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Noch einmal die Heubichel-Piste im herrlichen Sonnenschein.

Reisetipp Kleinwalsertal

Prima Klima auf der Piste

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Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn groß angelegter Messungen. Die Erderwärmung ist ein wichtiges Thema in den Skigebieten der Alpen, selbst wenn sie hoch gelegen sind. Die Verantwortlichen der Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal haben pragmatisch reagiert und Wissenschaftler von drei Universitäten beauftragt, Klimaprognosen für ihr Gebiet zu erstellen. „Wir wollten mehrere Expertenmeinungen einholen“, sagt Augustin Kröll, Chef der Bergbahn AG im Kleinwalsertal.

Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn groß angelegter Messungen. Die Erderwärmung ist ein wichtiges Thema in den Skigebieten der Alpen, selbst wenn sie hoch gelegen sind. Die Verantwortlichen der Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal haben pragmatisch reagiert und Wissenschaftler von drei Universitäten beauftragt, Klimaprognosen für ihr Gebiet zu erstellen. „Wir wollten mehrere Expertenmeinungen einholen“, sagt Augustin Kröll, Chef der Bergbahn AG im Kleinwalsertal.

Das Ergebnis: „Wir brauchen Beschneiungsanlagen, aber wir können unsere Skigebiete auch in den nächsten 30 Jahren sicher betreiben.“

Auf dieser Grundlage investieren die Bergbahn-Unternehmen im Skigebiet (Markenname: „Das Höchste“) weiter kräftig. Für die kommende Wintersaison 2016/17 sind es insgesamt rund 24 Millionen Euro. Die Eigentümer –  zum größten Teil Energieunternehmen, die Walser Raiffeisen Holding und die Gemeinde Oberstdorf – sind sich sicher: Das rechnet sich.

„Zwei Länder, ein Skierlebnis“ damit wirbt die Region, die vor allem Familien ansprechen will. Fünf Skigebiete mit insgesamt 128 Pistenkilometern gibt es im deutschen Oberstdorf (Oberallgäu) und im österreichischen Kleinwalsertal (Vorarlberg). Bei einem Besuch Mitte Februar 2016 waren die Schneebedingungen ideal.

Die Landesgrenze verläuft mitten durch das Gebiet Fellhorn/Kanzelwand. Dort, auf fast 2000 Metern, kann man mit einem Skier in Deutschland, mit dem anderem in Österreich stehen. Im vergangenen Jahr sind die beiden Talabfahrten an einigen Stellen stark verbreitert worden und nun besser zu befahren.

Wenn die Saison zu Ende ist, wird der lange Fellhorn-Schlepplift zur Gipfelstation abgebaut. Künftig bringt dort ein Sechser-Sessellift die Ski- und Snowboardfahrer schneller und komfortabler nach oben. Es gibt Sturmhauben und eine Sitzheizung

Viel Geld ist an Fellhorn und Kanzelwand in Beschneiungsanlagen investiert worden. So kann das Gebiet jeweils schon Anfang Dezember öffnen. Im vergangenen Jahr waren zu diesem Zeitpunkt 15 von 36 Pistenkilometer präpariert.

Auch am Nebelhorn, dem Oberstdorfer Hausberg, sind viele Schneekanonen und -lanzen im Einsatz. Die 7,5 Kilometer lange Talabfahrt, die längste in Deutschland, kann dank der lückenlosen Beschneiung fast die gesamte Saison über befahren werden.

Das ist für Skifahrer ein Segen, denn der untere Teil macht bei der Abfahrt besonders viel Spaß. Wenn viele Wintersportler unterwegs sind, dauert es jedoch ein wenig, bis man wieder hoch auf den Berg kommt. Die Nebelhornbahn, eine Zweiseil-Pendelbahn, stammt aus dem Jahr 1976. Ihre Beförderungskapazitäten sind arg begrenzt. „Sie ist in die Jahre gekommen“, sagt Betriebsleiter Alfred Spötzl. Der Plan, die Bahn zu ersetzen, sei vor einigen Jahren am Einspruch eines Grundstücksbesitzers gescheitert, fügt er hinzu.

Nötig wäre eine Erneuerung jedoch vor allem, weil es bald eine neue Attraktion am Nebelhorn geben wird. Nahe des Gipfels auf 2224 Metern, wo Besucher eine prächtige Aussicht genießen, wird das alte Restaurant abgerissen. Auf dem Plateau entsteht leicht versetzt eine neue Gastronomie auf zwei Etagen.

