+
Hermann Maier (links) und Rainer Schönfelder: Die beiden früheren Skirennfahrer aus Österreich sind heute Investoren und stehen an der Rezeption des "Adeo Alpin"-Hotels in St. Johann in Tirol. Sie wollen ein preisgünstiges Hotelangebot in österreichischen Skigebieten bieten.

Skilegende als Hotelier

Den Nachwuchs im Blick: Zu Gast im Hotel von Hermann Maier

  • schließen

Die

Die österreichische Skilegende Hermann Maier war in seiner Karriere in vielen Hotels zu Gast. Er schätzt praktische Unterkünfte – ob er nun auf Skiern unterwegs ist oder mit dem Mountainbike. „Mir ist es wichtig, dass es keine weiten Wege gibt“, sagt er. „Die Lage ist für mich das Entscheidende.“ Der 43-Jährige ist nun selbst ins Geschäft eingestiegen. Er hat in ein Hotelunternehmen investiert – und ist Besitzer einer dazugehörigen Herberge in St. Johann in Tirol. Am 19. Januar 2016 ist das „Adeo Alpin“ offiziell eröffnet worden.

Es ist tatsächlich ein Hotel der kurzen Wege. Es liegt direkt an einem Zweier-Sessellift, der ins Skigebiet von St. Johann führt. Gegenüber befinden sich ein Ski- und Snowboard-Verleih sowie eine Skischule. Die Liftpässe können Gäste an der Rezeption kaufen, und schon geht’s los. Das Skigebiet am Fuße des Kitzbüheler Horns ist mit etwa 40 Pistenkilometern zwar kleiner als andere. Aber es umfasst lange, schöne Pisten mit allen Schwierigkeitsstufen.

Mit dem „Adeo Alpin“ wollen die Betreiber ein günstiges Hotel-Angebot in österreichischen Skigebieten etablieren. St. Johann soll der Anfang sein. Die Zimmer sind gemütlich eingerichtet, nicht zu klein, die Toilette ist vom Bad getrennt.

Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Rainer Schönfelder. Wie Maier war Schönfelder ein erfolgreicher Skirennläufer. Bereits als Profi elektrisierten ihn die Börsenkurse, und er gründete eine Investmentgesellschaft. „Zahlen haben mich schon immer fasziniert“, sagt der 38-Jährige.

Schönfelder hat viele Ideen und vermag sie im persönlichen Gespräch sehr überzeugend darzulegen. Er besitzt außerdem ein Showtalent. Die österreichische Ausgabe der TV-Sendung „Let’s Dance“ hat er gewonnen.

Schönfelder und die Investmentgesellschaft „You will like it“ halten 85 Prozent an „Adeo Alpin“. „Wir wollen es Einsteigern ermöglichen, Ski zu fahren“, sagt er. „Natürlich ist ein Winterurlaub teurer als ein adäquater Sommerurlaub, aber wir können es optimieren.“ Schönfelder hat vor allem Familien mit Kindern im Blick.

Im „Adeo Alpin“ in St. Johann haben 26 Doppelzimmer eine Verbindungstür und sind als Familienzimmer nutzbar.

Eine Familie mit zwei Kindern (4 und 8) zahlt zum Beispiel im Winter in der Hauptsaison 172,50 Euro pro Tag im Familienzimmer. In der Nebensaison wären es 112,70 Euro. Ein Doppelzimmer für zwei Erwachsene kostet in der Hauptsaison 118 Euro pro Tag (Nebensaison: 78 Euro). Frühstücksbüfett und Abendessen kommen extra (für Erwachsene jeweils 6 und 16 Euro). Im Preis inbegriffen sind die beheizten Spinde im Skiraum, in dem man Skischuhe und -jacke trocknen lassen kann. Kostenlos sind die Sauna im Haus und ein Platz in der Tiefgarage.

Schönfelder ist sich sicher: Das neue Hotel passt zu St. Johann, dem 9000-Einwohner-Ort. Auch dort hatte man Anfang des Winters mit dem warmen Wetter zu kämpfen. Einige Pisten blieben mangels Schnee geschlossen, selbst Schneekanonen halfen nicht, weil die Temperaturen zu hoch waren. Das liegt auch an der Lage. Der höchste Punkt im Skigebiet, der Harschbichl, ist nur 1604 Meter hoch.

Trotzdem hatten die Bergbahn-Mitarbeiter das Beste aus der Situation gemacht. Die Abfahrt auf den frei gegebenen Pisten machte Spaß. Auch für Anfänger sind die Hänge gut geeignet. Und vom nächsten Jahr an soll es komfortabler werden. Der schwedische Skigebietsbetreiber „Skistar“ steigt in St. Johann ein und übernimmt die Mehrheit der Bergbahngesellschaft. Fest steht schon jetzt, dass die beiden letzten langen Schlepplifte (Eichenhof I und II) noch in diesem Jahr durch Sessellifte ersetzt werden.

