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Lebenslauf

Der Patchwork-Lebenslauf gewinnt zunehmend an Gewichtung

Der Begriff „Patchwork-Familie“ ist Ihnen sicherlich bekannt. Er hat sich seit einigen Jahren etabliert und beschreibt eine Familie, die mehr oder weniger „zusammengewürfelt“ wurde – beispielsweise wenn beide Partner jeweils Kinder aus vorangegangenen Beziehungen mitbringen.

Neuer ist dagegen der Begriff „Patchwork-Lebenslauf“, der aber ein ähnliches Prinzip in einem anderen Kontext beschreibt.

Der Patchwork-Lebenslauf als Ergebnis der sich im Wandel befindenden Arbeitswelt

Die Arbeitswelt hat sich vor allem seit Beginn des 21. Jahrhunderts rasant verändert. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in dem ein oder anderen Lebenslauf wider. Vor allem die sogenannte „Generation Z“, beginnend in den 90er-Jahren geboren, hat heute Ansprüche an sich selbst und ihr Arbeitsleben, die oftmals kaum denen der vorangegangenen Generationen entsprechen. Das Stichwort „Work-Life-Balance“ ist hier der entscheidende Faktor. Vor 20 Jahren gab es nicht einmal ansatzweise etwas wie das sogenannte „Sabattical“, das statistisch gesehen bereits jeder zehnte Deutsche gemacht hat. Doch die beliebte, einjährige Auszeit vom Berufsalltag steht ein Stück weit stellvertretend für das ein, was immer selbstverständlicher wird. Insbesondere die jungen Menschen legen Wert darauf, ihren Alltag zu entschleunigen. Daraus resultiert das, was vor einigen Jahren noch als der Super-GAU im Lebenslauf schlechthin galt: eine Lücke. Doch mit zunehmender Häufigkeit werden genau diese Lücken, sofern sie denn entsprechend begründet sind, auch immer normaler und sind bei Personalern schon längst nicht mehr ein rotes Tuch.

Die Lücke muss nur sinnvoll erklärbar sein

Haben Sie eine Lücke im Lebenslauf, ist das bei Weitem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken oder zu glauben, dass Sie auf dem Arbeitsmarkt nun gar keine Chance mehr hätten.

Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall und die Lücke kommt richtig gut an. Denn nur, weil sie für eine gewisse Zeit Abstand von Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigungen genommen haben, muss das immerhin nicht bedeuten, dass Sie in dieser Zeit nicht produktiv waren. Vielleicht haben Sie ein Jahr lang eine Reise unternommen. Das kann vom Personaler durchaus als eine wertvolle Erfahrung gewertet werden, die Sie und Ihren Lebenslauf erst so richtig interessant macht. Außerdem spricht eine Reise als „Aufbruch ins Ungewisse“ auch für Mut, der belohnt wird. Stehen Sie zu sich und Ihrer Geschichte und bereiten Sie sich darauf vor, plausibel zu erklären, wie Sie sich durch Ihre Reise persönlich weiterentwickeln konnten.

Es muss jedoch keine Reise sein, die Ihre Lücke im Lebenslauf hervorruft. Viele Arbeitnehmer nutzen heutzutage beispielsweise auch ein paar Monate Auszeit, um sich um ihre Familie zu kümmern. Auch das muss nicht schlecht ankommen, zeigt es doch immerhin, dass Sie ein Mensch sind, der gerne Verantwortung übernimmt.

Wichtig ist: Seien Sie ehrlich. Lügen fliegen nicht nur meistens schnell auf, sie sind auch schlichtweg unnötig. Denn die Wahrheit kommt, richtig verpackt, sowieso am besten an. Vielleicht haben Sie auch ein Jahr Auszeit genommen, um sich selbst zu verwirklichen. Oder schreiben Sie schon seit Jahren an einem eigenen Buch und merken, dass die Realisierung Ihres Projektes neben einem Vollzeitjob einfach nicht machbar ist? So viel Mut und Kreativität wird von Personalern öfter geschätzt und honoriert, als Sie vielleicht denken. Vielleicht haben Sie ja auch Ihre alte Schülerband wiedergetroffen und gemerkt, dass Sie sich gerade allesamt in einem Hoch befinden, das Sie gerne für die erste Studioaufnahme nutzen wollen.

Sie sehen also, es gibt viele Gründe für Lücken im Lebenslauf und nur wenige führen zu einem sofortigen Ausschluss aus dem weiteren Bewerbungsverlauf. Denn kreative Selbstverwirklichung, der Drang nach Zeit mit der Familie und Entschleunigung in der persönlichen Work-Life-Balance nehmen seit Jahren unaufhaltsam zu und sind deswegen Dinge, auf die der Arbeitsmarkt sich einstellen muss. Dazu gehören auch die Personaler, von denen sich bereits viele damit arrangiert haben. Es kann also durchaus sinnvoll sein, wenn Sie Ihre persönliche Entwicklung vorantreiben – auch für Ihren eigenen Lebenslauf.

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