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Kaugummis schmecken nach Minze oder Erdbeere: Doch ein von deutschen Forschern entwickelter Kaugummi wird bitter, wenn er mit Bakterien in Kontakt kommt.

Sichere Selbstdiagnose?

Dubiose Erfindung: Wenn dieser Kaugummi bitter schmeckt, sind Sie krank

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Er soll bereits vor den ersten Symptomen anzeigen können, dass man krank ist: ein neuartiger Gesundheitskaugummi. Doch wie sinnvoll ist die originelle Idee?

  • Nur der Arzt kann eine sichere Diagnose stellen - durch diverse Tests.
  • Es gibt auch Selbsttests für Zuhause.
  • Ein deutsches Forscherteam hat ein neuartiges Diagnose-Mittel gefunden: einen Kaugummi, der bei Bakterien im Mund den Geschmack ändert.

Je nachdem, welche Viren und Bakterien in den Körper eindringen, können schwere Krankheiten wie Grippe die Folge sein. Krankheitserreger nimmt man über die Luft oder die Schleimhäute auf - ohne es im ersten Augenblick zu merken. Erst wenn Symptome wie Fieber, Halsschmerzen oder andere Beschwerden auftreten, dämmert es Ihnen: Sie müssen sich irgendwo angesteckt haben.

Influenzaviren*, Escherichia coli-Bakterien oder Rhinoviren: Der Besuch beim Arzt bringt Gewissheit, was Sie sich eingefangen haben. Doch es gibt auch diverse Tests, die man ohne ärztliche Hilfe machen kann. Darunter unter anderem Helicobacter pylori- oder Darmpilz-Selbsttests. Deutsche Forscher fanden jetzt einen Weg, um Krankheitserreger bereits im Mund nachweisen zu können: einen Kaugummi, der bitter wird, wenn er mit Bakterien in Kontakt kommt.

Wenn der Kaugummi bitter schmeckt, sind Krankheitserreger im Speichel

Wissenschaftler der Universität Würzburg entwickelten den Kaugummi, der vor Infektionen warnt. Wer die Befürchtung hat, dass sich eine Mandelentzündung, Scharlach oder eine Grippe anbahnt, müsse nur kurz den speziellen Kaugummi kauen, um Gewissheit zu erlangen. Denn wenn dabei ein bitterer Geschmack entsteht, ist klar: Hier vermehren sich gerade unerwünschte Bakterien. Wie es in einer Pressemitteilung der Universität Würzburg weiter heißt, könne der Arzt auf diese Weise schnell eine geeignete Behandlung einleiten.

Vor allem für Menschen, die ein Zahnimplantat erhalten haben, sei die Erfindung nützlich. Denn bei bis zu 15 Prozent der Patienten komme es dadurch zu Entzündungen im Mundraum, die durch Bakterien verursacht werden. Durch den Kaugummi könnte der Zahnarzt früh eingreifenund antibakterielle Spülungen* oder ähnliches verschreiben.

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So funktioniert der Kaugummi, der Krankheiten anzeigt

Den Entwicklern des Kaugummis zufolge sei das Medizinprodukt allerdings nicht nur im Fall von Zahnimplantaten sehr hilfreich, sondern könne auch folgende durch Bakterien ausgelöste Krankheiten frühzeitig anzeigen:

Der Kaugummi enthält einen löslichen Film mit einer spezifischen Peptidkette aus Aminosäuren sowie einem Bitterstoff. Die Peptidkette umgibt den Bitterstoff und verhindert so, dass die Zunge ihn von Anfang an schmecken kann. Erst wenn krankheitsspezifische Enzyme einer bakteriellen Entzündung* im Speichel vorhanden sind, trennen diese die Peptidkette vom Bitterstoff ab - ein deutlich bitterer Geschmack im Mund ist die Folge. Sind keine Bakterien vorhanden, bleibt der Geschmack neutral.

Erhältlich ist der Kaugummi noch nicht. Die Entwicklung der Uniklinik Würzburg wird aktuell durch ein Start-up-Unternehmen auf die Markteinführung vorbereitet - rund zehn Jahre nach den ersten Tests. Professor Lorenz Meinel als Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg begann 2011 mit der Entwicklung des neuartigen Diagnosemittels. "Für die Entwicklung eines Medizinprodukts waren wir eher schnell", so der Pharmazeut.

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jg

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

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HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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