Corona-Virus aus China.
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Corona-Virus aus China.

Aida, MSC & Co.

"Als würden wir auf Selbstmordmission gehen" - Crew-Mitglied über Coronavirus auf Kreuzfahrt

  • Simona de Clerk
    vonSimona de Clerk
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Durch das Coronavirus werden auch Kreuzfahrten derzeit stark beeinträchtigt. Viele Kreuzfahrten werden abgesagt. Andere Linien weigern sich dagegen.

  • Immer mehr Kreuzfahrten werden wegen des Coronavirus abgesagt, zahlreiche Reedereien kündigten an, Passagiere und Crew vor der Reise untersuchen zu wollen. 
  • Mehrere große Kreuzfahrtlinien weigern sich währenddessen, Reisen nach China abzusagen.
  • Das Kreuzfahrtschiff Costa Venezia kehrte nach einer sechstägigen Kreuzfahrt nach Shenzhen im Südosten Chinas zurück, dabei mussten rund 5.000 Passagiere und 1.250 Crewmitglieder vor Ort auf das Coronavirus* hin untersucht werden.

Besatzungsmitglied: Warum Kreuzfahrten sich weigern, Reisen abzusagen

Einige Kreuzfahrt-Unternehmen* möchten ihre Reisen nicht absagen. Zudem haben sie beschlossen, ihren Kunden den Preis für Kreuzfahrten*, die chinesische Häfen anlaufen, nicht zu erstatten. Zu den Unternehmen, die von Absagen der Kreuzfahrten in oder nach China absehen wollen, zählen folgende:

  • Celebrity
  • Holland America Line
  • Seabourn Cruises
  • Aida

Ein Crew-Mitglied, das bei Seabourn Cruises beschäftigt ist,an Bord der Seabourn Ovation arbeitet und anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber dem Portal Cruise Law News: "Ich vermute, meine Firma hat nicht vor, unsere Reise nach Hongkong am 1. und 2. Februar zu stornieren. Schlimmer noch, es ist unser Einschiffungstag. Sie glauben vermeiden zu können, dass ein infizierter Gast an diesem Tag an Bord geht, trotz der Inkubationszeit des Virus, die zehn bis vierzehn Tage beträgt. Ich hoffe, sie werden ihre Meinung ändern. Denn es ist, als würden wir auf Selbstmordmission gehen..."

Weiter heißt es von Seiten des Portals Cruise Law News, dass es einer Katastrophe gleichkomme, tausende Menschen während einer Epidemie auf einem Kreuzfahrtschiff einzuschließen. Kreuzfahrtgesellschaften würden zwar vor dem Einsteigen bei jedem Passagier und Crew-Mitglied die Temperatur messen. Die Inkubationszeit für Coronaviren betrage jedoch bis zu vierzehn Tage. Passagiere könnten also beim Einsteigen noch keine Anzeichen der Erkrankung zeigen, jedoch die Krankheit schon ins ich tragen und an andere Menschen weitergeben. 

Coronavirus auf Kreuzfahrt: Aida Cruises besteht auf die Durchführung der Reisen

Wie ein Leser der Redaktion mitteilte, sehe auch Aida von einem Stopp ihrer Kreuzfahrten ab. So hieß es demnach laut Anfrage von Seiten des Kreuzfahrt-Unternehmens: "Die Gesundheit der Gäste und Crew hat für Aida Cruises oberste Priorität. Wir beobachten daher aufmerksam die Entwicklung der sogenannten 'Wuhan Lungenentzündung', hervorgerufen durch das Coronavirus. Wir stehen im ständigen Kontakt mit lokalen Gesundheitsbehörden, verfolgen die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes und die Anweisungen der World Health Organization (kurz WHO). Aktuell empfiehlt die WHO keine Einschränkung des Reisens in die betroffenen Regionen aufgrund der Krankheit. Die entsprechenden AIDA Anläufe finden daher wie geplant statt. Alle AIDA Schiffe unterliegen strengsten Hygienestandards. Unsere kontinuierlichen Kontrollen und Maßnahmen liegen weit über den an Land gültigen Vorschriften. "

Das Auswärtige Amt warnt derweil vor Reisen in bestimmte Regionen Chinas.

Lesen Sie hier: Coronavirus: Auswärtiges Amt rät Urlaubern zu Verschiebung von bestimmten Reisen.

Viele Kreuzfahrten in China wegen Coronavirus abgesagt

Unter Berufung auf Richtlinien der chinesischen Regierung zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus* haben derzeit einige Kreuzfahrt-Unternehmen ihren Betrieb in China eingestellt. Dazu zählen folgende:

  • Costa Kreuzfahrten (Asien) 
  • MSC
  • Royal Caribbean
  • Genting Cruise Lines

Das Schiff Costa Venezia gehört zu Costa Asia, einer Schwester von Costa Crociere, und fährt ausschließlich auf dem asiatischen Markt. In diesem Fall sind also ausschließlich chinesische Passagiere betroffen oder diejenigen, die in China ihre Kreuzfahrt starten.

Costa erklärte dazu laut dem Portal Cruise Industry News, dass Gäste Anspruch auf eine volle Rückerstattung oder ein alternatives Abreisedatum haben. Das Unternehmen hat von allen Kreuzfahrtgesellschaften die größte Präsenz. Laut dem Portal Financial Times werde jedem Passagier ein Gesundheitsfragebogen vor der Einschiffung aushändigt. Gäste und Besatzung würde vor jeder Fahrt untersucht. "Jeder, der an einer Krankheit leidet, die für die internationale öffentliche Gesundheit von Belang ist, darf nicht an Bord gehen", so das Unternehmen.

