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Arm oder reich? Mit welchem Vermögen man zur Mitte gehört

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Von: Dieter Tannert

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Es ist immer gut, für schlechte Zeiten etwas auf der hohen Kante zu haben. Doch wie viel haben die Deutschen angesammelt?

Während die statistische Verteilung des Einkommens in Deutschland relativ einfach zu ermitteln ist, ist es erheblich schwieriger, einen Überblick darüber zu erhalten, wer in Deutschland über wie viel Vermögen verfügt. Das liegt insbesondere daran, dass in Deutschland im Unterschied zum Einkommen das Vermögen nicht für die Berechnung von Beiträgen herangezogen wird. Der Beitrag zur Sozialversicherung oder die Höhe der Steuern hängen beispielsweise vom Einkommen und nicht vom Vermögen ab. Bei Unternehmensgewinnen wird zwar eine Bilanz erstellt, doch bilden die dort enthaltenen Werte historische Anschaffungskosten ab, die nicht höher neu bewertet werden dürfen. Auch eine Vermögenssteuer wird in Deutschland nicht erhoben, aber nicht, weil sie verfassungswidrig wäre, sondern weil die anzulegenden Bewertungsmaßstäbe für alle Formen von Vermögen schwierig zu erfassen sind.

Euroscheine
Die untere Hälfte sammelt besonders Geldvermögen an. (Symbolbild) © Patrick Pleul/imago

Wer ermittelt Vermögen und was zählt zum Vermögen?

Um einen brauchbaren Überblick zu erhalten, führt die Deutsche Bundesbank deshalb alle drei Jahre Haushaltsbefragungen als Stichprobe durch. Dabei werden Angaben zum Sach- und Finanzvermögen abgefragt sowie Angaben zu Verbindlichkeiten. Zieht man vom Vermögen die Verbindlichkeiten ab, erhält man das sogenannte Nettovermögen. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, aber beispielsweise auch Fahrzeuge oder Schmuck. Zum Finanzvermögen zählt alles, was man klassischerweise hierzu rechnen würde, also zum Beispiel Guthaben bei Banken, Aktien oder Investmentanteile, aber auch der Wert der Lebensversicherung. Als Verbindlichkeiten schließlich werden alle Schulden gerechnet.

Wie wird die Mitte beim Vermögen ermittelt?

In der Statistik gibt es zwei geeignete Methoden, eine Mitte zu errechnen. Zum einen gibt es den Durchschnittswert. Dieser kann aber bei stark unterschiedlichen Einzelwerten zu ungenauen Ergebnissen führen. Nimmt man einmal an, dass neun Personen über ein Vermögen von 1.000 Euro verfügen und der zehnte über 100.000 Euro, so ergäbe dies einen Durchschnittswert von 10.900 Euro für jeden. Dieses Ergebnis hat aber keine Aussagekraft. Deswegen greift man in diesem Fall häufig auf den Medianwert zurück. Würde man alle Personen in der Reihenfolge ihres Vermögens aufstellen lassen, vom niedrigsten bis zum höchsten Wert, ist der Medianwert das Vermögen der Person, die in der Mitte steht.

Welches Vermögen hat man in der Mitte?

Die Erhebungen der Deutschen Bundesbank sind natürlich immer nur vergangenheitsbezogen. Die letzten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2017 weisen ein Durchschnittsvermögen in Deutschland von 262.500 Euro aus und ein Median-Vermögen von 70.800 Euro. Diese Zahlen bestätigen, dass der Median der geeignetere Maßstab für die Ermittlung der Mitte beim Vermögen ist. Schließlich gibt es in Deutschland auch eine erkleckliche Anzahl an Milliardären, die den Durchschnitt stark verzerren können.

Mit Immobilien gehört man zu den wohlhabenderen Menschen 

Was die Erhebungen der Deutschen Bundesbank aber deutlich aufzeigen konnten, war, dass Immobilieneigentümer zu den wohlhabenderen Menschen gehörten. Daran dürfte sich auch in den letzten Jahren nicht viel geändert haben, da die Immobilienpreise in den vergangenen 10 Jahren nur eine deutliche Richtung kannten: nach oben. Und wer beispielsweise im Großraum München eine Immobilie sein Eigen nennen durfte, der konnte davon ausgehen, dass er sich mit seinem Vermögen sicher oberhalb der Mitte in Deutschland befand.  

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