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In vielen Jobs sind Fremdsprachen gefragt. Ruft ein ausländischer Kunde an, können Beschäftigte dann nicht erst jedes Wort nachschlagen.

Sprachkenntnisse als Karrierebooster

New York, Rio, Tokio - in internationalen Unternehmen gehört der Kontakt mit ausländischen Kunden zum Arbeitsalltag. Aber auch in kleineren Betrieben werden Fremdsprachen heute oft vorausgesetzt, zum Beispiel im Vertrieb.

New York, Rio, Tokio - in internationalen Unternehmen gehört der Kontakt mit ausländischen Kunden zum Arbeitsalltag. Aber auch in kleineren Betrieben werden Fremdsprachen heute oft vorausgesetzt, zum Beispiel im Vertrieb.

Ruft dann ein Kunde an und fragt etwas auf Englisch, ist es furchtbar peinlich, wenn Mitarbeiter sich einen abstottern. „Sprachkenntnisse sind extrem wichtig für die Karriere”, sagt Petra Oerke, Karriereberaterin aus Osnabrück. Unter anderem durch die globalen Wirtschaftsverflechtungen nehme ihre Bedeutung zu.

Die am häufigsten von deutschen Arbeitgebern geforderte Sprache ist Englisch, ergab eine Analyse der Jobsuchmaschine Joblift von 15 Millionen Stellenanzeigen. Demnach ist die Bedeutung von Englisch im Beruf sogar noch gestiegen, wie die Zahl der entsprechenden Anzeigen zeigt. Sie lag in der Zeit von Juli 2017 bis Juli 2018 um 17 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. „Für die Zukunft wird Englisch als Hardskill zunehmend unverzichtbar für Jobsuchende. Vermutlich wird die Nachfrage weiterhin steigen”, sagt Laura Jentsch von Joblift. Neben Englisch sind Französisch, Spanisch, Niederländisch, Italienisch, Russisch, Polnisch und Chinesisch häufig gewünschte Fremdsprachen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Welche Sprache die Chancen auf den Traumjob erhöht, hängt von der jeweiligen Branche und der Position ab. Kaufmännische Angestellte benötigen laut der Joblift-Studie eher Französisch, Italienisch oder Polnisch, für Stellen im Vertrieb kann Chinesisch nützlich sein. Von Niederländischkenntnissen profitieren Berater, im Bereich Software Engineering ist Japanisch nachgefragt, bei Sozialarbeitern Arabisch.

In einer Bewerbung werden die Sprachkenntnisse im Lebenslauf unter einer eigenen Kategorie angegeben. Damit der Personaler einschätzen kann, wie fit Bewerber in der angegebenen Sprache ist, sollten sie ein Sprachlevel angeben.

Das geht zum Beispiel mit der fünfstufigen Skala von „Grundkenntnisse” über „konversationssicher”, „fließend” und „verhandlungssicher” bis zu „Muttersprache”, sagt James M. Barker vom Portal Absolventa. Grundkenntnisse entsprechen dem, was man während eines Urlaubs im Ausland braucht, um nach dem Weg zu fragen oder im Restaurant etwas zu bestellen. Wer eine Sprache schon konversationssicher beherrscht, kann sich dagegen bereits an Unterhaltungen im Alltag beteiligen.

Fließend spricht man eine Sprache, sofern man sich problemlos zu allen Themenfeldern äußern kann. „Dazu zählen zum Beispiel Politik und Wirtschaft, aber auch Witze und Redewendungen”, erklärt Barker. Verhandlungssicher spricht, wer sich auch im Fachvokabular adäquat ausdrücken und in unbekannten Situationen souverän agieren kann - zum Beispiel bei einer kontroversen Diskussion mit Geschäftspartnern.

Eine weitere Möglichkeit, Sprachkenntnisse einzuordnen, sind die sechs Niveaustufen des . Sie reichen von A1 (Anfänger) bis C2 für annähernd muttersprachliche Kenntnisse. Sprachzertifikate wie das Cambridge Certificate für Englisch oder DELF für Französisch weisen ebenfalls die Sprachkenntnisse aus und bieten eine seriöse Möglichkeit, diese einem Arbeitgeber gegenüber zu belegen.

Hilfreich ist es für Personaler, wenn Bewerber angeben, in welchem Kontext sie die Sprache gelernt haben. Das ist für Arbeitgeber eventuell aufschlussreicher als die bloße Angabe der Niveaustufe.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Bewerber ehrlich bleiben, wenn sie ihre Sprachkenntnisse angeben. Wer über ein älteres Sprachzertifikat verfügt, sollte beispielsweise immer schauen, ob die Angaben noch aktuell ist. Denn es kann immer passieren, dass während eines Vorstellungsgesprächs die Sprache gewechselt wird. Um hierbei nicht auf Glatteis zu geraten, können Bewerber so ein Gespräch im Voraus simulieren, rät Karriereberaterin Oerke.

Wer die in einer Anzeige geforderten Sprachkenntnisse nicht komplett erfüllt, sollte sich ihrer Meinung nach trotzdem bewerben. Denn ein Ausschlusskriterium sind mangelnde Kenntnisse nicht unbedingt. „Manchmal hätten die Unternehmen gerne einen Kandidaten mit den Sprachkenntnissen - vielleicht sind die aber erst beim Aufsteigen wichtig”, sagt Oerke. Bewerber sollten offen mit dieser Wissenslücke umgehen und Bereitschaft zeigen, die Kenntnisse zu vertiefen.

(Von Pauline Sickmann, dpa)

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