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Weniger Datenklau am Geldautomaten

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Geldautomat
„Skimming“- Technik: Kriminelle montieren Vorsatzgeräte (o) an den Kartenschlitz des Geldautomaten, um die Kartendaten auszulesen. © Thomas Frey/dpa/Archivbild

Kriminelle können mit Daten von Bankkunden, die sie an Geldautomaten in Deutschland ausspähen, immer weniger anfangen. Moderne Technik bremst „Skimming“ aus. Weitaus größere Schäden richten inzwischen andere Methoden an.

Frankfurt/Main - Weniger Fälle, weniger Schaden: Der Datenklauan Geldautomaten in Deutschland wird immer mehr zum Auslaufmodell.Von Januar bis einschließlich November des laufenden Jahres summiertesich der Bruttoschaden infolge des Ausspähens von Kartendaten undGeheimnummer (PIN) auf gerade noch 330.000 Euro, wie die FrankfurterEinrichtung Euro Kartensysteme auf Anfrage mitteilte.

In den ersten elf Monaten 2020 hatte der Schaden infolge solcher„Skimming“-Fälle bei etwas mehr als einer Million Euro gelegen, imGesamtjahr 2020 waren es rund 1,06 Millionen Euro. Der englischeBegriff „Skimming“ bedeutet „abschöpfen“ oder „absahnen“.

Die Schadenssumme sinkt seit Jahren: 2019 hatten sich die Schädeninfolge des Ausspähens von Daten von Bankkunden in Deutschland nochauf etwas mehr als 1,4 Millionen Euro belaufen. Im Jahr 2013 waren es11,3 Millionen Euro, 2012 und 2011 sogar jeweils 34 Millionen Euro.

Verdrängt Sicherheit den Trend?

Den rückläufigen Trend erklärt die Finanzbranche vor allem damit,dass massiv in Sicherheit investiert wurden. So setzt Deutschlandseit Jahren auf die EMV-Technik. Dabei sind Bezahlkarten mit einerArt Mini-Computer ausgestattet, die Karte wird bei jedem Gebrauch aufEchtheit geprüft.

Weltweit gibt es nur noch wenige Länder, in denen Bezahlkarten mitrelativ leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerüstet und Lesegeräteim Handel auf Magnetstreifen ausgelegt sind. Im Grunde könnenKriminelle nur dort gefälschte Karten auf Basis von in Deutschlandgeklauten Daten zum Einkaufen nutzen.

„Das Geschäftsmodell Skimming ist für die Betrüger nicht mehrinteressant“, folgert Margit Schneider von Euro Kartensysteme. „Allzuoft treffen sie nun auch im außereuropäischen Ausland auf EMV-fähigeGeldautomaten und Terminals, an denen Kartenfälschungen ohne EMV-Chipnicht mehr eingesetzt werden können.“

Kriminelle nutzen gefälschte Türöffner

Um illegal an Daten von Bankkarten zu kommen, manipulieren Kriminellezum Beispiel den Schlitz am Geldautomaten - oder sie versuchen, übergefälschte Türöffner an die Daten zu gelangen. Mitunter wird dieEingabe der PIN auch mit Mini-Kameras gefilmt oder über einengefälschten Tastaturaufsatz gespeichert.

Auf diese Weise manipulierten Kriminelle in Deutschland von Januarbis einschließlich November 2021 nach Angaben von Euro Kartensysteme116 Mal Geldautomaten. Im Vorjahreszeitraum hatte es bundesweit 134solcher „Skimming“-Fälle gegeben, im Gesamtjahr 2020 waren es 152.Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.

Die mit Abstand meisten Fälle wurden im laufenden Jahr in Bayerngezählt (55). Eine zweistellige Zahl an Skimming-Angriffen aufGeldautomaten gab es den Angaben nach außerdem in Baden-Württemberg(26), Niedersachsen (13) und Hessen (11).

Kartendubletten auf Grundlage von hierzulande gestohlenen Datenwurden vor allem in den USA (78 Prozent Schadensanteil) eingesetzt,außerdem in Indien (11 Prozent). Dank internationaler Abkommen kannsich die hiesige Kreditwirtschaft inzwischen fast die gesamteSchadenssumme zurückholen. Denn für Schäden aus betrügerischenGeschäften mit geklauten Kartendaten müssen jeweils die Länder mitden niedrigsten Sicherheitsstandards aufkommen.

Kein finanzieller Nachteil?

Verbraucher in Deutschland, die Opfer von Skimming geworden sind,müssen normalerweise keinen finanziellen Nachteil fürchten. In derRegel ersetzen Geldinstitute solche Schäden - vorausgesetzt, dieKunden sind sorgfältig mit ihrer Bankkarte und PIN umgegangen.

Während der Datenklau an Geldautomaten rückläufig ist, habenAutomatensprengungen Hochkonjunktur: Im Jahr 2020 stieg die Zahlsolcher Angriffe auf Geldautomaten in Deutschland zum Vorjahr um fastein Fünftel von 349 auf 414. Dies war nach Angaben desBundeskriminalamts (BKA) der höchste Wert seit Beginn derstatistischen Erfassung im Jahr 2005. In den meisten Fällen (256)blieb es demnach aber beim Versuch. Insgesamt erbeuteten die Täternach BKA-Angaben 17,1 Millionen Euro. Zudem richteten sie mit ihrerrabiaten Methode der illegalen Geldbeschaffung zudem Sachschaden immittleren zweistelligen Millionenbereich an.

In die Millionen gehen auch die Schäden durch Diebstahl oder Verlustvon Zahlungskarten. Hierbei registrierte Euro Kartensysteme vonJanuar bis einschließlich November des laufenden Jahres eineSteigerung auf 12 505 Fälle (Vorjahreszeitraum: 9682). DerBruttoschaden durch Verlust und Diebstahl von Karten stieg von rund14,2 Millionen Euro auf gut 16,4 Millionen Euro. Viele Verbrauchermachen es Kriminellen leicht, weil sie trotz aller Warnungen Karteund PIN zusammen im Geldbeutel aufbewahren. dpa

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