Ein Asthmatiker hält einen Asthmaspray in der Hand.
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Forscher der University of Oxford fanden heraus, dass die Therapie von leichten Corona-Verläufen mit Asthmaspray vielversprechend ist. Doch die Studie hat einen Haken.

Gefährlichem Covid-Verlauf vorbeugen

Mit Asthmaspray gegen Corona: Nur zwei Sprühstöße täglich können schweren Krankheitsverlauf verhindern

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Mediziner testeten die Behandlung von Covid-Patienten mit einem Asthmaspray, das einen speziellen Wirkstoff enthält. Die Ergebnisse machen Hoffnung.

Viele Medikamente werden „off-label“ gegen Corona eingesetzt. Das bedeutet, dass die Arzneimittel bei Covid-Patienten angewendet werden, obwohl sie hierfür keine Genehmigung vonseiten der Zulassungsbehörden haben. Mit „off-label-use“ ist also sinngemäß der „nicht bestimmungsmäßige Gebrauch“ gemeint. Auch eine britische Studie befasste sich mit der Thematik und prüfte, wie sich die Gabe von Budesonid-haltigen Asthmasprays bei leicht Erkrankten auswirkte – mit sehr guten Ergebnissen. Die im Februar vorab veröffentlichte Studie von Forschern der britischen University of Oxford wurde im April 2019 nach der Auswertung von Gutachtern offiziell im Fachmagazin the lancet veröffentlicht.

Budesonid ist ein synthetisches Glukokortikoid, das unter anderem bei Asthma bronchiale* angewandt wird. Die 146 Erwachsenen, die an der Studie teilnahmen, erhielten entweder eine Standardtherapie oder bekamen zweimal täglich das Budesonid-haltige Inhalationsspray verabreicht, informiert die Pharmazeutische Zeitung (PZ). Das Budesonid wurde dabei in Form von Trockenpulver und in einer Dosierung von 800 Mikrogramm über einen handelsüblichen Inhalator verabreicht, heißt es weiter.

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90 Prozent seltener schwere Corona-Verläufe durch Budesonid-Spray

Der von der Firma Astrazeneca finanzierten Studie lag die Vermutung zugrunde, dass Glukokortikoide, die inhaliert werden, schwere Corona-Krankheitsverläufe verhindern können. Diese Hypothese wird der PZ zufolge durch die Beobachtung gestützt, dass schwere Covid-19-Verläufe unter Asthma-Patienten signifikant unterrepräsentiert sind. Auch die Oxford-Studie zeichnet ein solches Bild: 28 Tage nach Studienbeginn wurden die Teilnehmer untersucht und es zeigte sich, dass das Spray Wirkung erzielt hatte. So erholten sich die mit Budesonid behandelten Patienten durchschnittlich einen Tag schneller im Vergleich zur Kontrollgruppe. Außerdem konnten die Forscher nachweisen, dass die Gabe von Budesonid-haltigen Spray die Häufigkeit von schweren Verläufen um 90 Prozent gesenkt hatte, berichtete auch das Ärzteblatt. Als Grund dafür sehen die Mediziner in erster Linie, dass Glukokortikoide wie Budesonid die Replikation von Sars-CoV-2 in Atemwegsgewebe hemmen. Dies hätten Laborstudien gezeigt, wie das Ärzteblatt informiert.

Da die Studie nur eine geringe Teilnehmeranzahl umfasste, müssen größer angelegte und unabhängige klinische Studien folgen, bevor Corticoid-haltige Asthma-Sprays im Rahmen von Corona-Therapien verordnet werden können, heißt es in der Studie. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
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Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
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Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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