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Chefs drägen zur Kündigung: Quiet Firing ist kein neues Phänomen

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Von: Carina Blumenroth

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Das Arbeitsklima ist nicht immer entspannt und wertschätzend. Manchmal setzen Chefs Ausgrenzung gezielt ein. Genannt wird das „Quiet Firing“.

Bei der Arbeit verbringen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oft einen Großteil des Tages – da ist es besonders gut, wenn dort ein angenehmes Arbeitsklima zwischen Chef und Kolleginnen und Kollegen herrscht. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Oft gibt es Reibereien, beispielsweise in der Kommunikation oder in bestimmten Verhaltensweisen. Manchmal passt es vielleicht auch menschlich nicht ganz so gut. Einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben eventuell schon Ausgrenzung oder schlechte Behandlung von Ihrem Chef erfahren. Dieses Verhalten wird „Quiet Firing“ genannt.

Drei Kollegen auf einem Bild.
Eine Kollegin ist nicht bei der Projektbesprechung dabei und macht unnötige Aufgaben. Das kann „Quiet Firing“ sein. (Symbolbild) © Arne Trautmann/Imago

Was versteht man unter „Quiet Firing“?

Was bedeutet „Quiet Firing“?

Unter „Quiet Firing“ wird eine heimliche Kündigung durch den Arbeitgeber verstanden. Gemeint ist damit ein methodisches und gezieltes Vergraulen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin. Das große Ziel ist, eine Eigenkündigung von Arbeitnehmerseite zu provozieren. Dabei gehen Arbeitgeber oft subtil und heimlich vor, ein öffentliches Mobbing findet in der Regel nicht statt.

„Quiet Firing“ kann als eine Art Gegenspieler zu „Quiet Quitting“ gesehen werden. Letzteres ist die stille Kündigung durch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht mehr leisten, als im Vertrag vereinbart wurde. Die viel benannte „Extrameile“ wird nicht mehr auf sich genommen. Die beiden Vorkommnisse, „Quiet Firing“ und „Quiet Quitting“, können sich allerdings gegenseitig begünstigen. Demnach kann „Quiet Quitting“ eine direkte Reaktion auf die Ausgrenzung durch den Arbeitgeber sein.

Wie kann sich „Quiet Firing“ äußern?

  1. Sie bekommen keine oder unnötige Aufgaben zugeteilt. Ziel der Aufgaben, die Sie bekommen, ist es, Sie einfach für eine zeitlang zu beschäftigen.
  2. Sie bekommen wenig Gehalt: Sie bekommen seit Jahren keine Gehaltserhöhung und werden unfair bezahlt.
  3. Sie können nicht an wichtigen Meetings oder Projektbesprechungen teilnehmen. Ihre Ideen und Vorschläge werden ignoriert.
  4. Sie dürfen sich nicht weiterentwickeln. Unter anderem bekommen Sie keine neuen Aufgaben und auch nicht mehr Verantwortung.
  5. Fehlende Wertschätzung: Sie werden grundsätzlich für Ihre Arbeit kritisiert. Angeblich seien Sie nicht gut genug für den Job und Ihnen wird nahegelegt, sich etwas anderes zu suchen.
  6. Wenn Sie ein Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen, dann wird oft abgeblockt.

Quelle: Karrierebibel, ArbeitsABC

„Quiet Firing“ ist nicht neu – greift aber die mentale Gesundheit der Arbeitnehmer an

Nur der Name „Quiet Firing“ ist neu, alles, was sich dahinter verbirgt, das kennen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon lange. Die Ausgrenzung und der Versuch, Ihnen den Job madig zu machen, kann viele verunsichern. Sie stellen sich eventuell die Frage, ob das wirklich stimmt, ob Sie wirklich zu schlecht für den Job sind. Das kann die Psyche angreifen. In vielen Fällen liegt es aber nicht an Ihrer Arbeitsleistung. „Quiet Firing“ kann beispielsweise vorkommen, wenn der Arbeitgeber keinen Grund findet, sie zu kündigen oder, wenn Sie keine Abfindung bekommen sollen. Ein Grund könnte auch sein, dass der Arbeitgeber das Konfliktgespräch scheut.

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Was sollten Sie tun, wenn Sie „Quiet Firing“ vermuten?

Wenn Sie glauben, dass Sie aus dem Betrieb geekelt werden sollen, ist erst einmal bedachtes Handeln erforderlich. Beobachten Sie zuerst die Situation und versuchen Sie einzuschätzen, ob Sie wirklich zu einer Kündigung gedrängt werden sollen. Sollten Sie Ihren Arbeitgeber dies zu Unrecht vorwerfen, kann sich das schädlich auf das Arbeitsklima und das Vertrauen auswirken. Was Sie allerdings tun sollten: Notieren Sie sich Ihre Leistungen, Ihre Ideen und Aufgaben. Gerade wenn Sie immer negative Kritik bekommen, kann Ihnen Ihre Dokumentation helfen. Suchen Sie im Anschluss das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten – dabei sollten Sie als Argumentationsgrundlage auf Ihre Dokumentation zurückgreifen. Falls sich danach nichts ändert, sollten Sie abwägen, ob Sie wirklich bei dem Arbeitgeber bleiben wollen. Sie könnten sich beispielsweise etwas Neues suchen und solange weiter in Ihrem alten Job arbeiten – denn, offensichtlich hat Ihr Arbeitgeber keinen Grund Sie zu entlassen, sonst hätte er dies bereits getan.

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