Spektakulär verspricht ein Rundweg um den Gipfel zu werden, ein Steig, der im Felsen verankert wird. An der Nordwand, die senkrecht abfällt, wird wohl vielen der Atem stocken, obwohl natürlich alles gesichert ist. „Dem Gast wird das gefallen, da bin ich sicher“, sagt Spötzl. „Zu Weihnachten 2016 wollen wir fertig sein.“

Das Skigebiet am Nebelhorn hat 13 Pistenkilometer und ist anspruchsvoll. Es gibt einige schwarze Abfahrten. Von der ersten Liftstation, der Seealpe, geht übrigens auch eine eigene, zweieinhalb Kilometer lange Rodelabfahrt durch den Wald, für alle, die mal ohne Skier unterwegs sein wollen.

Investiert wird auch im Kleinwalsertal, und zwar am Ifen (24 Pistenkilometer). „Das Skigebiet ist ein Juwel, das wir nun aufpolieren“, sagt Bergbahnchef Augustin Kröll. Die Pisten sind in der Tat ein Erlebnis, herrlich gelegen, wunderbar zu fahren, von leicht bis schwer ist alles dabei. Aber die Liftanlagen…

Zwei alte Zweier-Sessel, die einen in die 80er Jahre zurückversetzen, bringen die Skifahrer zur Bergstation, dem Hahnenköpfle. Außerdem gibt es noch einen Schlepplift, der mittendrin um die Kurve führt eine echte Rarität. Der Schlepper samt Stützen wird nach Saisonende abgebaut. Auf seiner Trasse fährt künftig ein Sechser-Sessellift, der schon im Tal beginnt. Zur nächsten Saison soll die neue Anlage stehen. Auch die beiden alten Zweier-Sessel sollen in ein bis zwei Jahren weichen, sie werden durch zwei Zehner-Kabinenbahnen ersetzt. Damit hätte der Ifen das Liftangebot, das er verdient. Für die kommende Saison wird auch dort noch einmal kräftig in die Beschneiung investiert.

Besonders schön in dem Skigebiet ist die blaue Piste, die vom Gipfel bis ins Tal führt. Sie ist fast sieben Kilometer lang. „Anfänger können ab dem dritten Tag dort fahren“, sagt Kröll. Auf der anderen Seite gibt es die Ifoly-Abfahrt für Könner. Vergnügen bereitet der Olympiahang, eine schwarze geneigte Piste, auf der 1936 Olympiamannschaften trainierten, weil es im Austragungsort Garmisch zu wenig Schnee gab.

Weiter oben im Tal, in Mittelberg, befindet sich der Einstieg zum Gebiet Walmendingerhorn. 15 Pistenkilometer sind es dort. Hin kommt man entweder mit dem Bus, der im Winter alle zehn Minuten fährt. Oder man fährt selbst, nämlich auf dem Skigleitweg, der von der Talstation der Kanzelwandbahn in Riezlern über Hirschegg nach Mittelberg führt. Das schafft man in einer gemütlichen Tagestour. Ab einem Zwei-Tages-Skipass sind alle Lifte inklusive.

Die Skiregion bietet im Winter übrigens nicht nur etwas für Alpin-Skifahrer. Es gibt Schneewanderwege (etwa am Nebelhorn und am Ifen), Langlaufpisten im Tal und auf dem Berg, in Oberstdorf mehrere Eislaufhallen und in Riezlern eine Sommerrodelbahn, die auch im Winter geöffnet ist.

Unterkünfte gibt es in allen Preislagen. Bedenken sollte man bei der Wahl des Ortes, dass die Gemeinden im Kleinwalsertal höher als Oberstdorf liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dort eine schöne Winterlandschaft zu erleben, ist entsprechend größer. Mitte Februar 2016 lag in Oberstdorf kaum Schnee, während es bereits kurz vor Riezlern aussah wie in einem Winterwerbefilm.

Wer das nötige Geld hat, kann im besten Haus am Platz absteigen, dem Travel Charme Ifen in Hirschegg. Es ist das einzige 5-Sterne-Hotel im Kleinwalsertal, besitzt einen großen Wellness-Bereich und eine erstklassige Küche. Chefkoch Sascha Kemmerer ist gerade 32 Jahre alt, hat sich aber schon einen Stern und 17 von 20 Punkte im Restaurantführer von Gault Millau erarbeitet. In seiner Küche entstehen die Kreationen für das Gourmet-Restaurant „Kilian Stuba“, aber auch für das Hotelrestaurant „Theos“.

Das Ifen Hotel ist eine Herberge mit Geschichte: in den 1930er Jahren errichtet, während des Zweiten Weltkriegs als Gefängnis für prominente Häftlinge genutzt, Ende der 2000er Jahr abgerissen, mit der historischen Front neu aufgebaut und um einen modernen Trakt erweitert.

Alle Hotels im Kleinwalsertal bieten Skifahrern den Service, Liftkarten direkt an der Rezeption zu kaufen. So können die Gäste sofort ins Skivergnügen starten und müssen sich nicht erst an der Kasse der Bergbahnen anstellen.   Der Autor war vom 17. bis 20. Februar 2016 in Hirschegg im Kleinwalsertal zu Gast.

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