoin erholt sich – aber bleibt es so?

Keine andere Währung hat eine vergleichbare Achterbahnfahrt hinter sich wie Bitcoin, die mit rund zehn Jahren älteste Kryptowährung der Welt.

Zurzeit ist ein Bitcoin für rund 5107 US-Dollar zu kaufen. Das ist der höchste Stand seit fünf Monaten und mehr als zehn Mal so viel wie noch im November 2015, als sich der Wert binnen sechs Wochen auf 480 Dollar verdoppelt hatte. Der Schub kam damals wie heute durch Investitionen aus dem Ausland. Vor allem in China ist Bitcoin gefragt, aber auch russische Anleger setzen auf virtuelle Währungen, die unter anderem durch ihre Dezentralisierung und Unabhängigkeit von Regierungen attraktiv wird.

Die Idee eines elektronischen Zahlungssystems, das auf einem kryptografischen Beweis basiert und es zwei Personen ermöglicht, ohne einen Mittelsmann wie eine Bank oder einen Broker miteinander zu handeln, wurde erstmals 2008 in einem Weißbuch veröffentlicht. Die aus der Idee resultierende Währung namens Bitcoin wird dezentral in einem Rechnersystem geschaffen, beziehungsweise geschürft. Über jeden einzelnen Bitcoin und jede damit verbundene Transaktion wird in der dadurch entstehenden Blockchain wie in einem virtuellen Kontobuch Rechnung geführt. Zahlungen werden an pseudonyme Adressen geleitet, die die Software für jeden Teilnehmer auf Wunsch immer wieder neu erzeugen kann, so dass die Handelspartner nicht identifiziert werden können. Aus Sicherheitsgründen gibt es auch analoge Offlinevarianten für die Verwaltung von Bitcoins durch kryptografische Schlüssel auf Papier. Die Gesamtmenge von Bitcoins ist im Gegensatz zu einigen anderen Kryptowährungen, nicht endlos, sondern strikt begrenzt. 21 Millionen Einheiten ist die Obergrenze.

2009 wurden die ersten Bitcoins geschürft, aber einen Handelswert gab es erst 2011. Der Wert wurde anhand der Produktionskosten für das Schürfen am Computer berechnet und lag bei 0,08 US-Cent.

Hilfestellung erhielt die neue Währung aufgrund der verschiedenen weltweiten Bankenkrisen. Eine von der Politik unbeeinflusste Zahlungsform erschien vielen Anlegern als eine gute Möglichkeit, sich von den Dauerbrennpunkten auf den Märkten los zu lösen. Das Ergebnis war ein rasanter Kursanstieg bis auf fast 17.000 US-Dollar pro Bitcoin Mitte Dezember 2017. Doch nach dem Aufstieg kam alsbald der Fall bis auf rund 4000 Dollar.

Für Anleger bleiben die virtuellen Währungen nicht nur aufgrund ihrer Unabhängigkeit von Zollkriegen mit den USA und Brexit-Theater weiter interessant. Häufig folgen auf Anstiege bei Bitcoin und Co. auch Zuwächse bei den Börsenindizes.

Der Internationale Währungsfond und die Weltbank erforschen inzwischen genau wie die meisten Landesbanken, wie die Technologie der Blockchains konkret funktioniert und welche Auswirkungen sie hat. IMF und Weltbank haben dafür eine Quasi-Währung namens „Learning Coin“ entwickelt, die allerdings nur zu Lernzwecken dient und daher nicht auf den echten Markt kommt. Dabei geht es auch um die Fortschritte (oder deren Mangel) in Richtung bargeldlose Gesellschaft.

Vor allem in China wird immer weniger Bargeld verwendet. In Europa hingegen ist das Bild sehr gemischt. Die Nachfrage nach hohen Banknoten ist weltweit gestiegen, aber gleichzeitig werden fast überall immer mehr Transaktionen per Karte durchgeführt. Das deutet an, dass die großen Banknoten eher als Geldanlage denn als Zahlungsmittel genutzt werden.

Eine Ausnahme sind die Deutschen. Hier gilt immer noch das Motto, „Nur Bares ist Wahres“, und Beträge unter 50 Euro werden zumeist in Scheinen und Münzen beglichen. 74 Prozent aller Einkäufe wurden 2017 in der Bundesrepublik bar bezahlt.

Im krassen Gegensatz dazu steht Schweden. Die Bargeldzirkulation beträgt dort nur noch zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und immer weniger Händler akzeptieren Barzahlungen. Bis 2025 soll Schätzungen zufolge in jedem zweiten schwedischen Geschäft kein Bargeld mehr vorhanden sein, obwohl einige Politiker dem inzwischen gegensteuern wollen.

In etlichen Ländern werden außer Kredit- und Debitkarten, Paypal und Apple Pay auch Kryptowährungen von einigen Händlern akzeptiert. Allerdings fallen dafür häufig erkleckliche Gebühren an, und die täglich schwankenden Wechselkurse machen es erforderlich, auch diese in die Berechnungen mit einzuziehen. Zwar wird aller Wahrscheinlichkeit nach Bitcoin weiterhin eine gute Anlage bleiben, aber als Zahlungsmittel im Alltag sind die herkömmlichen Währungen die günstigere Lösung.

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