Der Tourismusverband erhofft sich davon einen Aufschwung. „,Skistar’ ist in Schweden auf Familienskigebiete spezialisiert“, sagt Geschäftsführer Gernot Riedel. „Das passt zu uns.“ Er hebt den „gemütlichen und authentischen Charakter“ von St. Johann hervor, mit dem sich der Ort vom großen Nachbarn Kitzbühel abgrenzen wolle. „Wir sind auch preisgünstiger“, wirbt Riedel.

Ein Indiz für den persönlichen Charakter des Ortes sind die Hütten und Berggasthöfen im Skigebiet, in welche die Wintersportler einkehren können. Selbstbedienung gibt es dort nirgendwo, überall wird man bedient. Die Preise bewegen sich im Rahmen dessen, was in anderen Skigebieten verlangt wird.

Etwas Besonders ist die Angerer Alm, die tagsüber Hausmannskost und abends eine gehobene Küche anbietet. Der Gasthof auf 1300 Metern beherbergt den höchstgelegenen Weinkeller Tirols. Über 6000 Flaschen lagern darin bei etwa elf Grad Celsius. Es ist das Reich von Annemarie Foidl. Die Wirtin ist Weinexpertin mit Diplom und Vorsitzende des Österreichischen Sommelierverbands. Sie veranstaltet auch Weinproben. „Bei uns sind schon wichtige politische Entscheidungen gefallen. Außerdem wurden Heiratsanträge gestellt – alle positiv beantwortet“, erzählt sie.

Im Skipass von St. Johann sind übrigens ab drei Tagen Gültigkeit weitere Skigebiete enthalten, zum Beispiel Hochfilzen oder die Steinplatte in Waidring. Oder man fährt gleich ins 15 Autominuten entfernte Kitzbühel, wo sich ein riesiges Skigebiet befindet. Das kostet zwar extra, aber es besteht die Möglichkeit, gleich den Skipass AllStarCard zu kaufen. Dieser umfasst ein immenses Gebiet, außer St. Johann und Kitzbühel unter anderem noch Wilder Kaiser Brixental, das ebenfalls nicht weit entfernt liegt.

Im Kitzbüheler Skigebiet zieht es den Skifahrer zur „Streif“ - der Rennpiste, von der Skirennfahrer mit Ehrfurcht sprechen. Die Hahnenkamm-Abfahrt gehört zu den Klassikern, ist legendär – und sehr gefährlich. Beim Abfahrtsrennen im Januar 2016 stürzten gleich drei Topfahrer, zwei davon zogen sich schwere Verletzungen zu. „Kitzbühel ist so brutal. Ich war heilfroh, als ich im Ziel war", sagte der Zweitplatzierte, der Schweizer Beat Feuz.

Wenn kein Rennen bevorsteht, können theoretisch alle die „Streif“ herunterfahren, doch nur wirkliche Könner sollten es wagen. Die Abfahrt ist als extreme Skiroute gekennzeichnet Mit der Familienstreif gibt es eine rote Piste, welche die gefährlichsten Abschnitte umgeht, aber trotzdem einen guten Eindruck von der Rennstrecke bietet. Selbst erfahrene Skifahrer sagen: „Das ist ja brutal.“

Den Siegerpokal des Jahres 2001 ist im „Adeo Alpin“ in St. Johann zu bestaunen. Hermann Maier hat die Trophäe im Abfahrtsrennen auf der „Streif“ errungen und stellt sie in einer Vitrine aus. Die stilisierte Gams in Goldfarbe ist eine der begehrtesten Preise im Skisport. Die Trophäe steht neben vielen anderen Auszeichnungen Maiers, zum Beispiel zwei großen Kristallkugeln, die er als Gesamtweltcupsieger bekommen hat. Damals war er der beste Skifahrer der Welt.

Heute favorisiert Maier Skitouren. Dabei steigen die Sportler den Berg hoch, spezielle Felle unter den Skiern geben den nötigen Halt auf dem Schnee. Oben wird abgefahren. Es ist eine ruhige, natürliche Art des Skifahrens, die immer mehr Anhänger findet. In St. Johann bieten die Bergbahnen das Tourengehen am Mittwoch- und am Freitagabend an. Bis 22 Uhr besteht an diesen Tagen keine Gefahr durch Pistenraupen, welche die Abfahrten für den nächsten Tag präparieren. Die Abfahrt im Dunkeln, am besten erhellt durch eine Stirnlampe, ist ein tolles Erlebnis.

Auch die Macher von „Adeo Alpin“ setzen auf diese Touren. Am 29. Januar 2016 wurde in dem Ort Zederhaus im Salzburger Land ein zweites Hotel dieser Art eröffnet. Es ist 25 Autominuten von Hermann Maiers Heimatstadt Flachau entfernt. „Für Skitourengänger ist es dort ideal. Das ist Entschleunigung und Natur pur“, schwärmt Rainer Schönfelder. „Ich traue dem Standort viel zu.“

Beide „Adeo Alpin“-Hotels sind übrigens auch im Sommer geöffnet. Dann gelten günstigere Preise. Der ehemalige Skistar Schönfelder kann sich insgesamt zehn bis zwölf Standorte in Österreich vorstellen. „Jetzt schau‘n wir mal, wie das Angebot ankommt.“

Der Autor war vom 12. bis zum 15. Januar 2016 in St. Johann zu Gast.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare