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In Deutschland nimmt die Zahl an Hotels immer mehr ab, dafür steigt die Anzahl an Gästebetten.

Deutscher Hotelmarkt läuft heiß

Fast 700 neue Hotels in den nächsten drei Jahren, mit 100 000 Zimmern, knapp 17 Milliarden Euro Investitionen. „Da beginnt es mulmig zu werden”, sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA). Man müsse fragen, „ob die Nachfrage diesen Kapazitätsausbau tragen wird”.

Fast 700 neue Hotels in den nächsten drei Jahren, mit

100 000 Zimmern, knapp 17 Milliarden Euro Investitionen. „Da

beginnt es mulmig zu werden”, sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer

des Hotelverbands Deutschland (IHA). Man müsse fragen, „ob die

Nachfrage diesen Kapazitätsausbau tragen wird”.

Klar, wenn es so weitergeht wie in den vergangenen acht Jahren, dann

werden genügend Gäste aus dem In- und Ausland kommen, um sich in die

Extra-Betten zu legen. Seitdem geht es mit den Übernachtungszahlen

stets aufwärts. „Gute Konjunktur, politische Stabilität,

Nullzinspolitik”, all das seien Faktoren, die Reisen in Deutschland

attraktiv machten, meint der Otto Lindner.

Für den Chef der Hotelgruppe Lindner ist das aber ein labiler

Zustand. Kaum eine andere Branche reagiere so anfällig auf

Terroranschläge oder politische Krisen. „In den Unternehmen werden

Reisekosten als erstes gestrichen”, beschreibt er die Folgen eines

Abschwungs. Deshalb sei es bedenklich, wenn die Immobilienpreise

höher und höher kletterten, ebenso die Verkaufspreise von Hotels und

die Mieten für die Pächter. An einigen Orten gebe es Anzeichen von

Überkapazitäten.

Zuletzt hat sich der Durchschnittsertrag pro Zimmer verbessert, um

zwei Prozent auf 68 Euro im Jahr 2017. In diesen Wert eingerechnet

sind auch die ungenutzten Zimmer. Für gebuchte Zimmer zahlten die

Gäste ohne Frühstück im Schnitt 95 Euro plus Mehrwertsteuer. Die

Auslastung der Hotels und Pensionen lag nach Berechnung des

Statistischen Bundesamt 2017 bei 62,1 Prozent, ein kleines Plus von

0,3 Punkten.

Bei alledem auf den ersten Blick überraschend: Die Zahl der Hotels in

Deutschland sinkt - binnen eines Jahres um 300 auf 32 700. Zugleich

stehen rund 10 000 Zimmer mehr zur Verfügung als ein Jahr zuvor. Die

Erklärung: „Die Unternehmens- und Markenkonzentration in der

Hotellerie nimmt weiter zu”, formuliert Lindner. „Die neuen, großen

Hotels verdrängen die kleinen Einheiten”, sagt

IHA-Hauptgeschäftsführer Luthe.

Gerade für die kleineren Anbieter wird es zudem schwieriger, Personal

zu finden. „Wir haben einen enormen Verlust an Azubis”, berichtet

Lindner. Nach seiner Darstellung liegt das an der guten Ausbildung

und den besonderen kommunikativen Fähigkeiten der Kollegen aus seiner

Branche und nicht etwa an einer zu geringen Bezahlung im Vergleich zu

verwandten Dienstleistungsjobs.

Da erntet Lindner allerdings Widerspruch seitens der zuständigen

Gewerkschaft. Seit Jahren bräche fast die Hälfte der angehenden

Köche, Hotel- und Restaurantfachleute ihre Ausbildung ab. Der Grund

seien häufig die schlechte Qualität der Ausbildung und die

Arbeitsbedingungen. „Viele werden als billige Arbeitskräfte

missbraucht und müssen Überstunden machen”, sagt

Gewerkschaftssprecherin Karin Vladimirov.

„Die einen brechen ab, die anderen fallen durch die Prüfung, und

wieder andere werden abgeworben”, fasste sie die schwierige Lage

zusammen. Nach der Ausbildung bekämen Hotel- und Restaurantfachkräfte

je nach Bundesland einen tariflichen Monatslohn von 1725 bis 2148

Euro. Diese Bezahlung werde aber oft noch unterboten, denn zwei

Drittel der Unternehmen seien nicht an Tarifverträge gebunden. Als

Untergrenze gilt dann der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro pro

Stunde.

Lindner weist darauf hin, dass die Branche seit 2010 knapp 50 000

sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen habe. Es sei

nach wie vor „ein Geschäft von Menschen für Menschen”. Das komme ihm

angesichts von Debatten um Digitalisierung und Vertriebskanäle häufig

zu kurz. In der Hotellerie könne man auch ohne akademischen Abschluss

Karriere machen: „Sie haben die Chance, mit unter 30 Hoteldirektorin

zu werden.”

(Von Bernd Röder, dpa)

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