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Bei der Hauptuntersuchung (HU) schneidet der Renault Clio oft überdurchschnittlich schlecht ab. In der ADAC-Pannenstatistik liegt er immerhin im Mittelfeld. Foto: Renault

Lenkgelenke bei Renault Clio früh defekt

Was in Deutschland der Polo, ist in Frankreich der Clio: einer der beliebtesten Kleinwagen überhaupt. Aber auch auf hiesigen Straßen ist das Modell oft zu sehen. An seiner Qualität dürfte die Popularität aber nicht zwingend liegen.

Was in Deutschland der Polo, ist in Frankreich der Clio: einer der beliebtesten Kleinwagen überhaupt. Aber auch auf hiesigen Straßen ist das Modell oft zu sehen. An seiner Qualität dürfte die Popularität aber nicht zwingend liegen.

Schneidet doch der Clio zumindest bei der Hauptuntersuchung (HU), Gradmesser für die Zuverlässigkeit, oft überdurchschnittlich schlecht ab. Vielleicht ist es der französische Charme, der den Absatz anschiebt - der Clio ist für ein Auto seiner Klasse ja auch gefällig gestylt.

Und praktisch ist er auch. Denn seit dem Typ III gibt es ihn auch als Kombi Grandtour, der ordentlich zuladen kann. „Charme und Optik des kleinen Franzosen stimmen”, schreibt der „TÜV Report 2018”, um gleich anzufügen: „Der Clio nervt jedoch auch mit unnötig vielen technischen Mängeln.” Angefangen beim Fahrwerk: Öfter als andere Modelle monieren die Prüfer anfällige Achsaufhängungen, Federn, Dämpfer. Völlig aus dem Rahmen fallen die Lenkgelenke ab der dritten HU und einem Fahrzeugalter von sieben Jahren.

Bereits zwei Jahre früher, und damit auch bei der aktuellen Modellgeneration, gibt es Kritik an Abblendlicht, Beleuchtung und Blinkern. Ebenfalls früh treten Probleme mit der Fußbremse auf. Wenigstens unter Ölverlust und Rost leidet der Clio demnach kaum, während das Modell wiederum relativ oft die Abgasuntersuchung (AU) nicht auf Anhieb schafft. Unterm Strich gilt: Während der Clio III schon ab einem Alter von fünf Jahren überdurchschnittlich oft mit erheblichen Mängeln durch die HU rasselt, ist der Clio IV besser, ohne wirklich gut zu sein.

Weniger düster ist das Pannenverhalten. In der einschlägigen ADAC-Statistik rangiert der kleine Franzose im Mittelfeld. Manche Jahre schneiden im Vergleich sogar gut ab. Auffällig in der aktuellen Auswertung sind lediglich Exemplare der Baujahre 2013 bis 2015, die wegen entladener Batterien Hilfe benötigten. In vorangegangen Jahresstatistiken sorgten auch defekte Zündspulen oder kaputte Kurbelwellensensoren für Sorgenfalten.

Fünf Rückrufe für den aktuellen Clio und seinen direkten Vorgänger hat der ADAC dokumentiert. Im September 2014 waren scheuernde Bremsschläuche und sich lösende Bremskolben das Problem. Deswegen mussten knapp 22 000 Autos vom Bauzeitraum März 2013 bis Mai 2014 zurück in die Werkstatt. Sich aufscheuernde Bremsschläuche waren auch im Sommer 2015 noch einmal Anlass für eine Aktion sowie später schlecht montierte Dachspoiler und Sitzbänke.

Der Clio III kam 2005 auf den Markt, wurde 2008 und 2009 überarbeitet und anders als sein Nachfolger noch als Dreitürer ausgeliefert. Dieser kam 2012 in den Handel - nur noch als Fünftürer sowie als Kombi - letzteres keine Selbstverständlichkeit bei den Kleinwagen. 443 Liter Gepäckraum stehen zur Verfügung gegenüber 300 Litern im Fünftürer. Sein Facelift erhielt das aktuelle Modell 2016. Es brachte ein aufgefrischtes Design mit neuer Frontschürze und überarbeitetem Kühlergrill, ein weiterentwickeltes Online-Infotainment, LED-Scheinwerfer als Extra und teils neue Motoren.

Unter der Motorhaube des französischen Kleinwagens arbeiten Benziner und Diesel. Auch ein sportliches R.S.-Modell gibt es. Dessen Motor bringt es auf 148 kW/201 PS im älteren und maximal 162 kW/220 PS im neueren Clio. Ansonsten erstreckt sich das Leistungsband der Ottomotoren von 48 kW/65 PS bis 145 kW/197 PS. Die Diesel kommen je nach Generation und Ausführung auf 50 kW/68 PS bis 81 kW/110 PS. Der schwächste Motor ist im Kombi nicht verfügbar.

Ein älterer Diesel-Kombi, etwa der Clio III 1.5 dCi 105 FAP mit 78 kW/106 PS von 2011 wird im „DAT Marktspiegel”, der Preissammlung der Deutschen Automobil Treuhand, ab 6250 Euro durchschnittlichem Verkaufspreis geführt - bei 117 000 Kilometern Laufleistung. Als dreitürige Limousine fallen mindestens 5675 Euro an.

Soll es das neuere Modell sein, so werden beispielsweise für einen 1.2 16V 75 Grandtour Expression mit 54 kW/74 PS von 2013 im Mittel 6850 Euro berechnet (72 000 Kilometer). Ein 1.6 Turbo R.S. 200 mit 147 kW/200 PS vom Baujahr 2014 ist mit 13 100 Euro (59 000 Kilometern) geführt. Soll es der 1,5-Liter-Diesel vom letzten Facelift sein, so werden für den Fünftürer 1.5 dCi 110 Energy mit 81 kW/110 PS von 2016 mindestens 11 750 Euro fällig (38 000 Kilometer).

(dpa)

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