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Riskante Fragen im Vorstellungsgespräch: Warum man sie trotzdem stellen sollte

  • Luisa Ebbrecht
    vonLuisa Ebbrecht
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Im Vorstellungsgespräch können auch Bewerberinnen oder Bewerber Fragen stellen. Auch riskante oder gewagte Fragen sind dabei erlaubt.

  • Bei einem Vorstellungsgespräch darf auf die Bewerberin oder der Bewerber Fragen stellen.
  • Die Rückfragen sollten allerdings gut vorbereitet sein.
  • Auch gewagte Fragen nach Geld und Arbeitszeit dürfen gestellt werden.

Frankfurt – Vorstellungsgespräche sind der Standard im Bewerbungsprozess. Für Personaler gibt es keine bessere Möglichkeit, die Bewerber fachlich und persönlich kennenzulernen und offene Fragen zu klären. Meist bereiten sich Job-Bewerber auf das Gespräch mit dem Personaler vor. Die Daten zum Unternehmen werden auswendig gelernt, Stärken und Schwächen analysiert und alle möglichen Frage-Szenarien durchgespielt. Worauf dabei oft nicht geachtet wird? Das eigene Formulieren von Fragen.

Fragen zum Gehalt im Vorstellungsgespräch sind erlaubt

Laut einem Personaler eines großen Automobilherstellers ist gerade das ein großer Fehler. Das Stellen von Fragen sei genauso wichtig für den Kennlernprozess wie das Beantworten von Fragen. Aber welche Fragen sollte man als Bewerber stellen?

Die Frage nach dem Gehalt ist oft ein schwieriges Thema. Als Bewerber möchte man sich seine Chancen auf den Job mit zu hohen Gehaltserwartungen nicht verspielen. Trotzdem sollte man laut des Recruiters offen mit dem Thema umgehen: „Man darf sich nicht unter Wert verkaufen.“ Auch Fragen zum Thema Gehaltserhöhung seien legitim.

Wenn einem Bewerber im Vorstellungsgespräch nicht gerade ein Roboter gegenübersitzt, lassen sich Personaler gerne durch ungewöhnliche Fragen aus der Reserve locken.

Frage nach der Arbeitszeit im Vorstellungsgespräch: Offenheit ist sehr wichtig

„Wie oft und unter welchen Bedingungen ist eine Gehaltserhöhung zu erwarten?“, klingt wie eine riskante Frage im Vorstellungsgespräch. Der Automobil-Recruiter hält die Frage allerdings für sehr wichtig: „Nur durch solche Fragen können Zukunftserwartungen und Aufstiegschancen geklärt werden. Der Bewerber zeigt Motivation und Zukunftsorientierung durch diese Frage.“

Ein weiteres heikles Thema für das Vorstellungsgespräch ist die Frage nach der durchschnittlichen Arbeitszeit. Zwar erhält der Bewerber schon in der Stellenausschreibung einen Anhaltspunkt über die vorgesehene Arbeitszeit, jeder weiß allerdings, dass sich diese oft nicht auf die tatsächliche Zeit bezieht. Kein Bewerber möchte mit der Frage faul oder unmotiviert klingen. „In meinen Augen tut er das nicht. Eine gute Work-Life-Balance ist uns wichtig. Wenn der Bewerber aus privaten Gründen nur eine bestimmte Stundenzahl in der Woche arbeiten kann, dann akzeptieren wir das. So viel Offenheit hinterlässt Eindruck“, sagt der Personaler.  

Diese Fragen kann man gegen Ende des Vorstellungsgesprächs auch noch stellen

Vor allem zum Ende des Vorstellungsgesprächs wird das Interesse auf Bewerberseite durch eine Rückfrage zum Ausdruck gebracht. Auf Fragen wie „Möchten Sie noch irgendetwas wissen?“ antworten Bewerber meist mit „nein“. Dabei gibt es sehr viele Fragen, die man zum Ende des Gesprächs stellen kann:

  • Wie würde der ideale Bewerber oder die ideale Bewerberin für Sie aussehen?
  • Wie ist diese Stellenausschreibung entstanden?
  • Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?
  • Welche sozialen Kompetenzen erwarten Sie von mir?
  • Was sind die Herausforderungen dieser Stelle?
  • Wie könnte ein typischer Arbeitstag im Job aussehen?

Laut dem Recruiter gibt es keine Fragen, die man im Vorstellungsgespräch nicht stellen sollte. Es gehe eher darum, wie sie gestellt werden. Je nach Situation und Atmosphäre muss die Frage angepasst und ein geeigneter Zeitpunkt gefunden werden. Gerade riskante oder ungewöhnliche Fragen hinterlassen dann aber einen bleibenden Eindruck. (Luisa Ebbrecht)

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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