SCHIPHOL - A KLM cabin attendant in an airplane at Schiphol Airport. Now that the corona measures are increasingly being
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Mehr und mehr Menschen verreisen nach dem Corona-Lockdown wieder mit dem Flugzeug. Doch wie hoch ist das Infektionsrisiko an Bord? (Archivbild)

Reisen in der Pandemie

Corona-Risiko bei Flugreisen – Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Flieger?

  • Yannick Wenig
    VonYannick Wenig
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In den Sommerferien setzen viele Airlines wieder mehr Flugzeuge ein, um die Menschen zu ihren Urlaubszielen zu fliegen. Doch wie hoch ist die Corona-Gefahr an Bord?

Frankfurt – Sommerzeit heißt Reisezeit. Viele Menschen in Deutschland sind nach dem Corona-Lockdown und den damit verbundenen Einschränkungen für das Reisen endlich wieder im Urlaubsfieber. Während es die einen bereits wieder in die Ferne zieht, löst der Gedanke an das Reisen mit dem Flugzeug in Corona-Zeiten eher ein mulmiges Gefühl aus. Sie planen ihren Urlaub lieber in Deutschland oder zumindest mit dem Auto in beliebten europäischen Urlaubszielen wie Italien, der Niederlande oder Spanien. Aber wie hoch ist die Gefahr, sich an Bord eines Fliegers mit dem Coronavirus zu infizieren überhaupt? Und welche Möglichkeiten, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, gibt es?

Eng aneinander gereihte Sitze, schmale Gänge, keine zu öffnenden Fenster und zahlreiche Menschen aus aller Welt: Dass die Gefahr, sich in einem Flugzeug mit Corona anzustecken, höher ist, scheint offensichtlich. Daher haben sich bereits mehrere Studien mit dem Thema des Infektionsrisikos in Flugzeugen beschäftigt. Eindeutige Ergebnisse gelten jedoch eher als Rarität. Aber welche Erkenntnisse konnten gewonnen werden?

Corona-Risiko im Flugzeug: Freier Mittelsitz senkt die Ansteckungsgefahr bei Flugreisen

So hat eine an der Kansas State University durchgeführte Studie der US-Seuchenschutzbehörde, Centers of Disease Control and Prevention (CDC), herausgefunden, dass das Corona-Risiko in Flugzeugen mit einem oder zwei Gängen minimiert werden kann, wenn die Maschine nicht voll besetzt ist. Eine Senkung der Ansteckungsgefahr um bis zu 57 Prozent sei möglich, wenn die mittleren Sitzplätze in jeder Reihe frei bleiben. Die von den Forschern angefertigten Modelle zeigen, dass das Infektionsrisiko eines Flugpassagiers um 23 Prozent sinkt, wenn dieser in einer Sitzreihe, allerdings zwei Sitze entfernt von einem infizierten Fluggast sitzt.

Das Freilassen der mittleren Sitze in einem Bereich von drei Sitzreihen, auf denen eine Mischung aus gesunden sowie Corona-Infizierten sitzen, senkt das Risiko demnach sogar auf nur 57 Prozent. Die Studie bezieht sich allerdings nur auf die Wahrscheinlichkeit, mit der Passagiere mit dem Coronavirus potenziell in Kontakt kommen, nicht aber auf eine mögliche Übertragung des Virus. Im Übrigen bieten einige Airlines inzwischen an, den Mittelplatz einer Sitzreihe gegen einen Aufpreis ebenfalls zu buchen. So können Passagiere selbst dafür Sorge tragen, den nötigen Abstand herzustellen.

Reisen mit dem Flugzeug: Auf welchen Sitzplätzen ist das Corona-Risiko gering?

Aber auf welchen Sitzplätzen im Flugzeug ist das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus vergleichsweise gering? Auch dazu existiert eine Studie der Emory University in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, wie travelbook.de berichtet. Demnach sei die Anzahl der möglichen Kontaktpersonen während eines Fluges auf einem Gangplatz deutlich höher als auf einem Fensterplatz. Passagiere auf einem Gangplatz hätten während eines Fluges im Durchschnitt mit 64 Menschen Kontakt, Personen, die am Fenster sitzen, dagegen durchschnittlich nur zwölf Kontakte. Der Haken an der Studie: Die Untersuchung wurde bereits im Jahr 2018 durchgeführt und zielt dementsprechend nicht auf die aktuelle Situation mit der Corona-Pandemie ab.

