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Vollzeit arbeiten: Laut Studien steigt Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Krebs

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Mehr als 40-Stunden pro Woche arbeiten möchten die wenigsten Deutschen. Studien zeigen, dass zu viel Arbeit sogar für die Gesundheit schädlich ist.

München – Aktuell wird heiß über die Rente mit 70 und die Arbeitswoche von 42-Stunden diskutiert. Wirtschaftsvertreter wie Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), und Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, plädieren für eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden, bei vollem Lohnausgleich. Es gehe darum, auf diese Weise Fachkräftemangel auszugleichen und um das Rentensystem in unserer alternden Gesellschaft stabil zu halten.

Studien zeigen jedoch, dass bereits zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche das Risiko für Rückenprobleme, Schlafstörungen sowie Magen-Darm-Erkrankungen erhöhen.

Mehr arbeiten, länger arbeiten? Überstunden und Rente mit 70 bleiben nicht ohne gesundheitliche Folgen

Das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt steigt bei Mehrarbeit.
Vollzeit mehr als 42 Stunden pro Woche mit Überstunden arbeiten hat Auswirkungen auf die Gesundheit. (Symbolbild) © Daniel Ingold/Imago

Auch wenn BDI-Präsident Siegfried Russwurm „große Sympathie“ für längere Wochenarbeitszeit äußert und bereits vor Jahren auch Bundesvorsitzender Friedrich Merz (66, CDU) sich für die 42-Stunden-Woche öffentlich aussprach, so sollte laut Wissenschaftlern und Medizinern nicht außer Acht gelassen werden: Ein Anstieg der wöchentlichen Arbeitsstunden sowie die in vielen Branchen fast regulären Überstunden kann eine eklatante Auswirkung auf die Gesundheit des Einzelnen haben.

Zwar könnte die Erhöhung des Renteneintrittalters auf 70 Jahre in der Folge mit ähnlichen Erkrankungen verbunden sein, doch sprechen sich Politiker – allen voran Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (49, SPD) – klar gegen länger-arbeiten aus.

Vollzeit arbeiten: laut Studien steigt Risiko für Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall

Anhand einer in „The Lancet“ veröffentlichten Studie mit dem Titel „Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall durch lange Arbeitszeiten: Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse veröffentlichter sowie unveröffentlichter Daten von 603 838 Personen“ konnte gezeigt werden: Das Risiko für Schlaganfall ist bis zu ein Drittel erhöht, wenn die Arbeitszeit pro Woche bereits 45 Stunden erreicht. Als Referenz ging man von einer 35 bis 40-Stunden-Arbeitswoche aus.

Im Rahmen der Studie unter der Leitung von Professor Mika Kivimäki des Department of Epidemiology and Public Health, University College in London konnte auch ein direkter Zusammenhang zwischen einer erhöhten Arbeitsdauer und Schlafstörungen sowie psychischen Belastungen wie Depressionen nachgewiesen werden.

Vollzeit arbeiten: zwei Stunden Überstunden wöchentlich haben schon Auswirkung auf Gesundheit

Laut Frank Brenscheidt, Arbeitszeitexperte der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), würden bereits zwei Überstunden pro Woche Herzbeschwerden stark beeinflussen. Dies zeigen verschiedene Umfragen, welche die BAuA-Publikation „Lange Arbeitszeiten und Gesundheit“ zitiert. Nicht ohne Grund lege also das Arbeitszeitgesetz eine werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden bzw. 40 Stunden pro Woche fest, so Brenscheidt gegenüber der „Rheinischen Post“.

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Im Rahmen einer Längsschnittstudie der Universität Texas konnte anhand von 18.000 Arbeitnehmern sogar ermittelt werden, dass das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall bei mehr als 50 Stunden pro Woche um 42 Prozent steigen würde, das Krebsrisiko sogar um 62 Prozent. Untersucht wurden Menschen mit einer Wochenarbeitslast von 35 bis 51 Stunden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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