MSC sagte eine Fahrt mit Startdatum 28.1.20 der "Splendida" von Shaghai ab. Royal Caribbean cancelte die Kreuzfahrt mit Abfahrt am 27.1.20 in Shanghai auf der "Spectrum of the Seas".

Lesen Sie hier: Kreuzfahrt-Mitarbeiter genervt von deutschen Touristen - "Menschen zweiter Klasse".

Kreuzfahrtschiff "Costa Venezia" wird auf Coronavirus untersucht - 148 Personen isoliert

Bei der Ankunft am Hafen von Shenzhen am Morgen des 26. Januar 2020 wurden Reisende des Kreuzfahrtschiffes "Costa Venezia" von einem Ärzteteam, das an Bord kam, untersucht. Der Verdacht: das Coronavirus.

Die 4.973 Passagiere und 1.249 Besatzungsmitglieder des Kreuzfahrtschiffes wurden von Ärzten auf Symptome von Fieber und Lungenentzündung getestet. Bei vier von ihnen wurde hohe Temperatur festgestellt. 148 Passagiere, die in Wuhan wohnen oder Wuhan kürzlich besucht haben, wurden für eine strengere Untersuchung isoliert, wie das Portal Maritime Bulletin berichtete. Passagiere und Besatzung mussten demnach einen kompletten Tag an Bord ausharren. Erst am Abend des 26. Januar 2020 erhielten sie die Erlaubnis, von Bord des Kreuzfahrtschiffes zu gehen.

Die nächste planmäßige Kreuzfahrt wurde daraufhin abgesagt. 5.155 Touristen erhalten hierfür laut dem Bericht eine Rückerstattung, einschließlich der Kosten für Flugtickets.

Lesen Sie hier: Ranking: Die besten Kreuzfahrtlinien 2020 - keine deutschen dabei.

Video: Was wir bisher über das Coronavirus wissen

Zahlreiche Menschen weltweit an Coronavirus erkrankt

Die Zahl derer, die an dem Virus erkrankt sind, kletterte bislang auf mehr als 6.000 Fälle. Mehr als 50 Fälle außerhalb Chinas sind zudem weltweit bestätigt. Auch in Deutschland gab es bereits einen ersten Fall, ein Mann erkrankte am Coronavirus. Die Zahl der Coronavirus-Toten liegt derzeit bei 132 Personen. Mittlerweile herrscht sogar auch Sorge, ob die Olympiade 2020 in Tokio stattfinden kann.

Land

Krankheitsfälle (Stand 28.1.20)

China

6.000

Japan

6

Korea

4

Vietnam

2

Singapur

7

Australien

5

Malaysia

4

Kambodscha

1

Thailand

14

Nepal

1

Sri Lanka

1

USA

5

Kanada

2

Frankreich

3

Deutschland

4

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sca

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Die Kreuzfahrt ist eine beliebte Urlaubsform mit seit Jahren steigenden Passagierzahlen.
Die Kreuzfahrt ist eine beliebte Urlaubsform mit seit Jahren steigenden Passagierzahlen. © Andrea Warnecke
In Norwegen sollen strenge Umweltschutzgesetze unter anderem die sensible Fjordlandschaft schützen.
In Norwegen sollen strenge Umweltschutzgesetze unter anderem die sensible Fjordlandschaft schützen. © Hurtigruten
Kraftstoff bunkern: Auch das Tankschiff für die "Aida Nova" wird mit LNG aus Terminals in Barcelona und Teneriffa angetrieben.
Kraftstoff bunkern: Auch das Tankschiff für die "Aida Nova" wird mit LNG aus Terminals in Barcelona und Teneriffa angetrieben. © Juanjo Martinez
Die "Aida Nova" von Aida Cruises ist das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das im Hafen und auch auf See hauptsächlich mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben wird.
Die "Aida Nova" von Aida Cruises ist das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das im Hafen und auch auf See hauptsächlich mit Flüssigerdgas (LNG) angetrieben wird. © Juanjo Martinez
Felix Eichhorn ist Präsident der Reederei Aida Cruises.
Felix Eichhorn ist Präsident der Reederei Aida Cruises. © Andrea Warnecke
Daniel Skjeldam ist CEO der norwegischen Reederei Hurtigruten.
Daniel Skjeldam ist CEO der norwegischen Reederei Hurtigruten. © Hurtigruten
Kreuzfahrtschiffe gelten vielen als "Dreckschleudern", die die Umwelt verschmutzen.
Kreuzfahrtschiffe gelten vielen als "Dreckschleudern", die die Umwelt verschmutzen. © Philipp Laage
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Umweltschutz ist besonders in ökologisch sensiblen Gegenden wie hier in der Arktis wichtig. © Verena Wolff
Mit der "Roald Amundsen" von Hurtigruten geht das erste Hybrid-Expeditionsschiff an den Start.
Mit der "Roald Amundsen" von Hurtigruten geht das erste Hybrid-Expeditionsschiff an den Start. © Hurtigruten
Die meisten Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schweröl, dem Überrest aus den Erdölraffinerien.
Die meisten Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schweröl, dem Überrest aus den Erdölraffinerien. © Andrea Warnecke

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