Medizin

Forschungs-Erfolg in Frankfurt: Hilft altbekanntes Mittel gegen aggressiven Krebs?

  • Svenja Wallocha
    vonSvenja Wallocha
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Forscher aus Frankfurt haben entdeckt, dass ein weitverbreitetes Medikament gegen bösartige Hirntumore helfen kann. Bisher wurde es gegen Durchfall eingesetzt.

  • Weltweit wird nach neuen Therapiemöglichkeiten gegen Krebs gesucht.
  • Forscher aus Frankfurt könnten nun ein Mittel entdeckt haben, dass bei der Behandlung von bösartigen Hirntumoren hilft.
  • Der Wirkstoff löst bei Laboruntersuchungen den Tod von Krebszellen aus.

Frankfurt – Ein Medikament, das bereits seit langer Zeit bekannt ist, könnte bei der Behandlung von bösartigen Hirntumoren helfen. Das besondere dabei: Das gängige Mittel wurde bisher vor allem als Durchfallmittel eingesetzt.

Wie Forscher der Goethe-Universität-Frankfurt herausfanden, kann das Medikament Loperamid bei der Behandlung von Hirntumoren unterstützen. Bei Laboruntersuchen führte der Wirkstoff zum Absterben von sogenannten Glioblastomzellen. Glioblastome sind äußerst aggressive hirneigene Tumore, die sich schnell ausbreiten. Nur in seltenen Fällen können Glioblastome operativ entfernt werden. Auf Chemotherapeutika reagiert die Krebsform eher schlecht. Die Prognose für Betroffene ist deshalb nicht besonders gut.

Forscher aus Frankfurt machen Entdeckung: Banales Medikament könnte Krebszellen töten. (Symbolbild)

Krebs-Forschung in Frankfurt: Treibt ein Durchfallmittel Tumorzellen in den Tod?

„Zwei Jahre nach der Diagnose leben nur noch 13,6 Prozent der Be­troffe­nen“, schreibt das „Ärzteblatt“. Damit gehören Glioblastome zu den tödlichsten Krebserkrankungen, die es gibt. Nach neuen Therapieansätzen, die bei der Bekämpfung der Tumore helfen können, wird deshalb intensiv gesucht. So auch von den Forschern der Frankfurter Universitätsmedizin.

Hinweise darauf, dass das Durchfallmittel Loperamid bei der Therapie von Hirntumoren eingesetzt werden könnte, fand das Team um Dr. Sjoerd van Wijk vom Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie bereits vor zwei Jahren heraus, heißt es in einer Mitteilung der Goethe-Universität. Nun entschlüsselten die Forscher jedoch auch den Wirkungsmechanismus und damit Optionen für neue Behandlungsstrategien.

NameLoperamid
Entdeckungerstmals 1969 synthetisiert
Auf dem Marktseit 1973 (in Deutschland seit 1976 erhältlich)
AnwendungZur symptomatischen Behandlung von Durchfallerkrankungen

Durchfallmittel gegen Krebs: Zellen „vernichten sich quasi selbst“

Die Wissenschaftler fanden im Speziellen heraus, dass der Wirkstoff Loperamid in bestimmten Krebszellen zu einer Stressituation im Endoplasmatischen Retikulum (ER) führt. Das ER ist ein Zellorgan, das für wesentliche Schritte der Proteinsynthese verantwortlich ist.

Durch den Stress werde ein Selbstverdau ausgelöst. „Es vernichtet sich quasi selbst“, heißt es in dem Bericht. „Unsere Experimente mit Zelllinien zeigen, dass Autophagie („Selbstverdau“) bei Glioblastom-Hirntumoren die Behandlung unterstützen könnte“, sagte Dr. Sjoerd van Wijk.

Durchfallmittel Loperamid könnte bei Behandlung aggressiver Hirntumore helfen

Eine wesentliche Rolle bei der Initiierung dieses Selbstverdaus und des damit einhergehenden Zelltods der Glioblastomzellen spiele laut den Forschern der „Aktivierende Transkriptions-Faktor (ATF4). Er werde sowohl bei ER-Stress und ebenfalls unter Loperamid-Einfluss gebildet und löse den Abbau der ER-Membranen und damit des ERs aus. „Wenn wir umgekehrt ATF4 blockieren, sterben nach Zugabe von Loperamid deutlich weniger Zellen einer Tumorzellkultur“, sagt van Wijk zu Kontrollergebnissen.

Der Wissenschaftler betonte zudem, dass dieser Selbstabbau in normalen Zellen harmlos sei. Bei der Einnahme als Durchfallmittel wirke Loperamid nur an besonderen Bindestellen und werde nicht wirklich durch Darmzellen aufgenommen.

Das MRT-Bild des Gehirntumors (heller Fleck) einer Patientin. (Archivbild)

Forscher aus Frankfurt veröffentlichen neue Erkenntnisse für Krebstherapie

Mit der Arbeit des Forscher-Teams aus Frankfurt können nun möglicherweise neue Therapieansätze für schwere Krebserkrankungen entwickelt werden. Aber auch für die Behandlung anderen Tumorarten und Krankheiten wie Nervenzell- oder Demenzerkrankungen seien die Erkenntnisse spannend. Bis der Wirkstoff Loperamid jedoch tatsächlich für die Behandlung eingesetzt werden könne, sei noch viel Arbeit nötig.

Forscher aus Frankfurt beschäftigten sich außerdem mit Corona-Studien und den Auswirkungen des Virus. Nach den Ergebnissen kann Corona auch bei einem vermeintlich milden Verlauf schwere Erkrankungen wie Herzschäden nach sich ziehen. (svw/red)

Rubriklistenbild: © Jan-Peter Kasper/dpa

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