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Überraschende Eindrücke im katalanischen Girona

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Girona ist viel mehr als ein Ausflugs-Quickie an der Costa Brava. Wer sich Zeit nimmt, erlebt intensiv die Vielgesichtigkeit der katalanischen Provinzhauptstadt am Fluss Onyar.

Die farbigen Fassaden der Häuser spiegeln sich im Wasser des Flusses Onyar. Foto: Andreas Drouve
1 / 16Die farbigen Fassaden der Häuser spiegeln sich im Wasser des Flusses Onyar. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Die Fußgängerbrücke über den Fluss stammt aus den Werkstätten Gustave Eiffels. Foto: Andreas Drouve
2 / 16Die Fußgängerbrücke über den Fluss stammt aus den Werkstätten Gustave Eiffels. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Wer zur Kathedrale von Girona will, muss erst einmal die Treppe erklimmen. Foto: Andreas Drouve
3 / 16Wer zur Kathedrale von Girona will, muss erst einmal die Treppe erklimmen. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Quim Puerto ist Stadtführer in Girona. Foto: Andreas Drouve
4 / 16Quim Puerto ist Stadtführer in Girona. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Auch am späten Abend laden die erleuchteten Gassen der Altstadt Gironas zu einem Spaziergang ein. Foto: Andreas Drouve
5 / 16Auch am späten Abend laden die erleuchteten Gassen der Altstadt Gironas zu einem Spaziergang ein. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Auf dem Platz Independència geht es Abends auf den Restaurantterrassen in den Arkaden stimmungsvoll zu. Foto: Andreas Drouve
6 / 16Auf dem Platz Independència geht es Abends auf den Restaurantterrassen in den Arkaden stimmungsvoll zu. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Vom Plateau der Kathedrale hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Umgebung. Foto: Andreas Drouve
7 / 16Vom Plateau der Kathedrale hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Umgebung. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Der Kreuzgang der Kathedrale von Girona bietet ein wenig Ruhe. Foto: Andreas Drouve
8 / 16Der Kreuzgang der Kathedrale von Girona bietet ein wenig Ruhe. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Das Relief an der Kathedrale zeigt den Sündenfall mit Weintrauben, nicht mit einem Apfel. Foto: Andreas Drouve
9 / 16Das Relief an der Kathedrale zeigt den Sündenfall mit Weintrauben, nicht mit einem Apfel. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Die Arabischen Bäder wurden im Stil eines maurischen Badehauses nachempfunden. Foto: Andreas Drouve
10 / 16Die Arabischen Bäder wurden im Stil eines maurischen Badehauses nachempfunden. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Die Casa Masó ist ein historisches Bürgerhaus in Girona. Foto: Andreas Drouve
11 / 16Die Casa Masó ist ein historisches Bürgerhaus in Girona. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Jordi Falgàs ist Direktor des Museumshauses des Architekten Rafael Masó. Foto: Andreas Drouve
12 / 16Jordi Falgàs ist Direktor des Museumshauses des Architekten Rafael Masó. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Kunstschmied Sergi Cadenas steht in seiner Werkstatt «Ferros d'Art Cadenas». Foto: Andreas Drouve
13 / 16Kunstschmied Sergi Cadenas steht in seiner Werkstatt «Ferros d'Art Cadenas». Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Sergi Ballús und seine Frau Rose Rivas kochen im Altstadtrestaurant «Occi». Foto: Andreas Drouve
14 / 16Sergi Ballús und seine Frau Rose Rivas kochen im Altstadtrestaurant «Occi». Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Die katalanische Flagge wird in Girona mit einem gewissen Stolz gezeigt. Foto: Andreas Drouve
15 / 16Die katalanische Flagge wird in Girona mit einem gewissen Stolz gezeigt. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve
Mit Blumen geschmückte Balkone geben der Altstadt von Girona ein hübsches Gesicht. Foto: Andreas Drouve
16 / 16Mit Blumen geschmückte Balkone geben der Altstadt von Girona ein hübsches Gesicht. Foto: Andreas Drouve © Andreas Drouve

GIRONA (dpa/tmn) - «Hier will ich nie leben.» Das war der erste Gedanke, den Quim Puerto (45) hatte, als er im Alter von acht Jahren zum Arzt nach Girona musste. Damals empfand der Junge von der katalanischen Küste die Stadt im Inland als «feucht und verwahrlost».

Sein Bild von der Stadt hat sich inzwischen deutlich gewandelt: Seit eineinhalb Jahrzehnten lebt der studierte Touristiker hier - und ist mittlerweile begeistert von den aufgefrischten Ansichten, «dem Konzentrat aus 2000 Jahren Geschichte, der Kultur und der Gastronomie».

Am schönsten präsentiert sich Girona am Fluss Onyar: Im Wasser spiegeln sich bunte Häuserreihen, aufgeschichtet wie aus Legobaukästen, dazu die Türme der Kathedrale und der Basilika Sant Feliu. Unübersehbar auch die Fußgängerbrücke aus den Werkstätten Gustave Eiffels.

Überraschende Ansichten

Früher kam man nur nach Girona, wenn es an der Küste regnete, lautet ein böser Spruch. Dabei schwärmte schon in den sechziger Jahren der katalanische Schriftsteller Josep Pla (1897-1981) über die Stadt: Girona besitze «eine immense Persönlichkeit», es sei «eine scharfsinnige Stadt, die sich durch die Jahrhunderte hinweg erhalten hat, eine Stadt von angehäufter Sensibilität, von einer unerschöpflichen spirituellen Stärke, überraschend.»

