Gesundheit

Masken-Pflicht auch nach Corona gefordert – um diese Bereiche geht es

  • Yannick Wenig
    VonYannick Wenig
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Die Maßnahmen im Kampf gegen Corona zeigen Wirkung – auch gegen die saisonale Grippe. Ärzte halten das Maskentragen in bestimmten Bereichen auch nach der Pandemie für sinnvoll.

  • Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus* haben einen positiven Nebeneffekt.
  • Die Statistiken zeigen, dass im Winter 2020/21 weniger Menschen von der saisonalen Grippe betroffen waren.
  • Ärzte halten die Beibehaltung der Maskenpflicht auch nach der Pandemie in einigen Bereichen für sinnvoll.

Frankfurt – An das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aufgrund der Corona-Pandemie haben sich die meisten Menschen inzwischen gewöhnt. Neben dem Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus haben die Maske sowie die anderen in Deutschland geltenden Abstands- und Hygieneregelungen aber auch noch einen wirkungsvollen Nebeneffekt. Die Krankenkassen verzeichnen deutlich weniger Krankschreibungen aufgrund der saisonalen Grippe.

Denn die Einhaltung der sogenannten AHA-Regeln – also Abstand halten, Hände waschen und Alltagsmaske tragen* – hilft nicht bloß bei der Eindämmung des Coronavirus, sondern auch gegen eine Ansteckung mit der Grippe, auch Influenza genannt. Einige Ärzte in Deutschland empfehlen das Tragen einer Maske in bestimmten Teilen des öffentlichen Raumes auch nach der Corona-Pandemie.

Mund-Nasen-Schutz verhindert Infektionskrankheiten: Rückgang bei Grippe

Die Maskenpflicht hat sich im Kampf gegen das Coronavirus bewährt. In manchen Bundesländern wurde diese mit der Vorgabe, in bestimmten Teilen der Öffentlichkeit sogar die effektiveren FFP2-Masken zu tragen, noch einmal verschärft. Der Mund-Nasen-Schutz ist in Sachen Infektionsschutz essenziell und wird die Menschen voraussichtlich so lange begleiten, bis die Corona-Pandemie überstanden ist. Und danach?

Gut möglich, dass die Alltagsmaske oder ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz* weiter fest in den Alltag der Menschen integriert ist. Denn wie auch wa.de berichtet, blieb durch Kontaktbeschränkungen, Hygieneregeln und Maskenpflicht in diesem Winter bisher vielen Menschen eine Grippe erspart.*

Schützt nicht nur vor Corona: Fachleute gehen davon aus, dass die Maskenpflicht uns noch länger begleiten wird. (Symbolbild)

Wie die „Welt“ berichtet, verzeichneten die Krankenkassen in den Jahren 2018 und 2019 zur Adventszeit einen plötzlichen Anstieg der Grippemeldungen. Nicht so im Corona-Jahr 2020. Das geht aus einer Statistik der Versichertenzahlen der Krankenkasse Barmer hervor, die der „Welt“ vorliegt. Demnach soll sich die Zahl der grippebedingten Krankschreibungen zwischen Anfang November und Weihnachten 2020, also dem Zeitraum des zweiten Lockdowns, im Vergleich zu den Vorjahren nahezu halbiert haben.

Corona-Krise: Rückgang der Krankmeldungen durch Grippe

Genauer bedeutet das, dass zwischen dem 1. November und dem 24. Dezember 2020 im Durchschnitt zwischen 435 und 763 Versicherte der Barmer pro Woche aufgrund einer Grippe krankgeschrieben wurden. Im Vergleich: Im gleichen Zeitraum der beiden Vorjahre meldeten sich in der Woche durchschnittlich zwischen 923 und 1721 Menschen mit einer Influenza arbeitsunfähig. Das entspricht zumindest zweitweise einem wöchentlich Rückgang der Influenza-Fälle von fast 60 Prozent.

Seit Begin des Jahres 2021 soll es laut Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Institutes (RKI) zwar zu einem moderaten Anstieg akuter Infektionskrankheiten gekommen sein, dennoch liege das Niveau des Anstiegs nach wie vor deutlich unter dem der vorherigen Grippe-Saisons. Damit verbunden wurden auch deutlich weniger Arztbesuche registriert. „Die Kontaktbeschränkungen*, die verminderte Mobilität im Lockdown und natürlich die Einhaltung der AHA-Regeln dämmen nicht nur die Corona-Pandemie ein, sondern erschweren auch die Übertragung anderer Infektionskrankheiten“, sagte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, gegenüber der „Welt“.

Maske zum Schutz vor Infektionskrankheiten: Rückgang der Erkrankungen durch Grippe

Von der geringeren Anzahl an Menschen, die mit einer Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen ihren Arzt aufsuchen, profitieren vor allem die Gesundheitsämter und Krankenhäuser in Deutschland. Denn eine geringere Zahl an auftretenden Grippe-Erkrankungen sorgt in erster Linie für eine Entlastung des Gesundheitssystems. Die Krankenhäuser haben so mehr freie Kapazitäten für Corona-Patienten. Insbesondere für jene, die eine intensiv medizinische Versorgung benötigen.

Neben der gesunkenen Anzahl an Grippe-Erkrankungen registrierten Ärzte auch eine geringere Zahl an anderen Infektionskrankheiten wie etwa Gastroenteritis, also Magen-Darm-Grippe, oder Durchfall zum Beispiel bedingt durch Noroviren. Neben dem Tragen des Mund-Nasen-Schutzes hat darauf vor allem das häufigere Waschen und Desinfizieren der Hände einen erheblichen Einfluss.

Laut „Welt“ fordern Ärzte und Virologen in Deutschland daher ein dauerhaftes Tragen von Masken zur Verminderung von anderen Infektionskrankheiten - zumindest in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens. Dies könnte demnach beispielsweise in Wartezimmern von Arztpraxen, Pflegeheimen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln die Gefahr senken, sich eine Grippe oder andere Infektionskrankheiten einzufangen.

NationGrippe-Impfquote der über 65-Jährigen im Jahr 2018
Südkorea85,1 Prozent
Vereinigtes Königreich72,0 Prozent
USA86,7 Prozent
Frankreich 51,0 Prozent
Deutschland34,8 Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt

Jens Spahn: Größere Grippewelle und Corona-Pandemie gleichzeitig nicht zu stemmen

Neben den Abstands- und Hygienemaßnahmen aufgrund von Corona dürfte aber auch die deutlich größere Anzahl der Menschen, die sich einer Grippeschutzimpfung unterzogen haben, dazu beigetragen haben, dass sich ein im Vergleich zu den Vorjahren kleinerer Teil der Bevölkerung mit einer Grippe herumschlagen musste. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* rief im Herbst 2020 wiederholt dazu auf, sich auch gegen Influenza impfen zu lassen. Denn: „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und eine Pandemie kann das Gesundheitssystem schwer verkraften“, so Spahn damals. Gerade Corona-Risikopatienten sollten sich laut Bundes-Gesundheitsministerium gegen Grippe impfen lassen.

Dafür hat die Bundesregierung in Deutschland bereits im Herbst zusätzlichen Influenza-Impfstoff besorgt. Wie das Gesundheitsministerium verkündete, wurde für die Grippesaison 2020/2021 insgesamt 26 Millionen Dosen des Impfstoffes gegen Grippe zur Verfügung gestellt. Beinahe doppelt so viele wie in den Jahren zuvor, als lediglich gut 14 Millionen Impfdosen genutzt wurden. (Yannick Wenig) *fr.de und wa.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Charlie Riedel

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