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Laut BGH haftet ein Ticketanbieter üblicherweise nicht für die Durchführung der Veranstaltung - er hat seinen Teil des Vertrags erfüllt, sobald er die Eintrittskarten ausgehändigt hat.

BGH

Ticketportal haftet nicht für Konzert-Ausfall wegen Corona

Wegen Corona fielen in den vergangenen Jahren zahlreiche Veranstaltungen ins Wasser. Statt Geld zurück gab es vom Ticketanbieter oft nur einen Gutschein. Müssen sich Betroffene damit zufrieden geben?

Karlsruhe - Ticketkäufer, deren Veranstaltung in der Corona-Pandemie ausfallen musste, können ihr Geld nicht von Internetportalen wie Eventim zurückfordern. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von Mitte Juli hervor, das nun mit schriftlicher Begründung veröffentlicht wurde. Ansprüche gibt es demnach nur gegen den Veranstalter. (Az. VIII ZR 329/21)

Die Klägerin hatte Ende 2019 für etwas mehr als 300 Euro fünf Konzertkarten gekauft. Das Konzert sollte am 21. März 2020 in Berlin stattfinden, musste wegen Corona aber abgesagt werden. Einen Wertgutschein des Veranstalters lehnte die Frau ab. Sie forderte das Geld von CTS Eventim zurück und zog schließlich vor Gericht.

Dafür gibt es aber keine rechtliche Grundlage, wie jetzt in letzter Instanz der BGH entschied. Ein Ticketanbieter haftet demnach üblicherweise nicht für die Durchführung der Veranstaltung - er hat seinen Teil des Vertrags erfüllt, sobald er dem Käufer oder der Käuferin die Eintrittskarten aushändigt. Auf alles Weitere habe er keinen Einfluss - und das sei „einem verständigen durchschnittlichen Erwerber“ auch bekannt, so die Richter. Es könne auch niemand erwarten, sich bei einer Absage nur mit der Vorverkaufsstelle und nicht mit dem Veranstalter auseinandersetzen zu müssen.

In diesem Fall hatte CTS Eventim sogar die Abwicklung übernommen und den Betroffenen Gutscheine angeboten. Dieses Instrument hatte der Gesetzgeber extra geschaffen, um die Veranstalter in der Pandemie vor massenhaften Rückforderungen zu bewahren. Wer seinen Gutschein bis Ende 2021 nicht eingelöst hat, kann die Auszahlung verlangen.

Die Frau hatte sich darauf nicht einlassen wollen. Nach Ansicht der Richterinnen und Richter wäre das aber zumutbar gewesen: Der Wert müsse laut Gesetz auch Vorverkaufsgebühren umfassen. Die Klägerin habe also die Möglichkeit ausgeschlagen, „im Ergebnis vollständig - wenn auch vorübergehend nur in Form eines Wertgutscheins - für den Ausfall der Veranstaltung entschädigt zu werden“. dpa

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