Viel entscheidender als die Auswahl des Sitzplatzes sei aber die Einhaltung der geltenden Hygieneregeln und der getroffenen Sicherheitsmaßnahmen. Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston habe gezeigt, dass „das Übertragungsrisiko von Sars-CoV-2 in einem Flugzeug durch die Kombination mehrschichtiger Maßnahmen zur Infektionskontrolle auf ein sehr niedriges Level reduziert wird“, wie es in einem Bericht zur Studie heißt. Das gilt sowohl für die Passagiere als auch für das Kabinenpersonal.

Insbesondere das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes oder einer FFP2-Maske durch Crew-Mitglieder und Flugreisende sei wichtig, heißt es. Das gilt im Flugzeug gleichermaßen wie in den Terminals an allen deutschen Flughäfen wie dem Flughafen Frankfurt. Aber auch regelmäßiges Waschen und Desinfizieren der Hände, die Einhaltung der Sicherheitsabstände beim Ein- und Aussteigen in die Maschine und die stetige Desinfektion von Flächen durch die Bediensteten, wie das Verbraucherportal Travelbook.de erklärt.

Corona-Risiko im Flugzeug: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr auf Langstreckenflügen?

Grundsätzlich gilt auch: Menschen mit Symptomen, die auf eine mögliche Corona-Infektionen hindeuten, sollten die Kabine eines Flugzeugs nicht betreten. Fluggäste werden dahingehend sensibilisiert, entsprechende Anzeichen frühzeitig zu melden. Der Nachweis eines negativen Corona-Antigen- oder PCR-Tests wird daher vorausgesetzt. Dennoch könnten Menschen in ein Flugzeug gelangen, die unwissentlich mit dem Coronavirus infiziert sind. Dies beinhaltet laut den Fachleuten aus Boston das größte Risiko.

Experten äußerten außerdem, dass dieses Risiko vor allem auf der Langstrecke höher einzuschätzen ist – trotz Masken und Abständen. Zu diesem Schluss kam beispielsweise das Gesundheitsministerium in Neuseeland, das das Corona-Risiko auf Langstreckenflügen analysieren ließ. Vorausgegangen war der Untersuchung ein 18-Stunden-Flug von Dubai nach Auckland im September 2020, nach dessen Ankunft sieben Passagiere positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Die Betroffenen kamen aus fünf verschiedenen Ländern, bevor sie in Dubai die gleiche Maschine betraten. „Durch die Informationen über Krankheitsprogression, Reisedynamik und Genomanalyse kommen wir zu dem Schluss, dass wahrscheinlich mindestens vier Übertragungen von Sars-CoV-2 während des Fluges stattgefunden haben“, erklärten die Wissenschaftler. „Diese Übertragungen geschahen trotz des mitgeteilten Einsatzes von Masken und Handschuhen.“

Airlines minimieren Corona-Risiko im Flugzeug – Doch es gibt keinen vollkommenen Schutz

Je länger der Flug also dauert, desto höher ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. „Viren und Bakterien verbreiten sich generell durch die Filtrationssysteme nicht leicht an Bord von Fliegern. Dennoch ist es schwierig, in vollen Flugzeugen Abstand zu halten und nahes Beieinandersitzen, manchmal stundenlang, kann das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, erhöhen“, erklärt die US-Gesundheitsbehörde, Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Eine vollkommene Sicherheit beim Reisen im Flugzeug besteht also nicht. Allerdings: Die Airlines versuchen mit Luft- und Schwebstofffiltern (sogenannte Hepa-Filter), die auch Aerosole aus der Luft filtern, die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

„Die Infektionsgefahr mit Blick auf Sars-CoV-2 wird durch Hepa-Filter im Vergleich zu Räumen, die solche Anlagen nicht haben, vermindert, aber keineswegs auf null reduziert. Je näher man bei einer infizierten Person sitzt und je länger man dort bleibt, desto höher ist das Risiko, selbst angesteckt zu werden“, so Klaus Schäfer, Reisemediziner beim ADAC. (yw)

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