Überraschende Ansichten gibt es in der Tat viele: Gassen, Plätzchen, Kopfsteinpflaster, Bruchsteinfassaden, Freiluftcafés und Balkone voller Blumentöpfe, Pflanzengehänge und trocknender Wäsche fügen sich zu einer Art Mosaik.

Besonders stimmungsvoll geht es am Abend zu, wenn die Tagesbesucher abgezogen sind. Dann verfängt sich auf dem Platz Independència der gedämpfte Stimmenhall von den Restaurantterrassen in den Arkaden. Dann atmet das Altstadtviertel Call wieder Stille, während das Laternenlicht über Treppenstufen und metallene Handläufe kriecht.

Eines der größten Judenviertel

Was so idyllisch wirkt, ist mit Tragik behaftet. Die Call um die Gassen Força und Sant Llorenç war im Mittelalter das Judenviertel Gironas, eines der größten in Spanien. Es gab Synagogen, Bäder, eine kabbalistische Schule, Wohnhäuser mit Innenhöfen und Gärten.

Girona brachte Gelehrte, Dichter und Ärzte hervor, doch auf Dauer stieg die Intoleranz gegenüber den Andersgläubigen. Ein Pogrom im August 1391 bedeutete den Anfang der Vertreibung der Juden aus Girona, die ein Jahrhundert später landesweit ihren traurigen Abschluss fand. Das Thema vertieft das gut aufbereitete Jüdische Geschichtsmuseum, zu dessen Exponaten Grabplatten vom jüdischen Friedhof zählen.

Monumentales Erbe und Kuriosa

Während im historischen Judenviertel wirklich Juden lebten, hat sich in den «Arabischen Bädern» (Banys Àrabs) woh kein Araber geaalt. Die Anlage aus dem Hochmittelalter wurde einzig dem Stil eines maurischen Badehauses nachempfunden. Ab dort schafft ein Aufstieg Anbindung an die Stadtmauerpromenade, deren freier Eintritt ein nettes Zeichen von Willkommenskultur setzt. Der Perspektivwechsel über Häuserdächer und Gärten ist fantastisch.

Im Blick liegt die Kathedrale, zu der eine breite Freitreppe aufsteigt, auf der sich gelegentlich Selfie-Darsteller in widersinnigsten Verrenkungen üben. Josep Pla sang einst sein literarisches Loblied auf die «ungeheure, herrschaftliche Gotik» des Doms, der «nicht einen, sondern hundert Besuche» verdiene.

Diese Meinung mag man im Vergleich zu anderen Kathedralen Spaniens nicht teilen, doch der Kirchenschatz bewahrt ein Highlight: den Schöpfungsteppich, ein Unikat romanischer Textilkunst mit dem Pantokrator im Zentrum, Lichtengeln, Meeresgetier und einer fast clownesken Sonne mit ihrem abstehenden Strahlenhaar.

Die Kuriosa setzen sich im Kreuzgang in Reliefszenen fort. Eine richtet den Fokus auf einen Höllenkessel mit züngelnden Flammen mit gehörnten Teufelsfiguren. Eine andere zeigt den Sündenfall, für den der Künstler - lokal inspiriert durch den Weinbau oder dessen Erzeugnisse - die Bibelstelle um die verbotenen Früchte als Verzehr von Trauben interpretierte.

Architektur, Begegnungen, Kulinaria

Zurück in andersartige Stücke Vergangenheit geht es im Museumshaus des Architekten Rafael Masó (1880-1935). Direktor Jordi Falgàs (54) übernimmt manchmal selber Führungen durch «dieses typische Haus der Bourgeoisie von vor hundert Jahren», das Masó im Stil des Noucentisme, des katalanischen Neoklassizismus, umgestaltete.

Das Anwesen über dem Onyar kommt genauso wenig von der Stange wie das, was Kunstschmied Sergi Cadenas (47) in seiner Werkstatt «Ferros d'Art Cadenas» nach alter Väter Sitte fertigt und Sergi Ballús (40) und Rose Rivas (45) im Altstadtrestaurant «Occi» avantgardistisch komponieren. Mit dem legendären Sternenbrecher «Celler de Can Roca», das schon als bestes Restaurant der Welt geadelt worden ist, können sie es freilich nicht aufnehmen.

Typisch für Gironas Küche ist die Fusion aus «Meer und Bergen» «Mar i Muntanya» - was sich beim Kochpaar Ballús und Rivas privat fortsetzt. «Schweinsfüße mit Hummer», schwärmt Rose von dem, was ihr Sergi daheim in der Küche am besten zubereitet. Im Restaurant wird man das jedoch nicht auf der Karte finden, bekräftigt Sergi Ballús, denn: «Das Gute daran ist, dass man sich ohne Scham die Finger ableckt - und zwar nicht in der Öffentlichkeit.»

Lage: Girona liegt 65 Kilometer entfernt von der französischen Grenze und 100 Kilometer entfernt von Barcelona.

Anreise: Erreichbar ist die Stadt mit dem Auto, per Bahn oder mit dem Flugzeug.

Reisezeit: Frühjahr bis Herbst.

Auskunft: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Reuterweg 51-53, 60323 Frankfurt am Main, Tel. 069-725033, frankfurt@tourspain.es

Webseite von Girona: www.girona.cat/turisme/eng

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