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Die Strompreise werden teurer und damit auch jede Umdrehung des altbekannten Drehstromzählers.

Stromkosten

Müssen die Frankfurter mehr für den Strom bezahlen?

Im vergangenen Jahr wurde angekündigt, dass die Strompreise sich deutschlandweit erhöhen würden, doch hat die Preiserhöhung auch schon Frankfurt erreicht?

Bis zum 20. November 2018 hatten die Stromanbieter Zeit, potentielle Preiserhöhungen anzugeben und viele Unternehmen nutzten dies, um ihr Angebot auf bundesweiter Ebene um vier bis fünf Prozent zu erhöhen. Insgesamt 218 Stromversorger erhöhten für das Jahr 2019 ihre Strompreise. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden 55 Euro mehr für den Strom ausgeben muss.

Den Grund für den Preisanstieg begründen die Stromanbieter mit gestiegenen Einkaufspreisen. Besonders in Baden-Württemberg und Hessen sind die Preise im bundesweiten Durchschnitt am meisten gestiegen, aber auch hier gibt es regionale Unterschiede. Während die Frankfurter eine Strompreiserhöhung von vier Prozent in Kauf nehmen mussten, waren es für einen Großteil der Bewohner des Landkreises Gießen bis zu neun Prozent.

Ist die Strompreiserhöhung berechtigt?

Die Stromversorger geben als Grund für die Erhöhung der Strompreise an, dass die Beschaffungskosten gestiegen seien und werden vom Branchenverband BdEW unterstützt. Laut BdEW sind die Beschaffungskosten seit 2016 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Zusätzlich stiegen in den letzten Jahren auch die Preise für CO2-Zertifikate an, welche besonders den Strom aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken teurer machen.

Es ist fraglich, ob der Anstieg der Beschaffungskosten eine derartige Erhöhung der Stromkosten rechtfertigt. Denn gerade einmal 22 Prozent der Stromkosten gründen auf den Beschaffungskosten. Die restlichen Kosten beruhen auf Umlagen, Abgaben, Steuern und Netzentgelten.

Verbraucherschützer kritisieren die Erhöhung der Strompreise und bemängeln, dass zwar erhöhte Beschaffungs- und Börsenpreise schnell auf den Verbraucher abgewälzt werden, diese aber selten oder zu langsam von sinkenden Marktpreisen profitieren.

„Als vor einigen Jahren die Börsenpreise gesunken sind, haben die Versorger auf ihre langfristigen Verträge verwiesen und die Einsparungen nicht an ihre Kunden weitergegeben“, sagte der Energieexperte Udo Sieverding der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Was kann man als Verbraucher tun?

Es ist das Beste, sich als Verbraucher nach einem neuen Stromanbieter auf einem Stromvergleichsportal wie stromvergleich.de umzuschauen. Denn unabhängig von der Strompreiserhöhung in diesem Jahr sind der größte Kostenfaktor beim Strom veraltete Verträge. Laut Bundesnetzagentur werden noch 28 Prozent aller deutschen Haushalte über die Grundversorgung mit Strom beliefert, die in den meisten Fällen teurer ist als die Angebote privater Stromanbieter.

Doch auch beim Abschluss eines neuen Vertrages sollte man Vorsicht walten lassen. Neue Verträge sollten eine Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr nicht überschreiten. Außerdem locken viele Anbieter mit Sonderpreisen für das erste Vertragsjahr, die sich jedoch signifikant erhöhen, sobald dieses abgelaufen ist.

Hat jedes Unternehmen die Preise erhöht?

Nicht jeder Stromanbieter hat seine Preise erhöht und auch große Unternehmen wie Eon und Innogy ließen ihre Strompreise stabil. Jedoch sagten die Spreche der Konzerne, dass sie die Entwicklung der Strompreise noch abwarten würden.

So ist es auch, dass die Strompreise nicht gleich in allen Bundesländern und bei allen Anbietern gestiegen sind:

Bundesland

Stromanbieter, die ihren Preis erhöht haben

Anzahl aller Stromanbieter

Durchschnittliche Erhöhung des Strompreises

Bayern

60

238

4,7 Prozent

Baden-Württemberg

40

120

3,9 Prozent

Berlin

Keine Angaben

Keine Angaben

Keine Angaben

Brandenburg

5

27

3 Prozent

Bremen

Keine Angaben

Keine Angaben

Keine Angaben

Hamburg

Keine Angaben

Keine Angaben

Keine Angaben

Hessen

16

52

4,6 Prozent

Mecklenburg-Vorpommern

9

21

7,7 Prozent

Niedersachen

20

66

5,4 Prozent

Nordrhein-Westfalen

28

110

4,2 Prozent

Rheinland-Pfalz

7

58

4,9 Prozent

Saarland

2

18

2,4 Prozent

Sachsen

3

29

7 Prozent

Sachsen-Anhalt

10

40

2,3 Prozent

Schleswig-Holstein

18

43

5,9 Prozent

Thüringen

6

34

5,4 Prozent

Tabelle: Erhöhung der Strompreise durch Stromanbieter nach Bundesländern

Am meisten muss übrigens in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein für den Strom gezahlt werden. Hier muss ein Drei- bis Vier-Personen-Haushalt durchschnittlich 1.150 Euro pro Jahr für den Strom ausgeben. Am günstigsten kommen die Bremer bei dem Strompreisvergleich weg. Hier zahlt ein Drei- bis Vier-Personen-Haushalt im Schnitt 1.012 Euro pro Jahr für seinen Strom. Die Frankfurter liegen mit einer durchschnittlichen Ausgabe von 1.090 Euro trotz der erhöhten Strompreise im Mittel der bundesweiten Stromausgaben.

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